Roman Polanski Wird der Oscar-Preisträger ausgeliefert?

Seit 38 Jahren ist der französisch-polnische Filmemacher Roman Polanski (81) auf der Flucht. Ein Krakauer Gericht soll über den Antrag der amerikanischen Behörden entscheiden. Die Meinungen in Polen sind geteilt.
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Der Regisseur könnte nach langer Flucht an die USA ausgeliefert werden. Quelle: Reuters
Roman Polanski

Der Regisseur könnte nach langer Flucht an die USA ausgeliefert werden.

(Foto: Reuters)

Krakau/WarschauIn diesem Sommer will Roman Polanski (81) wieder in Polen Regie führen. In Warschau, wo er bereits den mit dem Oscar ausgezeichneten Holocaust-Film „Der Pianist“ gedreht hat, will er ein Drama über die Dreyfus-Affäre drehen, über den jüdischen Offizier der französischen Armee, der Ende des 19. Jahrhunderts fälschlich des Verrats beschuldigt wurde.

Doch zuvor muss Polanski („Rosemaries Baby“, „Tanz der Vampire“) sein eigenes Justizdrama überstehen. Ab Mittwoch verhandelt das Bezirksgericht Krakau über einen Antrag der US-Justizbehörden auf Auslieferung Polanskis. Wie lange das Verfahren dauert, ist noch unklar. Polanski erschien am Mittwoch vor Gericht: Der Oscar-Preisträger trug einen dunklen Anzug und betrat das Gericht in Begleitung seiner beiden Anwälte

Es ist ein weiteres Mal nach der Festnahme auf dem Flughafen Zürich im Jahr 2009, dass Regie-Altmeister Polanski fürchten muss, an die USA ausgeliefert zu werden, wo er seit Jahren mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Ihm wird Vergewaltigung vorgeworfen - es geht um Sex mit einer 13-Jährigen im Jahr 1977.

„Ich habe mich an den Tod gewöhnt“
Roman Polanski
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Polanski hat das hinter sich, was man gemeinhin ein bewegtes Leben nennt. Tod und Verzweiflung haben ihn stets begleitet. In einem Interview scherzte der Regisseur einmal: „Ich bin an den Tod gewöhnt wie Chirurgen an aufgeschnittene Bäuche.“

Der Pianist
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Als Kind überlebte der 1933 in Paris geborene Polanski die Gräueltaten der Nazis: Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges kehrten seine Eltern mit ihm nach Polen zurück. Die Familie war dort der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt und wurde im Krakauer Ghetto eingesperrt. Mutter, Großmutter und Halbschwester wurden schließlich deportiert, nur der Vater überlebte. Polanski schlug sich zusammen mit anderen Kindern in Wäldern der Region durch und überlebte versteckt gegen Bezahlung bei katholischen Bauern. In „Der Pianist“ weist der Regisseur auf seine eigene Lebensgeschichte als Verfolgter zurück (Foto: Polanski (l.) mit Schauspieler Adrien Brody während der Produktion).

Polanski mit zweiter Ehefrau
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1968 siedelte Polanski gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Sharon Tate, in die Vereinigten Staaten über. Zuvor war er in Europa mit Filmen wie „Ekel“ und „Tanz der Vampire“ zu Ruhm gekommen. Auch in den USA hatte er mit „Rosemaries Baby“ auf Anhieb einen Erfolg.

Tanz der Vampire
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Die hochschwangere Tate, die die Rolle der Sarah in Polanskis „Tanz der Vampire“ von 1967 gespielt hatte, wurde in der Nacht zum 9. August 1969 von Anhängern des Sektenführers Charles Manson ermordet. Auf dem Foto sind drei der Täter (von links: Leslie van Houten, Susan Atkins und Patricia Krenwinkel) zu sehen.

Chinatown
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Polanski, der sich zum Zeitpunkt der Tat bei Dreharbeiten befand, litt unter schweren Schuldgefühlen und verließ Hollywood vorübergehend. 1974 kehrte er mit dem Detektiv-Thriller „Chinatown“ zurück.

Skandal
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Vier Jahre später folgt die Fortsetzung der Polanski-Saga. Er wird festgenommen – im Haus von Jack Nicholson hat er eine 13-Jährige mit Drogen und Champagner zum Sex verführt. In Kalifornien gilt Intimverkehr mit Minderjährigen als Vergewaltigung. Er bekennt sich schuldig und sitzt 42 Tage in Untersuchungshaft. Um einem Prozess in Amerika zu entkommen, flüchtet er nach Paris.

Haft in der Schweiz
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Im September 2009 wird Polanski wegen eines US-Haftbefehls in Zürich, wo er beim „Zurich Film Festival“ den Preis für sein Lebenswerk entgegen nehmen sollte, festgenommen. Er verbringt zwei Monate in Haft und sieben weitere Monate unter Hausarrest in seinem Chalet im Schweizer Gstaad (Foto), bevor die Schweizer Justiz den Auslieferungsantrag ablehnt und Polanski wieder ein freier Mann wird.

„Ich vertraue auf die polnische Justiz“, sagte Polanski, als die Staatsanwaltschaft das Auslieferungsgesuch im Januar dem Gericht zusandte. Die Anwälte des Regisseurs mit französischer und polnischer Staatsbürgerschaft haben bereits beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen.

Für Polanski, der seit mehreren Jahren eine Wohnung in Krakau hat, geht es nicht nur um das bei einer Auslieferung scheiternde Filmprojekt, die Angst vor einem Schuldspruch in den USA oder eine eventuelle Flucht nach Frankreich, das ihn nicht ausliefern würde. Es geht auch um die mit zunehmendem Alter wieder intensiver gewordene Beziehung zu Polen, zu Krakau, der Stadt seiner Kindheit, die ihm versperrt bliebe, wenn er in Polen um seine Freiheit fürchten müsste.

In Polen hatte Polanski erste Erfolge, hier verehren ihn auch heute viele Kinogänger. Als er 2001 für die Arbeit am „Pianisten“ nach Polen zurückkehrte, war das eine Heimkehr, die in Polen enthusiastisch gefeiert wurde. Der Film war auch die Aufarbeitung des eigenen Kindheitstraumas: Polanski, Kind polnischer Juden, überlebte in einem Versteck das Krakauer Ghetto und den Holocaust. Aber seine Mutter wurde von den Nazis in Auschwitz ermordet. In den vergangenen Jahren hat Polanski öfter Projekte unterstützt, die an die jüdische Geschichte und Kultur vor allem in Krakau erinnern.

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