Ernährung und Übergewicht Warum die Deutschen lieber dick bleiben

Die Deutschen wissen, was gesund ist, aber essen es oft nicht. Aufklärung allein reicht nicht, um die Bevölkerung schlanker zu machen. Eine Studie der unabhängigen Organisation Foodwatch und der Technikerkrankenkasse.
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Laut der Studie „Iss was, Deutschland“ attestiert sich knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland selbst, an Übergewicht zu leiden. Acht Prozent bezeichnen sich sogar als stark übergewichtig. Quelle: dpa
Übergewicht

Laut der Studie „Iss was, Deutschland“ attestiert sich knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland selbst, an Übergewicht zu leiden. Acht Prozent bezeichnen sich sogar als stark übergewichtig.

(Foto: dpa)

Berlin„Hauptsache gesund“ ist den Menschen in Deutschland am wichtigsten, wenn es um ihre Ernährung geht. Das geht aus der Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, die die TK heute zusammen mit Foodwatch in Berlin vorgestellt hat. Gefragt, worauf es ihnen bei ihrer Ernährung ankommt, gaben 45 Prozent der Befragten an, dass sie vor allem gesund essen möchten.

In der letzten Befragung zum Ernährungsverhalten der Menschen in Deutschland 2013 sagten das nur 35 Prozent. Damit steht „gesund" erstmals noch vor „lecker" (41 Prozent). Für Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, sind das erfreuliche Ergebnisse. Sie stehen allerdings in auffallendem Kontrast zu einem anderen Befund.

Laut der Studie „Iss was, Deutschland“ attestiert sich knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland selbst, an Übergewicht zu leiden. Acht Prozent bezeichnen sich sogar als stark übergewichtig. Zudem verzeichnet die TK genau wie andere Krankenkassen seit Jahren einen Anstieg ernährungsbedingter Beschwerden.

Allein im Bereich der Herz-Kreislauf-Krankheiten, der Todesursache Nr. 1, sind die Arzneimittelverordnungen für Erwerbspersonen in den letzten 15 Jahren um über 80 Prozent gestiegen. „Mit der richtigen Ernährung lassen sich viele Risikofaktoren reduzieren.“ Doch warum geschieht das nicht, obwohl die Menschen offenbar genau wissen, welche Ernährung gesund und welche ungesund ist?

Nur ein Viertel der Befragten hat in der Studie angegeben, dass sie nicht genug über gesunde Ernährung wissen. „Häufig fehlt es an der Zeit für den Einkauf und die Zubereitung von frischen Lebensmitteln. Die Menschen greifen dann aus Bequemlichkeit zu Fertiggerichten oder Snacks, die häufig zu viel Fett, Salz oder Zucker enthalten“, erklärt der Gesundheitspsychologin Professor Annegret Flothow von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW).

Forderungen aus der Politik, das Thema Ernährung auf die Lehrpläne zu nehmen, helfen bei diesem Problem eher nicht weiter, meint Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Das Problem sei , dass die Ernährungsindustrie es den Kunden nicht gerade leichter mache, gesund zu essen.

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44 Kommentare zu "Ernährung und Übergewicht: Warum die Deutschen lieber dick bleiben"

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  • @Herr Heinz Keizer, 11.01.2017, 12:49 Uhr

    "Es geht um die Unabhängigkeit. Ein Gutachten durch die Zuckerindustrie ist auch nicht unabhängig."

    Da haben Sie natürlich Recht. Aber welches Gutachten und welche Studie ist heute, in unserem derzeitigen politischen System, schon wirklich unabhängig?

    Einen Vorschlag, wie sich daran etwas ändern ließe habe ich schon vor ein paar Jahren mal zusammenkeklempnert (siehe u.a. meine Kommentare zu den HBO-Artikeln http://www.handelsblatt.com/politik/international/george-w-und-jeb-seine-abwesenheit-verklaert-den-blick-auf-die-vergangenheit/11144282-2.html, http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/valley-voice/valley-voice-werd-mal-erwachsen-silicon-valley/12260898.html).

