„Fürchte dich“ Ein Tatort aus dem Geisterhaus

Der „Tatort“ des Hessischen Rundfunks ist für seine Experimente bekannt. Mit seinem Ermittler-Duo Koch und Broich hat er jetzt noch einmal etwas ganz Neues gewagt: einen Horrorfilm.
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Der kommende Tatort (29. Oktober um 20:15 Uhr) ist ein Mix aus Kriminal- und Horrofilm. Quelle: dpa
„Fürchte dich“

Der kommende Tatort (29. Oktober um 20:15 Uhr) ist ein Mix aus Kriminal- und Horrofilm.

(Foto: dpa)

FrankfurtIn der Wohngemeinschaft von Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) und seiner Hauswirtin Fanny (Zazie de Paris) passieren gruselige Dinge. Ein nur mit einem Nachthemd bekleideter, verwirrter Mann bricht in ihr Haus ein und will es anzünden. Der Alte gibt düstere Vorahnungen von sich und starrt dabei auf ein Dachbodenfenster. Dahinter findet Brix kurz darauf unter einer Diele ein Kinderskelett. Bei seinen Ermittlungen erfährt er, dass sein Wohnhaus ein ehemaliges Waisenhaus war, über 40 Jahre lang leer stand und mit einem Fluch belegt sein soll.

„Fürchte dich“, heißt passenderweise der neue „Tatort“ des Hessischen Rundfunks (hr) – ein Mix aus Kriminal- und Horrorfilm. Das Erste zeigt den sechsten Fall des Frankfurter Ermittler-Duos Brix und Janneke (Margarita Broich) am kommenden Sonntag (29. Oktober um 20:15 Uhr).

Kurz nach dem unheilvollen Angriff des alten Mannes Otto Schlien (Axel Werner) auf das Haus von Fanny taucht seine Enkelin auf. Merle (Luise Befort) heftet sich an Brix' Fersen und weicht ihm nicht mehr von der Seite. Sie will unbedingt in das Haus, in dem sich Kommissarin Janneke um die völlig aufgelöste und gegenüber übersinnlichen Phänomenen aufgeschlossene Fanny kümmert. Während die beiden Frauen immer stärker in den Sog des Geisterhauses geraten, versucht Brix – von Übersinnlichem unbeeindruckt – den Tod des Mädchens vor rund 60 Jahren im „Haus der Barmherzigkeit“ aufzuklären.

Neue Staffel, neue Fälle, neue Kommissare
„Virus“
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Nach zehn Wochen Sommerpause gibt es am Sonntag (27.8.) um 20:15 Uhr im Ersten wieder einen neuen „Tatort“. Der erste Fall der neuen Saison kommt vom Wiener Team und heißt „Virus“. In der Woche drauf ist bereits wieder eine Erstausstrahlungspause angesagt: Das Erste der ARD zeigt das TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. Was ist in der „Tatort“-Saison 2017/18 eigentlich zu erwarten?

„Stau“
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Der Stuttgart-„Tatort“ profiliert sich zum Beispiel: In der aufwendig mit Computertechnik produzierten Folge „Stau“ (10. September) von Dietrich Brüggemann ermitteln die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller und Felix Klare) unter Zeitdruck in einem Verkehrsstau, in dem sich der Täter noch befinden muss.

„Zwei Leben“
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Das Schweizer Team kommt am 17. September wieder. Im Krimi „Zwei Leben“ mit den Ermittlern Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser und Delia Mayer) knallt einem Fernbusfahrer ein Mann in die Windschutzscheibe. Am Bundestagswahlsonntag (24. September) ist dann eine Woche später im Ersten kein neuer „Tatort“ im Programm.

„Goldbach“
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Am 1. Oktober startet das neue Schwarzwald-Team des SWR als Nachfolger des Bodensee-„Tatorts“. Die Ermittler Franziska Tobler und Friedemann Berg (Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner) bekommen es in ihrem ersten Fall („Goldbach“) von Regisseur Robert Thalheim mit einem erschossenen Kind im Wald zu tun. Danach sind die Termine im Ersten noch nicht alle hundertprozentig klar, aber eine Menge Filme angekündigt.

„Zurück ins Licht“
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Im Krimi „Der Rote Schatten“ (15. Oktober) von Dominik Graf werden beispielsweise die Stuttgarter Kommissare mit der RAF-Vergangenheit konfrontiert. Der viertletzte Bremer „Tatort“ mit Inga Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel und Oliver Mommsen), „Zurück ins Licht“, steht dann wohl am 22. Oktober an. Im Februar wurde angekündigt, dass 2019 Schluss ist mit dem aktuellen Bremen-Team.

„Fürchte dich“
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Das Frankfurter „Tatort“-Team Janneke und Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) kommt mit zwei Folgen in dieser Saison – bereits klar ist laut HR das Sendedatum 29. Oktober für den Gruselfilm „Fürchte dich“ – ein zu Halloween passender Krimi im Edgar-Wallace-Style.

„Gott ist auch nur ein Mensch“
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Im November kommt dann ein neuer Krimi mit dem beliebtesten Team, dem skurrilen Duo aus Münster. Kommissar Thiel und Prof. Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) tauchen in dem Krimi „Gott ist auch nur ein Mensch“ in die Welt der Kunst ein, nachdem sich ein Werk des Aktionskünstlers G.O.D. als echte Leiche entpuppt hat.

Die Drehbuchautoren Christian Mackrodt und Andy Fetscher, der auch Regie führt, mischen den Kriminalfall mit Gruseleffekten. Fetscher, der schon einige Horrorfilme gedreht hat, setzt auf dafür typische Elemente: sturzbachartigen Regen, Blitze, Feuer und Nebel sowie Fratzen, fremde Stimmen und Dämonen. Typisch für das alte große Haus, in dem es spukt, sind auch der Dachboden mit seinen Geheimnissen sowie der enge, dunkle und nasse Keller.

„Glauben Sie an Geister?“, fragt Kommissarin Jannecke gleich zu Beginn aus dem Off in einer Art Prolog. Wer diese Frage entnervt mit Nein beantwortet, dürfte an dem „Tatort“ nicht viel Spaß haben. Dabei ist die in zwei Filmgenres verankerte Handlung konsistent, spannend und actionreich erzählt. Nach einem betont langsamen Beginn nimmt sie deutlich an Tempo auf. Die Leistung der Schauspieler ist durchweg überzeugend, im Mittelpunkt stehen dabei Zazie de Paris und Luise Befort. Und: „Fürchte dich“ schaffte es beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen immerhin zu einer Nominierung.

Allerdings gibt es im herkömmlichen Ermittleralltag einige verzichtbare Szenen, etwa wenn Polizist Brix während des Autofahrens eine SMS ins Handy tippt. Völlig künstlich wirkt seine Begegnung mit Merles Vater – dem Bösen schlechthin: Statt sich zu verteidigen, redet Brix solange, bis er niedergestreckt wird. Dafür erwacht er dann noch einmal zum heldenhaften Retter.

Einen aktuellen Mord gibt es auch – aber erst zum Schluss. Der ist genauso wenig übersinnlich wie der Tod des Kindes aus dem Waisenhaus. Beide hängen sogar miteinander zusammen. Familie, das zeigt der „Tatort“ auf beklemmende Weise, kann auch Horror sein.

  • dpa
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