Pierre Brice’ Trauerfeier „Es lag ein Zauber auf Dir“

Hunderte haben mit einem Trauergottesdienst in München Abschied von dem Schauspieler Pierre Brice genommen – darunter Kolleginnen wie Uschi Glas und Marie Versini. Der letzte Gruß für „Winnetou“ aber kam von ihm selbst.
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Im Alter von 86 Jahren starb der Schauspieler Pierre Brice an einer Lungenentzündung. Die Trauerfeier fand in der Münchner Michaelskirche bei Gräfelfing statt. Quelle: AFP
Trauerfeier in München

Im Alter von 86 Jahren starb der Schauspieler Pierre Brice an einer Lungenentzündung. Die Trauerfeier fand in der Münchner Michaelskirche bei Gräfelfing statt.

(Foto: AFP)

MünchenIm vergangenen Jahr hat Pierre Brice privat für sich ein Musikvideo gedreht. Er singt darin das französische Lied „L’Aigle Noir“ (Der schwarze Adler), schaut einem solchen Adler nach und zeigt in den Himmel. Auf der Erde liegen die Bilder seines Lebens: Brice als Soldat, Brice als Bräutigam, Brice als Schauspieler – und natürlich Brice als „Winnetou“. Beim Dreh wussten sie noch nicht, dass es ein Abschiedsvideo werden würde, sagt Brice’ Freund und Sprecher Thomas Claaßen. Am Donnerstag aber bildet es den Abschluss der Trauerfeier für den Schauspieler, der am 6. Juni mit 86 Jahren in den Armen seiner Frau Hella gestorben war.

Ihr letzter Gruß ist ein großes Herz aus weißen Rosen. „Ich liebe Dich, Deine Frau“, steht darauf in französischer Sprache. Das Trauerblättchen, das an die Gäste verteilt wird, ziert ein von Brice gemaltes Bild mit dem Titel „Sonnenaufgang“. Innen steht: „Nein, ich verlasse Euch nicht. Meine Seele wird immer mit Euch sein.“

Hunderte sind in die Münchner St. Michael Kirche gekommen, um Abschied zu nehmen von dem Idol ihrer Kindheit und Jugend. Die Kirchenbänke reichen nicht aus, viele müssen stehen. Einige sind Brice’ Wunsch gefolgt und trugen Weiß statt Schwarz. Vor dem Altar steht der mit einer französischen Flagge und weißen Rosen geschmückte Sarg, davor ein Barrett und verschiedene Orden, auf einer Leinwand ziehen die Bilder seines Lebens vorbei. Es ertönen das „Ave Maria“ und Robert Schumanns „Abendlied“.

„Es lag ein Zauber auf Dir, die Aura des Außergewöhnlichen“, sagt Karin Jacobs-Zander, eine langjährige Freundin der Familie Brice, in ihrer Trauerrede. Er sei nicht nur ein Star gewesen. „Du warst ein Stern in den Herzen der Menschen.“ Vielen der Schaulustigen, die zuvor noch hemmungslos Kameras und sogar Ferngläser auf den Sarg gehalten hatten, stehen Tränen in den Augen. Ein junger Mann mit Turnschuhen und Rucksack, nicht älter als 25, schluchzt hemmungslos.

„Du warst immer anders als die anderen“, sagt Jacobs-Zander in ihrer Rede, die sie direkt an Brice richtet. „Du hast Spuren hinterlassen, die uns führen werden. Spuren, die kein einfaches Leben verheißen, aber ein gutes.“

Unter den Trauergästen sind die Schauspielerinnen Uschi Glas und Marie Versini, die mit ihm gemeinsam in den Indianerfilmen spielten, der Sänger Abi Ofarim und der Komponist Martin Böttcher, der einst die berühmte „Winnetou“-Titelmelodie erfand.

Von seiner Musik wird die Trauerfeier eingerahmt. Zu Beginn erklingt die Winnetou-Melodie „Der große Traum“, in der auch Brice’ Stimme zu hören ist, zum Abschluss ist es die Old-Shatterhand-Melodie, als der Sarg aus der Kirche zu einem weißen Leichenwagen getragen wird. Einer der katholischen Priester sagt in seiner Predigt: „Pierre Brice war mehr als ‚Winnetou‘.“

Der Mann, der Winnetou war
Pierre Brice und Ehefrau Hella
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Der 86-Jährige sei am Samstag in einem Krankenhaus bei Paris in den Armen seiner Frau gestorben, teilten das Management und der Anwalt des Schauspielers mit. Den genauen Ort nannte das Management nicht.

Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand
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Berühmt wurde Brice in Deutschland vor allem als „Winnetou“. Der Romanheld von Karl May war die Rolle seines Lebens. In den 60er Jahren spielte er ihn insgesamt elf Mal. Seinen ersten Auftritt hatte der in Brest geborene Schauspieler 1962 im „Schatz im Silbersee“.

Brice an der Seite von Uschi Glas
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Neben Pierre Brice als Apachen-Häuptling Winnetou reitet die junge Uschi Glas als Halbblut Apanatschi durch die Jagdgründe der Rothäute. Der französische Schauspieler hat fast 40 Jahre lang nichts anderes getan, als die berühmte Indianerfigur des deutschen Schriftstellers Karl May zu spielen.

Pierre Brice als Winnetou
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Brices Filmtod löste 1965 eine Protestwelle aus, daraufhin durfte der Indianer für kurze Zeit wieder auferstehen. Die Filmreihe endete 1968. Aber auch auf der Bühne trat er für die Sache der Indianer ein.

Brice als Winnetou
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Pierre Brice, der eigentlich Pierre Louis Baron de Bris hieß, hat auch privat die Ideale und Werte wie Freiheit, Menschenwürde und Toleranz seiner legendären Filmfigur vertreten. Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass er fast 40 Jahre die berühmte Indianerfigur gespielt habe, sagte er einmal.

Brices andere Rollen
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Der bekannte Schauspieler Pierre Brice, in der Rolle des „Wanderer zwischen den Welten“, spielte 2010 im Schlossgarten in Cuxhaven die Hauptrolle in dem Musical „Der Traum von Freiheit - Thede, Heldin des Nordens“. Das Sommertheater mit historischem Hintergrund wurde von dem Musicalautor Christian Berg produziert.

Weitere Rollen von Brice
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Die Schauspieler Dirk Moritz (l-r), Pierre Brice, Sarah Hannemann und Hermann Toelcke posieren in Lüneburg bei einem Settermin zur Familiensaga „Rote Rosen“. Die ARD-Serie „Rote Rosen“ um die drei Generationen im Lüneburger „Rosen-Haus“ bekam 2008 einen neuen Gaststar: Pierre Brice.

  • dpa
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