    Zugegeben, meine eigene IT-Kompetenz tendiert gegen Null. Aber schließlich handelt es sich dabei, wie gesagt, nur um EINEN Vorschlag, und außerdem habe ich auf diesem Planeten ein paar Milliarden Mitbewohner, darunter ausgemachte Experten auf diesem Gebiet, die sich darum kümmern können (bzw. könnten). Wäre sinnvoll.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Zudem ist das von den Konzernen verarbeitete Fett, größtenteils aus billigstem Palmöl.
    Palmöl enthält zudem 44% an gesättigten Fettsäuren und der Anbau der Palmölpflanze zerstört große Flächen von für unser Überleben wichtigem Regenwald.
    Der Erhalt dieser „grünen Lunge unseres einmaligen Planeten“, ist für unsere weitere Existenz auf dem blauen Planeten überlebenswichtig.
    Und wofür?
    Auch wieder für den Profit und die Gewinne der Konzerne!

  • Methan

  • Kinderschokolade und Überraschungsei, na warum wohl?
    Weil die Kids geil drauf sind!
    Genauso bei Mc Donalds z, Bsp. die Kindertüten mit den Spielzeugbeigaben.
    Da werden „Abhängige und Konsumenten“von der Nahrungsmittelkonzernen von klein auf rangezüchtet und viele Eltern hinterfragen nichts.
    Alles für den Profit und die Gewinne.
    Wieviel regenwald wird für das Rindfleisch der Burgerketten vernichtet, wieviel Metahn in die Atmosphäre ausgestossen, welches 23 mal aggressiver als Treibhausgas wirkt, als CO2 @ Mark Hoffmann.
    Aber jeder von uns haut sich ab und an dieses Fastfood rein, da nehme ich mich gar nicht aus. Nur irgendwann muß man für alles den Preis bezahlen, ist ein unumstössliches Naturgesetz!
    Da kann Mark Hofmann noch so viel über die „Grün-Sozialistische Merkel Politik“ und Pro Atomstrom herziehen, am Ende ist der Preis für die Fehler der Vergangenheit und Gegenwart in der Zukunft zu bezahlen! Darüber sollten auch einmal diejenigen nachdenken, die immer mehr Wirtschaftswachstum und Produktivitätssteigerungen einfordern.

  • @ Marcel
    Warum wird Zucker eigentlich nicht als die schlimmste und kostenintensivste Droge unserer Zeit akzeptiert und warum lassen wir es zu, dass schon unsere Kinder als "Zucker-Junkies" angefixt werden?

    Weil damit verdammt viel Kohle zu verdienen ist!
    Im Schnitt sind 95% aller Fertigprodukte der Nahrungsmittelindustrie zuckerhaltig.
    Hat dann so schöne Namen wie:
    Saccharose.
    Dextrose.
    Raffinose.
    Glukose.
    Fruktosesirup oder Fruktose-Glukose-Sirup.
    Glukosesirup, Glukose-Fructose-Sirup oder Stärkesirup.
    Karamellsirup.
    Laktose

    ... und steckt überall in großen Mengen drin.
    Schauen sie mal auf das Etikett von Rotkraut, Ketchup oder Weisswein- Rotweinessig, sie werden über den sehr hohen Anteil von Zucker überrascht sein. Gleiches gilt für die angeblich so gesunden Milchprodukte, auch dort steckt überall viel Zucker drin. Wie gesagt, vor allem die Zucker/fett Kombination ist gefährlich. Wenn Sie zwei drei Stücke Kuchen essen, haben sie jede Menge Zucker und Fett aufgenommen, vor allem Fett. Würden Sie 200 gr. Butter einfach so reinhauen? Beim Kuchen ist das überhaupt kein Problem.

