Verschärfte Sicherheitsbestimmungen Vom Ende der Freiheit beim Fliegen

Eigentlich, so wollten es die Fluglinien, sollte das Reisen am Himmel einfacher und letztlich auch schneller werden: Kürzere Wartezeiten beim Check-In, weniger Unannehmlichkeiten bei der Personenkontrolle. Das ist seit den vereitelten Terroranschlägen Utopie. Fliegen wird zur Tortur für die Passagiere.
Selbst Babynahrung wird genau unter die Lupe genommen, es könnte ja Flüssigsprengstoff in der Flasche sein. Eine Szene vom Flughafen Denver. Foto: ap

Selbst Babynahrung wird genau unter die Lupe genommen, es könnte ja Flüssigsprengstoff in der Flasche sein. Eine Szene vom Flughafen Denver. Foto: ap

FRANKFURT. „Vergessen Sie Warteschlangen! Zur Online-Abfertigung hier klicken“, blinkt es grell-grün auf der Internetseite von Europas führender Billigfluglinie Ryanair. Die Realität an britischen Flughäfen sieht seit Donnerstag früh anders aus, nicht allein für Ryanair-Kunden: Verschärfte Passagierkontrollen, endlos lange Schlangen und Flugausfälle, die einige hunderttausend Menschen am Boden fluchen lassen. Während sich der Reisebeginn für viele Sommerurlauber nach hinten verschiebt und die gebuchten Hotelbetten zunächst leer bleiben, sorgen sich Geschäftsreisende nicht nur um ihre eigene Sicherheit, sondern auch um die Angewohnheit, etwa Laptops, Handys und sonstige Arbeitsutensilien bequem an Bord der Flugzeuge mitzuführen.

Alarmstufe Nummer eins auf Großbritanniens Flughäfen markiert das vorläufige Ende für den Traum vom „bequemen Fliegen“. Sicherheitsbehörden erließen die schärfsten Sicherheitskontrollen der britischen Luftfahrtgeschichte, nach der auf sämtlichen in Großbritannien startenden Flügen bis auf weiteres keinerlei Handgepäck mehr mitgenommen werden darf. Einzige Ausnahmen: die Brieftasche, Personalausweis, Schlüssel und Brille. Das britische Verkehrsministerium betonte allerdings, die Bedingungen seien nur „für einen begrenzten Zeitraum“ geplant. Auch die USA reagierten mit einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen und untersagten das Mitführen von Getränken, Haargels, Lotionen oder anderen Flüssigkeiten an Bord von Flugzeugen.

Die deutsche Bundesregierung ordnete auf Flügen Richtung Großbritannien ebenfalls an, dass bis auf weiteres kein Handgepäck mehr mitgenommen werden darf. Ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport betonte aber, dass Sicherheitsbeamte dort auf allen anderen Strecken weiterhin das Mitführen von Laptops und Handys im Handgepäck zuließen. Der Verkehr am größten deutschen Luftdrehkreuz verlaufe mit Ausnahme der gestrichenen London-Flüge reibungslos, sagte der Fraport-Sprecher. Lediglich bei den Gepäck- und Personenkontrollen gebe es längere Wartezeiten als sonst.

Die weltweit verschärften Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen werten Branchenexperten als Schlag gegen die Bemühungen des Luftfahrt-Weltverbandes Iata, der sich eine einfachere Abwicklung des Flugverkehrs zum Ziel gesetzt hat. Es sei an der Zeit, die Weichen für die Einführung der Technik des 21. Jahrhunderts zu stellen und damit „das Reisen mit dem Flugzeug entscheidend zu vereinfachen“, hat dessen Verbandschef Giovanni Bisignani erst kürzlich als Devise ausgegeben. Zu der Initiative namens „Simplifying Passenger Travel“ gehört etwa die Entwicklung automatischer Check-in-Systeme, die weltweite Einführung des papierlosen Tickets (Etix) oder die Systementwicklung zur schnelleren Passagierkontrolle mit Hilfe biometrischer Daten.

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