Rath checkt ein: Le Bristol Paris Stil lässt sich nicht in Zimmerpreisen bemessen

Drei Hotels konkurrieren in Paris um den Status als bestes Haus der Stadt. Hotel-Experte Carsten K. Rath erkundet das einzig unabhängige, das Le Bristol.
  • Carsten K. Rath
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Der Entrepreneur ist Keynote-Speaker und Autor zu den Themen Reise, Service und Führung. Rund um den Globus hat er Touristik- und Hotellerie-Unternehmen gegründet und geleitet und Tausende Mitarbeiter geführt.
Carsten K. Rath

Der Entrepreneur ist Keynote-Speaker und Autor zu den Themen Reise, Service und Führung. Rund um den Globus hat er Touristik- und Hotellerie-Unternehmen gegründet und geleitet und Tausende Mitarbeiter geführt.

ParisDrei ehrenwerte Häuser kämpfen in Paris um die Krone des besten Hotels: Das Ritz Paris, das George V und das Le Bristol liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst der anspruchsvollsten Gäste. Alle drei bieten eine spektakuläre Lage und Ausstattung auf Weltklasse-Niveau. Carsten K. Rath hat ins Le Bristol eingecheckt um zu sehen, welche Qualitäten der unabhängige Kandidat in diesem Trio zu bieten hat.

Früher war die Wahl des besten Hotels in Paris keine Qual: „Paris plus Grand Hotellerie gleich Ritz“ lautete die Devise – jedenfalls für die verwöhntesten unter den Gästen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Diese Erkenntnis dürfte einer der ausschlaggebenden Gründe gewesen sein, warum die ewige Ikone ganze vier Jahre lang renoviert wurde, bevor sie im Sommer 2016 wiedereröffnete. Nach Hotellerie-Maßstäben ist das eine sehr lange Zeit, in der viele treue Gäste notgedrungen abgewandert sind – ebenso wie Teile des Personals. Nun muss sich das Haus erneut etablieren, was für die beiden schärfsten Konkurrenten eine willkommene Gelegenheit ist, Boden gut zu machen.

Zu ihnen zählt das als ‚Leading Hotel of the World‘ vermarktete Le Bristol. Ein Haus, das zur Oetker Collection gehört und eigenständig geführt wird. Gerade deshalb mag es einem weniger versierten Paris-Besucher nicht so vertraut sein wie die beiden bekannteren und viel beschriebenen Hauptkonkurrenten. Entrez-vous: Werfen wir also einen Blick in diesen Tempel des Pariser Chic. Ganz ‚entre nous‘, versteht sich.

„Petit“ statt protzig

Das Le Bristol liegt in der Rue Faubourg Saint-Honoré in unmittelbarer Nähe zum Élysée-Palast, dem Place de la Concorde und der Champs-Élysées – zentraler geht es in Paris nicht. Die Architektur, die Geschäfte in unmittelbarer Nähe und die elegante zurückgenommene Dekoration lassen keine Zweifel daran aufkommen, wo man sich befindet: Die Gäste des Le Bristol residieren in einer Stadtvilla im Epizentrum der Hautevolee, die in ihrer Urform bereits im 16. Jahrhundert errichtet wurde. In dieser Umgebung ist alles petit statt protzig, aber umso größer in der Wirkung: Jedes Lämpchen wirkt in diesem Teil der Stadt wie von liebevoller Hand arrangiert und poliert.

Das Hotel fügt sich in dieses Bild nahtlos ein: Das „Grand“ in Grand Hotel hat hier nichts mit der protzigen Verschwendung zu tun, die viele Hotels in Städten wie Dubai, New York oder Singapur prägt. Wer in diesem Arrondissement zu Hause ist, hat es nicht nötig, seinen Wohlstand rauszuhängen. Hier will man nicht mehr, hier hat man schon. Selbst internationale Gäste, die diese dezente Noblesse weniger schätzen als Prunk mit Ausrufezeichen, bekommen spätestens beim Blick aus dem Fenster zu spüren, wo sie gelandet sind: Von den zwei kleinen Balkonen meines Zimmers im achten Stock blicke ich auf den Eiffelturm, das Parlament und die
Dächer der Stadt, wie es einem König zur Ehre gereichen würde. Tatsächlich residieren durch die Nähe zum Sitz des Premierministers regelmäßig Staatsoberhäupter im Le Bristol. Schon Konrad Adenauer und Charlie Chaplin sind in dem 1925 eröffneten Haus eingekehrt – und ich spüre sofort, warum.

Die feine französische Art

Der anmutig-gediegene Gesamteindruck setzt sich auch innerhalb des Hauses nahtlos fort. Egal, was man anfasst: Alles ist von extrem hoher Qualität und leise wie der Luxus, den das Haus ausstrahlt. Von den Fußböden bis hin zu den Broussard-Vorhängen wirkt die Ausstattung wie für Menschen erdacht, die alles außer dem Besten irritieren würde.

Ein solcher Gesamteindruck lässt sich nicht allein mit teuren Materialien erzeugen; ab einem gewissen Punkt kommt das Management in der Grand Hotellerie mit Investitionen in die Hardware nicht mehr weiter. An diesem Irrtum sind schon viele Häuser gescheitert.

Ab jenem Punkt ist es der menschliche Faktor, der Service, der den Ausschlag gibt. Perfektion bedeutet in der Hotellerie auch einen täglichen Arbeitsaufwand, den sich viele Häuser nicht leisten können oder wollen. ein Detail verdeutlicht das: In einem hochwertigen Ketten-Hotel verbringt eine Reinigungskraft im Schnitt 14 bis 17 Minuten mit der Aufbereitung eines Zimmers. Im Le Bristol werden Beobachter feststellen, dass zwei Fachkräfte doppelt so lange für einen Raum benötigen. Denn die besonderen Materialien bei der Reinigung angemessen pfleglich zu behandeln, jedem Winkel akribische Aufmerksamkeit zu widmen und auch noch jeden Gardinenzipfel perfekt zu drapieren, braucht Zeit und ein gutes Auge. Und vor allem braucht es die Haltung, dass an diesem Ende nicht gespart werden darf.

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