  • @ Marcel
    Sie kennen sicher auch Menschen die alles Ungesunde in sich hineinstopfen können und trotzdem nicht dick werden. Andere hingegen essen gesund, machen Sport und sind trotzdem übergewichtig.
    Natürlich will ich damit nicht sagen, dass es nicht auch bei vielen an der falschen Ernährung liegt, aber oft sind auch Erkrankungen die Ursache für starkes Übergewicht.
    Deshalb sollten Sie sich mit pauschalurteilen etwas zurückhalten.

  • @ Marcel
    Warum wird Zucker eigentlich nicht als die schlimmste und kostenintensivste Droge unserer Zeit akzeptiert und warum lassen wir es zu, dass schon unsere Kinder als "Zucker-Junkies" angefixt werden?

    Ein großes Problem ist die Kombination aus Zucker + Fett. Kommt so in der Natur nicht vor. Aber wir haben diese Kombination erschaffen, weil sie gut schmeckt und beim Konsum Dopamin im gehirn ausschüttet. Im Grunde sind stark zucker und fetthaltige Industriueerzeugnisse süchtig machend. Wenn sie einen Zuckerjunkie auf Entzug setzen, zeigt der Körper der Person ganz klar Reaktionen (Kopf- und Gelenkschmerzen, Energie- und Antriebslosigkeit usw.). Das legt sich dann nach ein paar Tagen und es geht einem nach dem Industriezuckerverzicht zunehmend besser.
    Zuckerkonsum ist wie die Alkoholkrankheit, richtig trocken werden sie nur bei völligem Verzicht. Zudem muss man dabei beachten, das Einfachkohlenhydrate aus z. Bsp. Weissmehl, im Körper zu Glucose umgewandelt und in der Leber als Glykogen eingelagert wird. Glykogenspeicher-Erkrankungen zählen zu den Erbkrankheiten. Ursächlich ist dafür jeweils das Fehlen oder die Fehlfunktion eines für den Umwandlungsprozess von Glukose in Glykogen notwendigen Enzyms. Durch die verschiedenen beteiligten Enzyme können sich die Störungen des Glykogenspeichers daher auch an unterschiedlichen Körperteilen darstellen. Es kann eine zu niedrige Glukosekonzentration im Körper auftreten oder zu einem erhöhten Aufbau von Glykogen in der Leber und in den Muskeln führen. Stoffwechselstörungen sind hierbei eine Folgeerscheinung. Nicht jeder kranke Adipöse hat seine Fettsucht dem Essen zu verdanken, sondern einer Erkrankung. Vieles liegt da noch im Dunkeln. Auch der Einfluß der Hormane auf die Fetteinlagerung im Körper. Man kann sich somit seine Leber auch durch die falsche Ernährung zerstören, dazu braucht es nicht den Alkohol.


  • Ich wüsste nicht, dass sie Krankheit kategorisch ausschliessen können, oder einen Unfall, der Sie zum Invaliden oder Versehrten macht.

  • @ Mark Hoffmann
    Das die, die Gesund sind und fit im Berufsleben die Beiträge in die Sozialkassen einzahlen, die andere mit vollen Händen wieder ausgeben.

    Das funktioniert nur so lange Sie noch einen gutbezahlten Job haben und sie gesund sind.
    Ich wusste nicht, dass sie Krankheit kategorisch ausschliessen können, oder einen Unfall, der sie zum Invaliden oder Versehrten macht. Klar, Sie sagen jetzt bestimmt, dagegen kann ich mich absichern, aber das kostet viel Geld, was viele Menschen gerade im unteren Lohnbereich, Arbeitslose oder Sozialhilfeempfänger eben nicht zur V erfügung haben. Das bedeutet, in ihrer liberalen privatisierten Welt haben nur noch diejenigen einen Anspruch auf gute medizinische Versorgung, die es sich leisten können oder das Glück haben, bis ins hohe Alter gesund und fit zu bleiben, was wiederum nicht nur in ihrer eigenen Hand liegt > fragen Sie mal beim Schicksal nach!
    Und woran machen Sie eine „Grundversorgung“ fest?
    An den Kosten, am Aufwand, an der Verhältnismässigkeit?

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