Feindbild Fremdenverkehr Kreuzberg will Touristen aussperren

Sie bringen Geld, aber gerne gesehen werden sie nicht immer: Millionen Touristen ziehen über Berlin hinweg. Die deutsche Hauptstadt liegt europaweit sogar auf Platz drei der Top-Touri-Städte. Doch Kreuzberg protestiert.
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Deutschlands beliebteste Städteziele
Auf dem Elektro-Roller durch die Altstadt
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Platz 10: Hannover

Die Leinestadt begrüßte im vergangenen Jahr über eine Million Gäste. Sie übertrumpfte damit ihr Vorjahresergebnis um 7,6 Prozent.

Die Daten basieren auf einer Erhebung des großen deutschen Online-Reiseportals www.ab-in-den-urlaub.de.

Eröffnung Christkindlesmarkt Nürnberg
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Platz 9: Nürnberg

Da war doch Lebkuchen im Spiel: Bayerns zweitgrößte Stadt lockte 2010 gut 1,2 Millionen Gäste an, und damit etwa 140.000 mehr als noch 2009.

Stuttgart 21 - Demonstration
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Platz 8: Stuttgart

Die Schwabenmetropole ist mit 1,35 Millionen am Start und verbessert sich damit um rund 6 Prozent . Trotz der Demonstrationen um das Projekt Stuttgart 21 – oder gerade deswegen?

WELTERBE ELBE FRAUENKIRCHE
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Platz 7: Dresden

Weiter geht’s mit der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Das „Elbflorenz“ hat vor allem kulturell einiges zu bieten.1,5 Millionen Gäste ließen sich überzeugen – 2009 blieb es noch bei 1,4 Millionen.

Düsseldorf bietet gute Lebensqualität
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Platz 6: Düsseldorf

Die nächste Stadt die sich wachsender Beliebtheit erfreut, ist die nordhrein-westfälische Landeshauptstadt. Von 1,7 auf 1,9 Millionen konnte Düsseldorf seine Besucherzahlen steigern.

Kölner Dom im Abendlicht
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Platz 5: Köln

Und weiter geht’s am Rhein: Die Karnevalshochburg, in der jedes Jahr aufs Neue die Jecken tanzen, legte auch zu. Über den Anblick des Kölner Doms freuten sich im vergangenen Jahr rund 2,4 Millionen Gäste, nachdem es 2009 noch 13,3 Prozent weniger waren.

The skyline of Frankfurt with its bank towers is seen under clouds
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Platz 4: Frankfurt a.M.

Mit rund 3,4 Millionen Städtereisenden rangiert die deutsche Finanzmetropole auf dem vierten Platz. Auch hier gab es mit einer Steigerung von 13,7 Prozent Grund zur Freude – auch wenn es nicht den Dax betrifft.

BerlinDas Feindbild steht fest: Es ist jung, kommt aus England, Italien oder Schweden, zieht morgens einen ratternden Rollkoffer übers Kreuzberger Kopfsteinpflaster und leert nachts

grölend Bierflaschen. Alteingesessene in Berlin-Kreuzberg wollen die lauten Besucher am liebsten vertreiben, notfalls auch mit Hilfe der sonst so verhassten Polizei. „Hilfe, die Touris kommen“, lautete die Überschrift auf einer Einladung der Grünen - die sonst doch immer so demonstrativ für Toleranz werben. Mehr als 120 Menschen sind ihr gefolgt, der Saal an einer dunklen Seitenstraße Kreuzbergs ist überfüllt. Das Thema polarisiert in der ganzen Hauptstadt, aber hier im linksalternativen Kiez ist der Zorn am größten.

„Wir sind kein Zoo“, ruft ein junger Mann in tiefhängender Jeans und blauem Kapuzenpullover in den Saal. „Touristen sollen sich den Kudamm oder Alex geben.“ Wenig später empört sich bei der Debatte am Montagabend ein Mann im farbbespritzen Overall: „Warum kann man das denn nicht verbieten?“ Er wird immer lauter: „Ja, warum denn nicht?“ Zustimmendes Gemurmel im Publikum, das sich einig ist: Großstadt und Toleranz ja, aber nicht mehr gegenüber der stetigen Flut der Touristen, die durch die Kneipen und Clubs Kreuzbergs zieht.

Die meisten der Männer und Frauen im Publikum sind zwischen 35 und 65, viele tragen Wolljacken, Cargohosen oder Lederjacken. Die Grünen-Politiker am Tisch gehören zu den Jüngeren im Saal. Ein Satz, der immer wieder fällt: „Ich wohne seit mehr als 20 Jahren in Kreuzberg.“ In den vergangenen Jahrzehnten stand der Stadtteil für alternative Kultur, hohen Ausländeranteil oder Straßenschlachten mit der Polizei. Nun fallen Sätze über „die Touristen“, die an Fremdenfeindlichkeit erinnern könnten.

Eine schwarz gekleidete Frau mit rotgefärbten Haaren erzählt von Erbrochenem auf dem Bürgersteig und Nächten voller Technomusik aus den Open-Air-Clubs, die aus dem Kreuzberger Spreeufer eine der beliebtesten Partymeilen der Stadt gemacht haben. Ihre Wut klingt wie die Empörung eines schwäbischen Dorfbewohners über ein Punkkonzert in den 80er Jahren: „Sie pinkeln in die Hauseingänge, werfen Bierflaschen und grölen herum.“ Als immer mehr geschimpft wird, sagt ein alter Mann mit weißem Bart und Ringelpulli: „Das ist Sarrazin-Denken.“

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