Jürgens Weinlese Vom „Unfall-Champagner“ zum Trendgetränk

Den französischen Winzern aus der Champagne ist es gelungen, aus einem lange verpönten Schaumwein ein Trendgetränk zu machen: dem roséfarbenen Champagner. Mit welchen edlen Tropfen man das neue Jahr feiern sollte.
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Die deutsche Tennisspielerin feiert ihren Erfolg beim Tennisturnier in Melbourne. Aus der Flasche spritzt der typische, helle Champagner. Die Farbe Rosé dagegen taucht öffentlich seltener auf, ursprünglich galt Champagner in dieser Farbe sogar als "Unfall" bei der Herstellung. Quelle: dpa
Angelique Kerber

Die deutsche Tennisspielerin feiert ihren Erfolg beim Tennisturnier in Melbourne. Aus der Flasche spritzt der typische, helle Champagner. Die Farbe Rosé dagegen taucht öffentlich seltener auf, ursprünglich galt Champagner in dieser Farbe sogar als "Unfall" bei der Herstellung.

(Foto: dpa)

Düsseldorf1833 galt: „Niemand, der etwas von Weinen versteht, würde jemals einen roséfarbenen Champagner trinken, wenn er etwas anderes bekommen kann.“ Das schrieb damals der britische Weinjournalist Cyrus Redding. Selbst 150 Jahre später, im Jahr 1983, stand für den Weinkritiker Michael Broadbent fest: „Roséweine, nicht nur Champagner, haben so wenig Charakter … für gewöhnlich sehr wenig, wenn Traubenaroma und meist nur neutralen Geschmack“.

Aktuelle Zahlen widerlegen diese Einschätzung: Im vergangenen Jahr exportierten die französischen Winzer 14,1 Millionen Flaschen Rosé-Champagner in die EU (inklusive Drittländer), Anfang des Jahrtausends waren es erst 3,2 Millionen. Mehr als jeder zehnte Champagner (11,4 Prozent Marktanteil) in Deutschland ist mittlerweile roséfarben.

Zwar exportierte der bekannte Hersteller Veuve Clicquot bereits 1775 den ersten Rosé-Champanger nach Lausanne. Doch erst 1968 positionierte sich Laurent Perrier mit einem derartigen Champagner auf den Markt und eroberte erste kleine Marktanteile. „Solche Champagner sind fruchtig, leicht und optisch attraktiv“, wirbt Christian Josephi vom deutschen Bureau du Champagne in Stuttgart für die Rosés.

In früheren Zeiten war ein rosafarbener Ton bei dem edlen Getränk unerwünscht, er galt damals als „Unfall-Champagner“. Dabei ist es kein Problem, solch einen Farbton zu erzeugen. Von den drei mit Abstand wichtigsten Trauben, die in der Champagne angebaut werden, haben zwei eine rote Farbe: Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling). Hinzu kommt noch die weiße Rebsorte Chardonnay. Für einen hellen Schaumwein wird aus den roten Trauben nur der Saft gepresst und weiterverarbeitet.

Bei der Herstellung von Rosé-Champagner haben die Produzenten alle Freiheiten: Sie können Weißwein und Rotwein mischen, als sogenannten Rosé d'Àssemblage; oder – typisch für Erzeuger mit hohen Pinot-Noir-Beständen – einen Rosé de Macération (auch Saignéé) herstellen. Aus der Maische, die aus Most, Traubenschalen und -kernen besteht, werden in diesem Fall bis zu 72 Stunden lang die roten Inhaltstoffe gewonnen (Mazeration). So wie bei der Produktion von Rotwein.

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