Luxushotel

Am 12. Juli öffnet das grundsanierte Hotel Lutetia in Paris wieder seine Pforten.

(Foto: Hotel Lutetia)

Nach Renovierung Pariser Luxushotel Lutetia eröffnet wieder

Charles de Gaulle hat im „Lutetia“ seine Hochzeitsnacht verbracht, Prominente gingen ein und aus. Nach grundlegender Sanierung eröffnet das berühmte Luxushotel wieder.
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DüsseldorfProminente Schauspieler, Künstler und Politiker gingen hier einst ein und aus; Pablo Picasso, Henri Matisse oder Antoine de Saint-Exupéry zählten zu den Gästen des Hotels im Art-Déco-Stil. „Lutetia“ gilt vielen als Entstehungsort von Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Politik.

Doch vier Jahre lang war die legendäre Herberge geschlossen, wurde von Grund auf saniert. Doch am 12. Juli eröffnet das Grandhotel, das im 6. Pariser Arrondissement unweit der Kirche Saint-Germain-des-Prés, nach der das Kunst- und Literatenviertel benannt ist, wieder – und soll vom Luxus-Boom in der Hotelbranche profitieren.

Es war 1910 der Besitzer des nahegelegenen Kaufhauses „Le Bon Marché“, der das nach der antiken Bezeichnung von Paris benannte „Lutetia“ eröffnete – der Geschäftsmann brauchte eine standesgemäße Herberge für zahlungskräftige Kunden. Nach eigenen Angaben entwickelte sich das „Lutetia“ dann schnell zu einem Ort, an dem „die Anonymen“ Seite an Seite mit den Bekannten und Berühmten wohnten.

Vier Jahre lang wurde das legendäre Grandhotel von Grund auf renoviert. Quelle: Hotel Lutetia
Umbauphase

Vier Jahre lang wurde das legendäre Grandhotel von Grund auf renoviert.

(Foto: Hotel Lutetia)

Die Gästelisten lesen sich wie das Who is who der jeweiligen Epoche. So soll hier James Joyce im Beisein von Ernest Hemingway seinen Roman „Ulysses“ geschrieben haben, ihnen folgte der Autor des 1943 erstmals publizierten „Kleinen Prinzen“, Antoine de Saint-Exupéry.

Der spätere Staatspräsident Charles de Gaulle und seine Frau Yvonne verbrachten ihre Hochzeitsnacht im „Lutetia“, und der Komiker Coluche („Brust oder Keule“) warf von einem Hotelbalkon aus volle Joghurtbecher auf Polizisten, die Strafzettel an sein geparktes Auto hefteten.

Im Zweiten Weltkrieg erlebte das Hotel weniger beschauliche Zeiten: Die Deutschen beschlagnahmten das Gebäude und machten es zum Sitz von SS und „Abwehr“ – des militärischen Geheimdienstes unter Leitung des Admirals Wilhelm Canaris.

Die Pariser Autorin Cécile Desprairies erinnert daran, dass die „Abwehr“ vor allem gegen „Résistants“ (Widerstandskämpfer) vorging, und zwar mit Hilfe der Geheimen Feldpolizei, die ebenfalls im „Lutetia“ Quartier bezogen habe. Im Hotel gibt es aber laut dem heutigen Generaldirektor Jean-Luc Cousty keine Zeugnisse aus dieser Zeit mehr.

Befreiung und Kriegsende brachten dann eine weitere Wende für das „Lutetia“. Eine Tafel unweit des Eingangs am Boulevard Raspail erinnert daran, dass Überlebende der Nazi-Konzentrationslager vom April bis August 1945 im Hotel untergebracht waren.

Die Außenfassade in den frühen Jahren des Hotels. Quelle: Hotel Lutetia
Lange Historie

Die Außenfassade in den frühen Jahren des Hotels.

(Foto: Hotel Lutetia)

In der Nachkriegszeit war das Hotel dann jahrzehntelang Teil der französischen Champagner-Gruppe Taittinger und wurde 1985 schon einmal durch die französische Modeschöpferin Sonia Rykiel umgestaltet, bevor es 2005 vom israelischen Immobilienunternehmer Alfred Akirov übernommen wurde. Der Geschäftsmann steckte nun 200 Millionen Euro in die Sanierung und engagierte den Designer und Stadtplaner Jean-Michel Wilmotte als leitenden Architekten.

Dessen Ziel war es, die historischen Seiten des Hotels hervorzuheben und sie in eine neue, zeitgemäße Umgebung einzubetten. Er ließ einen neuen Außenbereich schaffen, auch verfügt das Hotel nun über ein Spa mit 700 Quadratmetern. Zudem wurde die berühmte Brasserie Lutetia auf 210 Sitzplätze vergrößert und die Decke deutlich angehoben.

Die Zahl der Zimmer und Suiten sank auf 184, das Personal wurde hingegen kräftig aufgestockt: 420 Mitarbeiter kümmern sich nun um die Gäste; vor der Schließung im Jahr 2014 hatte das Hotel 230 Zimmer und nur knapp die Hälfte der Mitarbeiter.

Heute verfügt das Hotel über einen 700 Quadratmeter großen Spa-Bereich. Quelle: Hotel Lutetia
Spa

Heute verfügt das Hotel über einen 700 Quadratmeter großen Spa-Bereich.

(Foto: Hotel Lutetia)

Das alles soll das Hotel eine neuen Stufe des Luxus bewegen. Die Leitung strebt den Status „Palace“ an – eine Bezeichnung, die nur etwa ein Dutzend Tophotels in Paris trägt. Man will teilhaben am Boom der Branche, die nach den Terroranschlägen in der Hauptstadt gelitten hatte.

Anders als die übrigen Pariser Luxushotels, wie das „Ritz“, das „Crillon“ oder das „Meurice“, befindet sich das „Lutetia“, in dem eine Nacht im gehobenen Doppelzimmer etwa 730 Euro kostet, auf der linken Seite der Seine. Generaldirektor Cousty sieht es aber als Vorteil an, etwas abseits der Touristenströme der Hauptstadt zu liegen.

Das Restaurant des Hotels wurde erweitert. Quelle: Hotel Lutetia
Brasserie

Das Restaurant des Hotels wurde erweitert.

(Foto: Hotel Lutetia)

„Auf dem linken Ufer kann man noch Einheimische treffen“, meint er. Für das Restaurant kündigt der Hotelchef schon einmal eine Spezialität an, die eigentlich nach Marseille gehört: die Bouillabaisse, die Traditionssuppe aus der Provence mit Mittelmeerfisch.

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  • shs
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