Kopenhagen Smørebrød und Urbanität

Ein Wochenendausflug nach Kopenhagen lohnt sich immer. Denn die dänische Hauptstadt bietet einige Sehenswürdigkeiten. Langeweile kommt da sicher nicht auf.
  • Ulii Schulte Döinghau
Kopenhagen ist immer eine Reise wert.

Kopenhagen ist immer eine Reise wert.

HB KOPENHAGEN. Eigentlich könnten wir es dabei bewenden lassen, an der Holzbude links ein paar Schlittschuhe auszuleihen, um dann auf Kufen Mal um Mal „Kongens Nytorv“ zu umrunden. Über den vornehmen „Neuen Platz des Königs“ haben sie Eis gelegt; halb Kopenhagen scheint auf den wackligen Beinen zu sein.

Von frühmorgens würden wir dann unsere Bahnen ziehen, wenn die Sonne das Dach des Prachthotels „Hotel d’Angleterre“ überwindet, bis spätnachmittags, wenn sie hinter Nyhavn verschwindet, dem Neuen Hafen, dem Touristenmagneten am Wasser, wo auf dem Wasser Boote dümpeln und sich am Ufer Restaurant an Restaurant reiht.

Wenn wir auf diese Weise unsere Runden drehten, dann kurvten wir am Königlichen Theater vorbei, wo sie in diesen Tagen „Romeo und Julia“ geben. Wir könnten einen Blick auf das „Magasin du Nord“ werfen, das eindrucksvollste Kaufhaus der Stadt. Einen Moment lang könnten wir die Scharen sehen, die sich durch die ewig lange Fußgängermeile „Strøget“ quetschen. Über die Gothersgade hinweg sähen uns die Unerschrockenen zu, die sich vor dem Café Quote in bereitliegende Decken gehüllt haben, um heiße Schokolade zu schlürfen und um Wintersonne ins fahle Gesicht zu kriegen.

Nebenan könnten wir kurz durch die erstaunlich langweiligen Schaufenster des Verlagshauses schauen, in dem die „Jyllands-Posten“ erscheint, die Jütland-Post, deren Karikaturen für weltweite Aufregung gesorgt haben.

Vom Furor, den das Blatt aus dem fernen Westen Dänemarks verursacht hat, wäre hier nichts zu spüren. Wir sähen weder Mahn- noch Polizeiwachen. Dafür kämen wir an Wurstbuden vorbei, wo die Verkäufer vor lauter Erzählen kaum noch dazu kämen, ihre „Hot Dogs“ zu braten, nur echt mit den dänisch-knallroten Würsten, den Pølsern.

So würden wir unsere Runden drehen und dabei eine schöne Portion von jenem städtischen Lebensgefühl einfangen, das Kopenhagen nicht nur in diesen Tagen prägt. Aber weil wir ordentliche Touristen sind und keine rechtsdrehenden Schlittschuhläufer, machen wir uns auf durch die Stadt.

Kopenhagen ist eindeutig dort am innovativsten, aber auch am umstrittensten, wo sich dänisches Design mit Architektur am Wasser verbindet. Zum Beispiel beim neuen „Operahus“, das 2005 am Ufer der Halbinsel Christianshavn eingeweiht wurde, ein großherziges Geschenk des Milliardärs Maersk-Kinney Moller an seine Stadt.

Manche halten den Bau für ein vergiftetes Geschenk, weil er mit seinem überbordenden Dach und seiner ausladenden Breite das nahe Königsschloss Amalienborg und die Kuppel der Marmorkirche in den Schatten stellen könnte. Dabei soll die Silhouette eigentlich Teil einer Sichtachse sein, die das moderne Kopenhagen mit seiner königlich-dänischen (Bau-)geschichte verbindet. Die Akustik des Opernhauses immerhin, sagen Experten, sei die zurzeit beste der Welt.

Was man auch vom Widerhall im Innenhof des Schlosses Amalienborg behaupten kann. Wenn von irgendwo ein leises Glöcklein zur Viertelstunde bimmelt, dann dürfen sich die Gardisten die Beine vertreten, aber so zackig, dass die Bärenfellmützen ein wenig hin- und herwackeln.

Alle Stunde ist kleine, gegen 12.30 Uhr dann große Wachablösung inklusive Tuten, Trommeln und Blasen sowie staunendem Volk und fotografierenden Japanern. Die Gardisten wirken wie Spielzeugsoldaten aus einem Märchen von Hans Christian Andersen; dabei ist die königliche Garde eine Eliteeinheit, die bei Nato-Kommandos weltweit eingesetzt wird.

