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Im Zuge der #MeToo-Bewegung berichten immer mehr südkoreanische Frauen über sexuelle Übergriffe.

(Foto: dpa)

Sexuelle Übergriffe #MeToo rüttelt auch konservatives Südkorea durch

Auch in der männlich geprägten südkoreanischen Gesellschaft sorgt #MeToo für hohe Wellen. Doch vor Gericht haben es Opfer schwer.
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SeoulMit überraschender Wucht hat die #MeToo-Bewegung Südkorea erfasst. Immer mehr männliche Prominente und Politiker sehen sich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, müssen ihre Ämter und Posten aufgeben – und das in einem Land, in dem Männer bislang trotz sexueller Übergriffe meist unbehelligt geblieben sind und ihre Karrieren fortsetzen konnten.

Südkorea ist ein zutiefst konservatives Land mit einer patriarchalen Gesellschaft. Die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind eklatant, in einer Rangliste der entwickelten Länder liegt Südkorea auf Rang 118 von 144 Nationen. Bei Menschenrechten oder anderen fortschrittlichen Errungenschaften hat das Land zwar in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht, die Anliegen der Frauen wurden dabei aber weitgehend übersehen – bis zum Aufkommen von #MeToo.

„Die Erwartungen sind hoch, dass die #MeToo-Bewegung die südkoreanische Gesellschaft verändert“, sagt Kim Bo Hwa, Wissenschaftlerin für das koreanische Hilfszentrum Sexuelle Gewalt. „Aber ob die Opfer weiter ihre Stimme erheben werden, hängt davon ab, wie die Justiz und die Regierung reagieren werden.“

Jeden Tag wächst die Liste der südkoreanischen Frauen, die mit Missbrauchsvorwürfen an die Öffentlichkeit gehen. Und damit wächst auch die Liste der Männer, die ihre Posten aufgeben müssen. Unter ihnen ist der prominente Gouverneur Ahn Hee Jung, ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat, dessen Sekretärin ihn der Vergewaltigung beschuldigt.

Werke des Dichters Ko Un, einer südkoreanischen Nobelpreishoffnung, werden aus Lesebüchern entfernt, nachdem gegen ihn Vorwürfe laut wurden, jüngere Kolleginnen belästigt zu haben. Und Kim Ki Duk, Gewinner eines Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig, wird womöglich seinen neuen Film nicht veröffentlichen können, nachdem ihn Schauspielerinnen der Vergewaltigung oder zumindest des Versuches beschuldigt haben.

Begonnen hat alles im Januar, als die Staatsanwältin Seo Ji Hyun im Fernsehen erklärte, sie sei strafversetzt worden, nachdem sie den Übergriff eines vorgesetzten Staatsanwaltes bei einer Beerdigung vor acht Jahren gemeldet habe. Dass sie nun an die Öffentlichkeit gehe, habe mit der #MeToo-Bewegung in anderen Ländern zu tun, sagte sie.

Andere Frauen folgten ihr und fanden Gehör. Immer mehr Frauen widersetzen sich unangemessenem Verhalten, das bislang hingenommen wurde. Bei der Hotline für Vergewaltigungsopfer stieg die Zahl der Frauen, die eine Vergewaltigung oder häusliche Gewalt meldeten, im Monat nach Seos TV-Auftritt um 24 Prozent.

Opfer sind vor Gericht in der Bringschuld
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