Komponist Hauschka Wenn Hollywood in der Schlange steht

Der Düsseldorfer Komponist Hauschka hat die Filmmusik für den Hollywood-Streifen „Lion“ komponiert - und hat jetzt Chancen auf einen Oscar. Hauschka lebt in einer besonderen „Soundwelt“.
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Der deutsche Komponist und Pianist Volker Bertelmann, bekannt unter dem Künstlernamen Hauschka, wurde zusammen mit dem US-Musiker O'Halloran für den Soundtrack zum Film „Lion“ für einen Oscar nominiert. Quelle: dpa
Deutscher Komponist Hauschka

Der deutsche Komponist und Pianist Volker Bertelmann, bekannt unter dem Künstlernamen Hauschka, wurde zusammen mit dem US-Musiker O'Halloran für den Soundtrack zum Film „Lion“ für einen Oscar nominiert.

(Foto: dpa)

DüsseldorfHollywood stand bei Hauschka in der Warteschlange: Der Regisseur Garth Davis hatte sich nach einem Konzert des deutschen Komponisten und Pianisten in Melbourne ganz hinten am Verkaufstisch angestellt, an dem Hauschka Platten signierte. Als er an der Reihe war, fragte Davis den Wahl-Düsseldorfer, der in Wirklichkeit Volker Bertelmann heißt, ob er ein Bier mit ihm trinken wolle. Dabei schlug Davis ihm vor, die Filmmusik zum Film „Lion“ zu komponieren. Genauer gesagt, die Musik für den ersten Teil, der in Indien spielt. Den zweiten Teil sollte der US-Musiker Dustin O'Halloran verantworten - seit zwölf Jahren ein enger Freund von Hauschka.

Nun ist die Musik der Beiden für den Oscar nominiert worden. Am 26. Februar wird der 50-jährige Hauschka in Los Angeles im Smoking zwischen weltberühmten Kino-Stars sitzen. Hoffnungen will sich Hauschka allerdings nicht machen. „Wenn La La Land nicht wäre, hätten wir, glaube ich, eine ganz große Chance“, sagt er bei einem Treffen in Düsseldorfs Stadtteil Flingern. Das Musical „La La Land“ geht mit 14 Nominierungen ins Rennen - auch in der Kategorie „Beste Filmmusik“.

Welche deutschen Filme schon auf den Oscar hofften
1957
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Im Gleichschritt marsch: "Der Hauptmann von Köpenick" alias Harald Juhnke (l) tritt am 06.04.1997 mit seiner Kompanie vor dem Rathaus im Berliner Ortsteil Köpenick an. Im Original von 1956 des Drehbuchautors Helmut Käutner spielte Heinz Rühmann die Titelrolle. Der Film wurde der erste deutsche Nachkriegserfolg in den USA und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Hauptmann von Köpenick wurde 1957 für den erstmals vergebenen Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

1958
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Mario Adorf schaffte seinen Durchbruch mit dem deutschen Spielfilm "Nachts, wenn der Teufel kam" von Robert Siodmak. Er spielte den Triebtäter Bruno Lüdke, dessen Fall während der NS-Zeit auf merkwürdige Weise abgewickelt wurde. Nach vielen positive Kritiken und viele Auszeichnungen, wurde der Film zu einem Publikumserfolg. 1958 erfolgte die Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film.

1959
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Ein Jahr später wurde der deutsche Film Helden für den Oscar nominiert, konnte aber nicht gegenüber der Konkurrenz bestehen. Das Drehbuch des kurz nach der Wiederbewaffnung Deutschlands produzierten Filmes folgte in allen Zügen dem Theaterstück Arms and the Man von Shaw und spielt während des Bulgarisch-Serbischen Krieges im Jahre 1885. Mit über 3 Millionen Zuschauern wurde der Film seinerzeit ein Riesenerfolg.

1960
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Der deutsche Antikriegsfilm ''Die Brücke'' aus dem Jahr 1959, basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Gregor Dorfmeister und thematisiert dessen persönliche Kriegserlebnisse. Im Mittelpunkt steht die deutsche Jungend welche im Nationalsozialismus herangezogen wird. „Die Brücke“ ist einer der deutschen Spielfilme, der nach 1945 mit den meisten Preisen ausgezeichnet wurde. Trotz dessen konnte er die Oscar-Nominierung im Jahr 1960 nicht für sich entscheiden.

1974
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Erst vierzehn Jahre später wurde ein neuer Hoffnungsträger für den Oscar nominiert: ''Der Fußgänger'' erhielt insgesamt 49 nationale und internationale Preise, gewann die Auszeichnung 'Bester fremdsprachiger Film' im Jahr 1974 jedoch leider nicht. Der Film beschäftigt sich mit den kriminellen Machenschaften des Großindustriellen Giese und beschreibt aus verschiedenen Perspektiven wie sich die einzelnen Charaktere auf den bevorstehenden Prozess vorbereiten.

1977
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Bei ''Jakob, der Lügner'' handelt sich um eine Verfilmung von Jurek Beckers Roman. Hunger, Krankheit und Tod sind Alltag im jüdischen Ghetto in Polen während das zweiten Weltkrieges. Jakob gibt den Ghetto-Bewohnern ein Stückchen Hoffnung. Er erfindet Nachrichten über alliierte Erfolge gegen die Nazis, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. 1977 reichte es nur für die Nominierung zum besten fremdsprachigen Film.

1979
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Gleich zwei deutsche Filme schafften es 1979 auf die Nominierungsliste für den Oskar. Darunter: ''Mama, ich lebe'', ein Kriegsdrama von Konrad Wolf, in dem sich deutsche Rekruten entscheiden, gegen die Wehrmacht zu kämpfen.

Hauschkas Weg nach Hollywood ist kein Lottogewinn, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Hauschka hatte sich schon mehrere Jahre für amerikanische Filmmusik beworben, und er hat auch eine amerikanische Agentin. Zuletzt sei er „immer näher“ an die Gespräche mit Regisseuren gekommen, schaffte Vorauswahlen, bekam Skripte. „Dann weiß man, man ist in einem relativ kleinen Zirkel.“ Doch er schaffte es nie. „Man geht einen langen Weg von Frustration und Fragen“, sagt Hauschka. „Man zweifelt an sich.“

In Deutschland ist der weltweit tourende Hauschka einem eingeweihten Publikum als Indie-Musiker bekannt, der solo auf einem „präparierten Klavier“ spielt. Hauschka legt Kronkorken, Tischtennisbälle oder Teelichterhüllen auf die Saiten, so dass sie vibrieren. Er klebt auch Saiten zusammen, benutzt Filzkeile oder Holzstäbe, mit denen er dem Klavier Trommelklänge entlockt. „Jeder Millimeter ist sozusagen ein neuer Klang.“ Inspiriert ist Hauschka von John Cage, der schon um 1940 Klaviere mit Radiergummis, Nägel oder Papier manipulierte.

Auch in der Musik von „Lion“ setzte Hauschka das präparierte Klavier ein. Aber er zwingt seiner Musik diese Verfremdungstechnik nicht auf. Bei seiner Musik für den brasilianischen Film „Futuro Beach“ etwa gab es nur Gitarre und Streicher. Und noch etwas ist ihm wichtig: „Ich bin kein Filmkomponist“, betont Hauschka. Am 31. März kommt seine nächste eigene Platte heraus - „What if“ heißt sie.

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