Skitourismus Wie gehen die bekannten Skigebiete mit den russischen Touristen um?

Vor sechs Jahren wollte der österreichische Skiort Kitzbühel die Anzahl der russischen Touristen begrenzen – und sorgte damit für Empörung. Doch wie gehen bekannte Skigebiete heute mit solchen Anfragen um? Handelsblatt Online hat nachgefragt.
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Der Mond geht über dem Mont-Blanc-Massiv auf. Quelle: ap

Der Mond geht über dem Mont-Blanc-Massiv auf.

(Foto: ap)

DüsseldorfDie Empörung war riesig: Anfang 2007 berichtete die scheidende Tourismusdirektorin des österreichischen Skiorts Kitzbühel, Renate Dandler, davon, dass der Skiort die Zahl der Russen auf maximal zehn Prozent begrenzen wollte. Eine Russenquote – für Österreichs damaligen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ein Unding: „Das ist höchst unerfreulich und eine äußerst unglückliche Aussage.“ Eine Sprecherin des russischen Tourismusverbandes bezeichnete die Äußerungen als „absurd“ und „haltlos“, der Tourismusverband selbst wollte eine systematische Begrenzung bestimmter Besuchergruppen nicht bestätigen, es müsse sich um ein Missverständnis handeln.

In welchen Skigebieten die Preise explodieren
Aletschgletscher in der Schweiz
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Traumlagen kosten, auch nach der Krise. Wer sich eine eigene Bleibe in exklusiven Skigebieten wünscht, muss tief in die Tasche greifen. Das zeigen Zahlen des Immobilien-Vermittlers Engel & Völkers. Der auf Luxus-Objekte spezialisierte Makler hat den Markt in Skigebieten in der Schweiz, Deutschland und Österreich analysiert.

Bild: Großer Aletschgletscher

Ägypter Sawiris plant Tourismusresort in Andermatt
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Kanton Uri / Andermatt:

Umgerechnet 850.000 bis 1,4 Millionen Euro müssen Käufer für eine schickes Chalet im Schweizerischen Kanton Uri ausgeben. Diese Preise fallen im Vergleich zu anderen Orten in der Ostschweiz noch gemäßigt aus, es ist aber deutlich Luft nach oben, so der Marktbericht von Engel & Völkers.

Vor allem für die Gemeinde Andermatt (Bild) sehen die Marktbeobachter "enormes Steigerungspotenzial". Denn hier plant der Ägypter Samih Sawiris mit seiner Orascom-Gruppe eine Tourismus-Anlage. Sechs Hotels mit vier und 5 Sternen sollen in dem Luxus-Ressort entstehen, 490 Appartements, bis zu 30 private Villen, ein 18-Loch-Golfplatz und Sportanlagen. Zudem sollen die Skigebiete auf Vordermann gebracht werden.

Derzeit bewegen sich die Preise für sehr gute Eigentumswohnungen zwischen etwa 4.500 und 6.300 Euro pro Quadratmeter; Grundstücke kosten zwischen 430 und 625 Euro.

Participant hefts 83.5 kg heavy stone at Unspunnen festival in Interlaken
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Interlaken:

Nur für Gutverdiener zu stemmen sind die Immobilienpreise in Interlaken im Berner Oberland. Dort kostet ein sehr gutes Einfamilienhaus schon einmal 1,2 bis 3,1 Millionen Euro, so der Marktbericht von Engel & Völkers.

Der per Zug schnell zu erreichende Ort lockt Skifahrer ebenso wie Freunde der Schweizerischen Traditionen: Beim Unspunnenfest (Bild) messen sich die Eidgenossen neben dem "Steinstossen" im Schwingen (eine Art Ringen), Jodeln und Volkstanz.

Wohnungen in der besten Kategorie kosten dem Bericht zufolge zwischen 4.600 und 9.600 Euro pro Quadratmeter; Grundstücke belaufen sich auf 300 bis 770 Euro pro Quadratmeter. Das ist für Schweizer Verhältnisse moderat. Doch die Immobilienvermittler erwarten auch hier steigende Preise.

Aussichtsplattform auf Alpspitze in Garmisch-Partenkirchen
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Garmisch-Partenkirchen:

Zu den deutschen Toplagen gehört Garmisch-Partenkirchen. In einer Stunde Autofahrt erreicht die Münchener Schickeria die südbayerischen Abfahrten, darunter die berühmte Kandahar-Piste und die hohen, schneesicheren Lage auf der Zugspitze. Die Ski-WM 2011 hat das Gebiet international noch bekannter gemacht.

