Wetten, dass..? „Wer ist schon fehlerfrei?“

Die letzten Kritiken waren verheerend. „Wir haben das verstanden“, sagt Markus Lanz. In der neuen Sendung will der Moderator deshalb alles richtig machen. Aber reicht das Vermeiden von Peinlichkeiten für eine gute Show?
Update: 06.10.2013 - 13:20 Uhr 33 Kommentare
„Wetten, dass..?“-Moderator Markus Lanz: Die erste Herbstausgabe seiner ZDF-Show hat er über die Bühne gebracht.

„Wetten, dass..?“-Moderator Markus Lanz: Die erste Herbstausgabe seiner ZDF-Show hat er über die Bühne gebracht.

KölnBei der Wette mit der Dampfwalze und den Bierflaschen erzählt Markus Lanz dann sogar einen FDP-Witz: Was ist gelb und stolpert auch wegen ein paar Flaschen? Das Publikum lacht. FDP-Witze, dachte man sich wohl, gehen doch jetzt gerade gut. Dass der Witz arg geplant rüberkam, ja beinahe wie abgelesen, schien ihn nicht weiter zu stören. Wir sind nicht peinlich. Wir sind en vogue. Nur das zählt.

Diese Haltung steht stellvertretend für diese „Wetten, dass..?“-Ausgabe aus Bremen, für einen Abend, an dem Markus Lanz vieles richtig machen wollte, dabei aber oftmals nur sehr bemüht wirkte. Das ging schon bei der Begrüßung los, als er eine „persönliche Bemerkung“ an die Zuschauer richtete: „Es gibt etwas im deutschen Fernsehen, was einmalig ist: Diese Liebesbeziehung zwischen Ihnen, dem Publikum zu Hause, und dieser Sendung“, sagte er da. „Und wie das so ist in einer 30-jährigen Ehe: Da kracht es auch schon mal ein bisschen.“ Ein Partner, so Lanz weiter, komme dabei mal „aus der Spur“ oder „in eine zweite Pubertät.“ Geholfen hat die Erkenntnis trotzdem nicht. „Wetten, dass...“ war am Samstagabend klarer Quoten-Verlierer gegen den Klitschko-Boxkampf auf RTL.

Dann richtete er sich offenbar direkt an die vielen Kritiker und deren Verrisse: „Wir haben das alles verstanden und raufen uns deshalb wieder zusammen.“ Er habe, so witzelt er, gemäß einer guten Ehe „niemals an Scheidung gedacht, dafür öfter mal an Mord“. Lanz, der Geläuterte?

Eine Entschuldigung war das zwar nicht so ganz, aber doch hatte man im neu formierten „Wetten, dass..?“-Team offenbar das Bedürfnis verspürt, den Zuschauern irgendwie noch einmal die Hand reichen zu müssen, nach den verheerenden bis vernichtenden Kritiken an der Mallorca-Ausgabe, die mit 6,7 Millionen Zuschauern den historischen Quotentiefpunkt der Sendung markiert hatte. In der Sommerpause hatte man die Show ein bisschen renoviert; Programmdirektor Norbert Himmler hatte angekündigt, „einiges verbessern“ zu wollen. Lanz selbst hatte vor ein paar Tagen gesagt, in Bremen wieder „ein sehr klassisches „Wetten, dass..?“ machen zu wollen.

Das, immerhin, war kein schlechter Vorsatz: Diese „Wetten, dass..?“-Sendung war besser als die vorherige. Es gab deutlich weniger peinliche Momente und wenig Fremdscham. Es gab routinierte Wetten, eine davon, mit einem Tablet, kann man gar als sehr modern bezeichnen.

Es gab Hollywood-Stars, einen guten Song (von John Newman) und einen netten Musical-Ausschnitt aus Rocky. Man ging auf Nummer sicher. Das bedeutete aber leider auch: Es gab wenig Witz. Denn das Unterlassen von gröbsten Fehlern macht allein noch keine gute Show.

