Wein-Tasting Die Vielfalt der Toskana in den Weingläsern

Was macht toskanische Topweine aus? Um diese und andere Fragen rund um edle Tropfen ging es bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsclubs.
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Einen Blick über Düsseldorf hatten die Wirtschaftsclub-Mitglieder während der Toskana-Verkostung.
Wein-Tasting Toskana

Einen Blick über Düsseldorf hatten die Wirtschaftsclub-Mitglieder während der Toskana-Verkostung.

DüsseldorfWarum genießen Weine aus der Toskana so einen guten Ruf? Was ist ein Supertoskaner? Und wieso hängt dieser Name mit dem französischen Anbaugebiet Bordeaux zusammen?

Eine Antwort auf diese und viele andere Fragen erhielten gestern die Mitglieder der Wirtschaftsclubs von Handelsblatt und Wirtschaftswoche bei der Toskana-Weinverkostung, geleitet von Ronan Lamballais vom Weinspezialisten Schlumberger.

Die erste Frage nach dem guten Ruf war schnell beantwortet – mithilfe der vier Weiß- und neun Rotweine, die auf der Dachterrasse im Gebäude der Handelsblatt Media Group probiert wurden. Denn es war die Crème de la Crème der toskanischen Weingüter dabei. Weine vom legendären Gut Ornellaia, von Luce della Vite der Winzerdynastie Marchese Frescobaldi und von der Winzerikone Angelo Gaja, der neben der Herstellung seiner Weine aus dem Piemont auch in dieser italienischen Region ein Gut besitzt.

Die Verkostung zeigte auch die dortige Vielfalt an Trauben und Anbaumethoden. „Viele Weinliebhaber kennen nur die exzellente Qualität der toskanischen Rotweine“, meinte der Schlumberger-Experte, „doch es lohnt sich, die Weißen zu probieren.“

Ivo Hoevel (Geschäftsführer Handelsblatt-Wirtschaftsclub), Jürgen Röder (Handelsblatt-Weinexperte) und Ronan Lamballais vom Weinexperten Schlumberger (v.l.) begrüßten die Wirtschaftsclub-Mitglieder zur Verkostung edler Weine aus der Toskana.
Wein-Tasting Toskana

Ivo Hoevel (Geschäftsführer Handelsblatt-Wirtschaftsclub), Jürgen Röder (Handelsblatt-Weinexperte) und Ronan Lamballais vom Weinexperten Schlumberger (v.l.) begrüßten die Wirtschaftsclub-Mitglieder zur Verkostung edler Weine aus der Toskana.

Das Schlumberger-Tasting basierte bei jedem einzelnen Flight, wie jede Verkostungsrunde genannt wird, auf Gegensätzen: die gleiche Rebsorte im Stahltank und im Holzfass ausgebaut, ein junger im Vergleich zu einem gereiften Wein, Eleganz vs. Kraft und Trauben im Inland oder direkt am Meer angebaut.

Und bei den drei Topweinen (2015er Ornellaia, 2015er Luce und 2014er Desidero des in Deutschland eher unbekannten Weinguts Avignonesi) zeigte Lamballais, welche unterschiedlichen Geschmackseindrücke allein die Rebsorte Merlot bieten kann.

Der große Vorteil der Toskana: Es gibt zwölf verschiedene Anbaugebiete mit extrem unterschiedlichen Weinen. Allein die unterschiedlichen Klone der Rebsorte Sangiovese bieten sehr verschiedene Geschmackseindrücke.

Ein Vino Nobile di Montepulciano zeigt eher ein Potpourri aus dunkelroten und erdverwandten Aromen, oft aber auch eine elegante Kirschfrucht, typisch für diese Rebsorte. Ein guter Chianti ist eher ein leichtfüßiger Rotwein mit ansprechender Säure, ein Chianti aus der Kernregion Chianti Classico bietet Veilchen- und Schwarzkirscharomen bei großer Intensität und Finesse.