Bild: Aussichtsplattform auf der Alpspitze in Garmisch-Partenkirchen

Garmisch Partenkirchen Immobilie
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Garmisch-Partenkirchen:

Sehr gefragt sind laut Engel & Völkers Einfamilienhäuser für 800.000 Euro bis 2 Millionen Euro. "Bei außergewöhnlichen Objekten kann natürlich der Preis noch beachtlich nach oben gehen", sagt Bernd Winkler.

Und auch die Preise für bescheidenere Bleiben sind happig: Für schöne Eigentumswohnungen legen die Käufer demnach ab 3.000 Euro pro Quadratmeter hin. Neubauten kosten den Immobilien-Vermittlern zufolge bis zu rund 5.000 Euro pro Quadratmeter. Für bebaubare, ruhige und gleichzeitig zentrale Grundstücke werden 500 bis 800 Euro pro Quadratmeter fällig. Wem das zu teuer ist, den ziehe es oft zu den günstigeren Ferienimmobilien in den Zugspitzort Grainau oder im Oberem Isartal.

Ein Beispiel vom Garmischer Immobilienmarkt: Dieses 250-Quadratmeter-Haus in der Wettersteinstraße kostet laut Engel & Völkers 1,2 Millionen Euro.

Branche hofft auf Imagegewinn
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Garmisch-Partenkirchen:

Abseits der Ski-Hänge lockt Garmisch-Partenkirchen mit Geschäften, Kulturangeboten und einem renommierten Krankenhaus - ohne seinen ländlichen Charme ganz verloren zu haben.

Solche Argumente treiben die Immobilienpreise nach oben, immer weiter. "Beträchtliche Preissteigerungen" in den letzten fünf Jahren hat Bernd Winkler von Engel & Völkers in Garmisch-Partenkirchen festgestellt. Die Gemeinde werde immer beliebter als Zweitwohnsitz.

Alpen: Calanda-Berg über Chur
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Chur:

Mit 850.000 Euro bis 1,7 Millionen Euro schon etwas teurer sind Einfamilienhäuser dem Marktbericht zufolge in Chur. Wohnungen kosten in der ältesten Stadt der Schweiz umgerechnet 6.000 bis 7.700 Euro pro Quadratmeter. Und die Preise steigen.

Preistreiber in vielen Skigebieten ist die natürliche Knappheit: Viele Orte liegen in engen Tälern, in denen kaum noch Bauland zur Verfügung steht. In der Schweiz erschweren spezielle Regeln Ausländern häufig den Immobilienkauf.

Bild: Wanderer auf dem Calanda-Berg über Chur

Fast sechs Jahre ist die Posse um die Russenquote inzwischen her, der Strom an Winter-Urlaubern aus dem Osten in die Skigebiete in Österreich und der Schweiz aber nicht abgerissen. Im Gegenteil: Bei vielen Russen der Ober- und gehobenen Mittelschicht sitzt das Geld inzwischen locker genug, um mindestens einmal im Jahr in den Schnee zu fahren. Von insgesamt 1,3 Millionen Übernachtungen im österreichischen Mayrhofen entfielen 2011 130.000 auf Gäste aus Russland, Restaurants und Cafés bieten Speisekarten in kyrillischer Schrift an. Gerade in der ersten Januarwoche rund um das orthodoxe Weihnachtsfest ist die Anwesenheit deutlich bemerkbar: Bis zu 40 Prozent der Besucher kommen mit dem Flieger aus St. Petersburg, Moskau oder Samara.

Für viele Gäste aus anderen Ländern sind die russischen Touristen ein Ärgernis. Zu laut, zu betrunken, zu aggressiv, zu prahlerisch, lauten die gängigsten Vorwürfe. Für einige Urlauber Grund genug, ihren Reiseort nach diesem Kriterium zu wählen. Doch wie reagieren die Tourismusverbände der Skigebiete auf eine entsprechende Anfrage? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und vorgegeben, Urlaub für eine größere Gruppe buchen zu wollen. Einzige Bedingung: Es dürfen nicht zu viele Russen am Lift oder beim Après-Ski stören. Nachgefragt wurde im Schweizer Nobel-Kurort St. Moritz sowie in den österreichischen Gebieten Kitzbühel und Arlberg.

„Da müssen Sie keine Bedenken haben“
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9 Kommentare zu "Skitourismus: Hilfe, die Russen kommen?!?"

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  • Ich war in Kitzbühel in einem Hotel mit etwa 1/3 Russen, es gabe keine betrunkenen oder ausfälligen Personen, aber der Blick, den du beim Frühstück oder Abendessen aus diesen Kreisen erntest, als hättest du ihnen gerade etwas gestohlen, kein freundliches Guten Morgen oder sonst was, das muss ich mir im Urlaub nicht geben.