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33 Kommentare zu "Wetten, dass..?: „Wer ist schon fehlerfrei?“"

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  • Der mit Abstand beste Moderator von "Wetten, dass..." war Thomas Gottschalk. Er konnte sich den unterschiedlichsten, nicht geplanten Situationen stets clever anpassen, fand die richtigen Worte und meisterte den Talk mit den Prominenten souverän. So hielt er die Gäste im Saal und die TV-Zuschauer gebannt.
    Fazit: Thomas Gottschalk muß wieder ran!

  • Man mag zu "Wetten, dass ..." stehen, wie man will. Aber diese Sendung mit der - aus der Halbwelt des Boxens stammende - Dauerwerbesendung eines unrühmlichen Privatsenders zu vergleichen und dabei festzustellen, diese habe eine bessere Einschaltquote gehabt, sagt doch sehr viel über unsere Gesellschaft im allgemeinen und den Fernsehzuschauer im besonderen.

  • 1. Niemand wird gezwungen die Sendung zu sehen!

    2. Lanz hat die Aufgabe angenommen, alle anderen die zuvor gefragt wurden hatten die Hose voll. Und auch Gottschalk wurde zuletzt immer mehr kritisiert. So gesehen macht Lanz das wohl nicht ganz so schlecht.

    3. Wenn einem das Gequatsche zu sehr stört, kann man sich die Sendung auch aufzeichnen und dann nur die Wetten ansehen.

  • Das heutige Wetten Dass hat wenig mit dem Wetten Dass der 80er gemein. Schon Anfang der 90er war die Sendung untot und komplett dem Ursprungskonzept entrückt. Gottschalk war verantwortlich dafür, aus einer Wettsendung mit einem tatsächlichem Einsatz einen seichten Promitalk zu machen. Seit Gottschalk habe ich die Sendung deshalb auch nicht mehr gesehen.

  • Ob "Wetten das ..." oder Klitschko Boxen (Ringen ?), alles der gleiche Müll. Gott sei Dank gibt es die "Dritten". Hier sehe ich meine Zwangsgebühren noch sinnvoll angewandt! Ein Rentner.

  • Das ist polemischer Unfug. In einer Medienszenerie unter lauter Privat-, Werbe- und Trash-TV braucht es solche lockeren Familiensendungen alten Schnitts.

    Wer umschalten zu noch größerem Müll will, kann das tun!

  • Ja, wenn ich den Lanz schon sehe, mit seinem aufgeknöpften Hemd und braunen Schuhen zum duklen Anzug... So ein Äffchen!

  • Der Kerl ist ebenso unfähig wie von sich eingenommen. Einfach nur peinlich! Es fehlt jeglicher Charme, jeglicher Witz und jegliche Authentizität. Sein einziger Pluspunkt ist sein Aussehen. Deshalb mein Vorschlag: Stopft ihn aus! Dann kann er weiterhin dekorativ sein, aber wir müssen sein unsägliches Gequatsche nicht mehr ertragen.

  • Als Gebührenzahler bedauere ich sehr, daß "Wetten dass ..." auf den Öffentlich-Rechtlichen läuft. Warum kann das nicht werbefinanziert auf RTL gemacht werden?
    Aber zur Sendung gestern: Indianer-Jonas hat mir leid getan. Ich habe die ganze Zeit gehofft, "wenn der nur nicht vor laufender Kamera vor Schwäche zu Boden geht!".
    Armer Mann - wieso mußte der so vorgeführt werden?
    Und zu "Cher" fiel Lanz auch nix ein, außer ihr vorgerücktes Alter lautstark rauszurufen - "ich weiß was!".
    Dabei war Cher die einzige unter den Gästen, die sprechen konnte, nicht bloß wie die "natürliche" Helene Müller mühsam Einstudiertes runterrattern.

  • Ich war bei Markus Lanz Zuschauergast in seiner gleichnamigen Talkshow. Seitdem rufen die Fernsehmacher einmal im Quartal bei mir an, um nachzufragen, ob ich nicht wieder Gast sein möchte. Ich würde sogar zwei Karten für den Vorzugspreis von 5,00 Euro erhalten....leider habe ich keine Zeit. Einmal dagewesen reicht völlig. Der Lanz kriegt noch nicht mal die paar Plätze bei der Aufzeichnung seiner Talkshow besetzt, die müssen den Leuten hinterher telefonieren. Oder bezahlte Models in die erste Reihe setzen, das läuft wirklich so.

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