Diese Weine wurden während der Veranstaltung von den Clubmitgliedern verkostet.
Wein-Tasting Toskana

Diese Weine wurden während der Veranstaltung von den Clubmitgliedern verkostet.

Und ein Brunello aus der südlich gelegenen Region Montalcino ist der kräftigste und auch einer der langlebigsten Sangiovese-Weine. Es treffen Kirsch- und Veilchenfrucht auf viele Kräuter und ein markantes Gerbstoffgerüst. All das bietet Sangiovese – wie die Teilnehmer der Veranstaltung lernen konnten. „Sangiovese ist die Rebsorte in der Toskana“, meint auch der Schlumberger-Experte.

Die Entwicklung des Weinanbaus in der Toskana ist aber auch eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. In der Region Montalcino bearbeiteten noch im Jahr 1968 nur 50 Winzer eine Fläche von 50 Hektar. Daraus sind mittlerweile 3.500 Hektar mit allein 250 Brunello-Produzenten geworden.

Branchenriesen wie die Vermouth-Dynastie Cinzano und die berühmte italienische Weinfamilie Marchese Antinori stiegen dort ein. Es folgten zwei US-Importeure, die auf einer großen Fläche den Brunello Banfi für den amerikanischen Markt herstellen.

Einige Produzenten erzielen dort problemlos einen dreistelligen Euro-Preis pro Flasche – zumal der Wein erst knapp fünf Jahre nach der Ernte verkauft werden kann. „Die Preise werden noch steigen“, prophezeit auch Brunello-Winzerin Emilla Nardi. Sie leitet das gut 50 Hektar große Weingut Tenuta Silvio Nardi, eines der größten Güter der ganzen Appellation.

Der Chefönologe des Weinguts Ornellaia begutachtet das Traubenmaterial.
Axel Heinz

Der Chefönologe des Weinguts Ornellaia begutachtet das Traubenmaterial.

Der sogenannte Supertoskaner ist ebenfalls eine Wein-Erfolgsgeschichte sondergleichen. „Zu einer Zeit, als der billige Chianti im Weidenkorb ein extrem schlechtes Image hatte, kamen pfiffige Winzer auf die Idee mit neuen Rebsorten“, erläuterte der Schlumberger-Experte. Sie bauten die Rebsorten an, die in der französischen Bordeaux-Region üblich sind – womit auch die dritte Frage vom Anfang beantwortet ist.

Diese Rebsorten sind Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, teilweise auch Merlot. Man musste ihn als „Tafelwein“ etikettieren, weil er in keine Regeln für gehobene Weine aus der Region passte. Ein englischsprachiger Weinkritiker machte daraus „Supertuscans“. Der internationale Erfolg war gigantisch und zeigte, dass auch Italien Weine von internationalem Format herstellen kann.

Vor allem die Anbauregion Bolgheri an der Mittelmeerküste eignet sich hervorragend für solche Supertoskaner – wie die Weine von Gaja und Ornellaia eindrucksvoll beweisen konnten. Zu den Publikumslieblingen zählte auch der Luce – ein Wein mit der Struktur, Eleganz und Säure des Sangiovese und mit dem runden und weichen Charakter des Merlots.

Seit der Lese 2004 steuert Lamberto Luce-Projekt und kümmert sich um die önologische Praxis, angefangen bei der Pflege der Weinberge bis hin zur Kreation des jahrgangsspezifischen Blends.
Lamberto Frescobaldi

Seit der Lese 2004 steuert Lamberto Luce-Projekt und kümmert sich um die önologische Praxis, angefangen bei der Pflege der Weinberge bis hin zur Kreation des jahrgangsspezifischen Blends.

Die Idee hatten die italienische Winzerfamilie Frescobaldi aus Italien und die Familie Mondavi aus den USA. „Eine ideale Verbindung aus alter und neuer Weinwelt“, erläuterte Lamballais. Zumal auch das Etikett zur Veranstaltung passte: eine strahlende Sonne – genau richtig zum Wein-Tasting bei herrlichem Wetter auf der Dachterrasse im Gebäude der Handelsblatt Media Group.

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