    Dann ist der Wellness Bereich nicht benutzbar, die Sauna wird in Shorts russisch bevölkert. Dafür gebe ich mein Geld nicht aus. Liebe Hoteliers, wenn ihr für rund 10 % Russen eure Kultur opfert, dann bittes schön, dann fliegen wir eben nach Kanada.

  • @ nein_Vicario

    Zitat : Vor ungefähr zehn Jahren hatte man das Problem an der Côte d'Azur

    Vor ungefähr 20 Jahren liefen die Neureichen Russen noch in Turnschuhen und Adidas-Anzügen in Restaurants rum.......und hatten Hundeketten aus Gold um den Hals hängen .......

    Heute sprechen sie ein gepflegtes English und haben auch entsprechende Manieren.....die Zeit ist bei den Russen nicht stehen geblieben ( wie größtenteils bei uns, auch bezüglich Klischees...) !

    Und wie gesagt, die Russen wissen heute sehr wohl zu differenzieren, wo sie Urlaub machen.....und glauben Sie mir, die Russen wissen auch besser als wir, was Kitzbühel und St. Moritz kosten...!

    Mit einem Skatclub aus Russland würde ich auch äußerst ungern in einem Hotel wohnen, mit Russen aus der Oberschicht in einem 5-Sterne Hotel sehr wohl !

    Russen vor 20 oder 10 Jahren waren andere Russen, als sie heute sind.

    Und bei uns gibt es auch Regionen ( Ballerman auf Mallorca oder Balaton, in Ischgl oder St. Moritz ), die man ungern wegen deutschen Publikums aufsucht.......! Hier muss man auch differenzieren !

  • Glauben Sie...als ehemaliger Hoteleinkäufer für die Tourismusbranche erinnere ich mich da an ganz andere Dinge.
    Vor ungefähr zehn Jahren hatte man das Problem an der Côte d'Azur - mit der Russenmafia. Ein - unausgesprochenes - Prinzip war, ein Hotel, in dem viele Russen sind, nimmt man nicht in die Broschüre auf, weil es eben teilweise Verhalten gibt, das nicht akzeptabel ist. Auch bei Hoteliers sind es in der Regel keine gerngesehenen Gäste, da mit Schickanen des Personals und der anderen Gäste rechnen ist - ausser der Hotelier steht am finanziellen Abgrund, weil es kann schon vorkommen, dass der Russe ein Bündel Scheine aus der Schwarzgeldtasche zieht.
    Ich selbst kann mich an einen Vorfall erinnern in einem Restaurant auf Sri Lanka, Topklasse, als die Nutte des Maffiabosses, die sich in dieses Restaurant verirrt hatten, nicht nur den Kellner im Brüllton fertig machte, weil er ihr den Orangensaft nicht schnell genug brachte, sondern es ganz normal fand im Brüllton das ganze restliche Restaurant zu unterhalten. Da ja brüllender Befehlston mit zur Kultur zu gehören scheint, ist es nicht verwunderlich, wenn andere Leute sich dadurch gestört fühlen. Geld haben bedeutet nicht unbedingt gute Manieren. Und irgendwie schmeckt das Essen dann auch nicht mehr.

  • Nicht nur Kitzbuehel oder St.Moritz, auch in BADEN BADEN sind extrem viele Russen. Habe nichts gegen die, solange sie ordentlich einkaufen und Geld liegen lassen. Ebenso die vielen Immobilien, die sie dort kaufen. SO lange sie ruhig und anständig sind, NO PROBLEM. Aber mal ehrlich, es gibt ja auch unter Deutschen und anderen Nationalitäten allerhand Gesindel, das sich nicht benehmen kann.

  • Zitat : Hilfe, die Russen kommen?!?

    So ein Quatsch !

    Lass sie doch kommen, wenn sie Geld miteinspielen ! Und in St. Moritz und Kitzbühel laufen keine armen Russen rum !

    Und die , die dort Urlaub machen und für gute Kassen in den Luxusherbergen sorgen, pöbeln auch nicht rum !

  • Zu osteuropäisch-russischen SCHNEEBLLSYSTEMen passt die Grafik jendefalls schonmal ganz gut.

  • Hilf, die Migranten kommen!

  • Ebenso die Briten, wie auch die Deutschen. Andere hab ich bisher noch nicht erlebt, also kein Urteil.

  • wer den russischen Pöbel schon mal selbst im (Ski-)Urlaub erleben durfte, hat bestimmt Verständnis für eine Quotenregel.
    Russen und auch Holländer können den Urlaub mal richtig versauen.

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