Zum Start des Kinofilms Goethe, mit der Pistole an der Schläfe

Goethe im Kino. Nicht sein gesamtes Leben, nur ein Sommer. Aber es war eben auch die spannendste Episode seines Lebens. Die Liebe zur vergebenen Lotte Buff, seine Trauer, die er im „Werther“ verarbeitet hat, der Goethe wiederum zum Star machte. Aus dem Stoff hat Regisseur Philipp Stölzl einen tollen Kinofilm gemacht – der allerdings einen gewaltigen Schönheitsfehler hat.
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Kepler (Moritz Bleibtreu, links) und Goethe (Alexander Fehling) werden zwischenzeitlich Freunde. Quelle: DAPD

Kepler (Moritz Bleibtreu, links) und Goethe (Alexander Fehling) werden zwischenzeitlich Freunde.

DÜSSELDORF. Da muss Goethe 178 Jahre unter der Erde liegen, damit de erste Kinofilm über ihn gedreht wird. Und dann das: „Goethe!“ ist für eine Sache pädagogisch wertvoll: Um „Find-Den-Fehler“ zu spielen. Wenn sich ein Deutschlehrer überlegen sollte, mit seiner elften Klasse, die gerade den „Werther“ liest, in diesen Film zu gehen, muss eines klar sein: Auf historische Genauigkeit legten die Macher keinen Wert.

Die Geschichte, wie sich Goethe in die verlobte Charlotte Buff verliebt und mit ihr und ihrem Verlobten einen emotionalen Sommer in Wetzlar verbringt, ist weitgehend falsch dargestellt. „Totalen Unsinn“ nennt Regisseur Philipp Stölzl zum Beispiel im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Szene, in der Goethe mit Charlotte schläft. Natürlich hat es das so nie gegeben, ein Kuss war das höchste der Gefühle.

Außerdem war Lotte längst verlobt, als Goethe sie kennen und lieben lernte. Im Film war sie „frei“, was seine Moral in ein anderes Licht rückt. Genauso falsch ist die Darstellung des Selbstmordes von seinem guten Freund Jerusalem: Goethe war da nicht dabei, das passierte Monate nach ihrer Trennung und er erfuhr davon per Brief. Und natürlich erscheint der Werther auch erst zwei Jahre nach seiner Rückkehr aus Wetzlar – im Film wird Goethe von begeisterten Lesern empfangen.

Aber so ist das eben mit Dichtung und Wahrheit. Ein wenig Phantasie muss sein, erstrecht wenn es dem Kinopublikum gefällt. Und abgesehen von diesen Ungenauigkeiten ist „Goethe“ ein absolut sehenswerter Film – vielleicht auch gerade deswegen. Es geht in der Kunst eben im Dichtung und Wahrheit, da darf der Zuschauer mitentscheiden.

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