Ihre Kasernen befinden sich teilweise im nahen Kastellet, einem ehedem befestigten Fort, dessen dicke begrünte Mauern ein beliebter Sonntags-Spazierweg sind und ein wunderbarer Joggingpfad obendrein, wo es sich im Fünfeck rennen lässt. Wer will, kann hier auch bei „Den Lille Havfrue“, der kleinen Meerjungfrau, vorbeischauen.

Oder im „Frihedsmuseet“, in dem an die Zeit der nazideutschen Besatzung erinnert wird. Und daran, dass die dänische Bevölkerung Anfang 1943 rund 7 000 jüdischen Mitbürgern, die in deutsche Tötungslager deportiert werden sollten, zur Flucht nach Schweden verhalf. Der jüdisch-dänischen Geschichte ist ein kleines Museum gewidmet, das in einem alten, historischen Bootshaus zwischen der Königlichen Bibliothek und dem Schloss Christiansborg von Daniel Libeskind gebaut wurde, dem Architekten des Jüdischen Museums in Berlin. Libeskind hat Deckenelemente alter, backsteinerner Bausubstanz mit faszinierenden Stilelementen verbunden, mit denen er auch Berlin verstört: Schiefe Wände und schräg verlaufende Gänge führen an 3 000 Exponaten vorbei, zu Vitrinen und multimedialen Präsentationen.

Nebenan ragt seit 1999 „Den Sorte Diamant“ (Der Schwarze Diamant) – ein dunkelgrau verspiegelter Klotz, in dessen asymmetrisch kippender Fassade sich Wasser, Sonnenlicht, Himmel, Wolken und die Konturen der alten Lagerhäuser irrlichternd spiegeln, die das jenseitige Ufer des Stadtteils Christianshavn säumen.

Die Kopenhagener, denen das düster und glatt wirkende Bauwerk der Königlichen Bibliothek zunächst seltsam vorkommen mochte, haben offenbar ihren Frieden mit dem Diamanten gemacht. Nicht nur Leser zieht’s hierher, sondern auch die Flaneure der Urbanität am Wasser.

Dafür sorgt schon das Café mit Blick auf Ufer und Uferpromenade. Für überraschend wenige Kronen gibt’s in unprätentiöser Arbeitsatmosphäre klasse Kaffee und klassische Smørebrøds. Eine Empfehlung ist auch die Bibliotheksbuchhandlung, wo es zum Beispiel einen Bleistiftspitzer zu kaufen gibt, in dem sich Nutz- und Designwert verbrüdern.

Auf der Knippelsbrücke schauen wir eine Weile den hartgesottenen und kälteresistenten Ruderern und Kanuten zu, die Richtung Südhafen abdrehen, an abwechslungsreicher Architektur vorbei: Bürokomplexe, Banken, Versicherungen.

Drüben dann der Kontrast zu den glatten Fassaden des Kapitalismus. Zwischen Prinsessegade, Levensbastion und Sofie Hedevigs Bastion entfaltet sich das alternative Leben des „Freistaats Christiania“, jenes Quartiers, das Anfang der 70er-Jahre aus Jugend- und Protestkultur entstand.

Polizeipräsenz und „No-hard- drugs“-Selbstverpflichtungen zeigen heute, dass der selbstverwaltete Freistaat zeitweise zum Drogenpfuhl verkommen war – aber offenbar dabei ist, zur lebenswerten Alternative unter den Augen eines Kopenhagener Stadtbürgertums zurückzufinden, das sich im Zweifel immer für Urbanität und Toleranz entscheidet.

Mehr als Meerjungfrauen

Design, Architektur Interessant für alle, die an Innenarchitektur interessiert sind, ist das „Dansk Design Center“, H.C. Andersens Boulevard 27. www.ddc.dk Für Architekturinteressierte: „Dansk Arkitektur Center“, Strangade 27 b. http://rethink.dac.dk (leider nur dänische Texte)

Im Text erwähnte Quartiere und Einrichtungen:

Nyhavn: www.nyhavn.com

„Freistaat Christiania“: www.christiania.org

Operahus, Ekvipagemestervej 10: www.operahus.dk

Königliche Bibliothek („Schwarzer Diamant“), Søren Kierkegaards Plads, www.kb.dk

Dänisch-Jüdisches Museum: www.jewmus.dk

Frihedsmuseet (Freiheitsmuseum),Churchillparken: http://frihed.natmus.dk

Kopenhagen allgemein:

www.visitdenmark.dk

www.visitcopenhagen.dk

Lektüre:

Merian Kopenhagen: 7,95 Euro

Marco Polo Kopenhagen: 7,95 Euro

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