Skandalfilm „The Interview“ kommt in die deutschen Kinos

Hacker-Angriffe, diplomatische Spannungen und zahlreiche Verschwörungstheorien. Die Satire „The Interview“ hat für Gesprächsstoff gesorgt, noch bevor der Film überhaupt zu sehen war. Nun kommt er in die deutschen Kinos.
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Der Polit-Klamauk „The Interview“ kommt pünktlich in die deutschen Kinos. Der Film hat für enorme Spannungen zwischen den USA und Nordkorea gesorgt und Sony mehrere Millionen gekostet. Quelle: ap
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Der Polit-Klamauk „The Interview“ kommt pünktlich in die deutschen Kinos. Der Film hat für enorme Spannungen zwischen den USA und Nordkorea gesorgt und Sony mehrere Millionen gekostet.

(Foto: ap)

BerlinSo etwas hat es in der Filmgeschichte wohl noch nie gegeben: Eine ziemlich klamaukige Komödie führt zu politischen Spannungen und beherrscht damit tagelang die internationalen Nachrichten. Der Medienkonzern Sony zog schließlich die Reißleine und stoppte im Dezember den geplanten US-Start der Satire „The Interview“, der von einem fiktiven Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un erzählt. Angeblich hatte es Terrordrohungen aus Pjöngjang gegeben.

Doch so schnell, wie der Skandal hochkochte, so schnell schien er auch wieder abzuebben – in den USA war „The Interview“ dann doch noch vor Weihnachten zu sehen und kommt nun auch wie ursprünglich geplant am Donnerstag (5. Februar) in die deutschen Kinos.

Ob sich etwas durch die Ereignisse in Nordamerika bei uns geändert hat? Ob der Film in weniger Kinos starten wird als einst angedacht? Dazu sagt Sony Deutschland auch auf Nachfrage nichts. Von den großen Kinoketten ist ebenfalls kaum mehr zu erfahren. „Natürlich haben wir die Berichterstattung in den USA verfolgt und wie der Film dort zu einem Symbol für Meinungsfreiheit wurde“, erklärt etwa Oliver Fock, Cinestar-Geschäftsführer. Und: Man habe sich dazu entschlossen, „The Interview“ zu zeigen.

Nordkoreas Treuegelübde und Liebesschwüre
Anniversary of Kim Jong-il's death
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Auftakt im Gleichschritt: In Pyongyang in North Korea beginnen die Feierlichkeiten zum zweiten Todestag von Kim Jong Il natürlich mit dem Aufmarsch des Militärs.

huGO-BildID: 34330692 This picture taken by North Korea's official Korean Central News Agency (KCNA) on December 16, 2013 shows people bowing th
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Mit zahlreichen Veranstaltungen und einer großen Zeremonie hat die kommunistische Führung Nordkoreas am Dienstag des zweiten Todestages von Machthaber Kim Jong Il gedacht.

North Koreans offer flowers in front of statues of North Korea's founder Kim Il Sung and former leader Kim Jong Il at Mansudae hill in Pyongyang
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Die Armeeführung hat Machthaber Kim Jong Un nach der Säuberungswelle im Land ihre uneingeschränkte Loyalität bekundet. Die Soldaten zeigen das mit der Ehrerbietung des zweiten Todestages des früheren Machthabers Kim Jong Il.

TOPSHOTSThis picture taken by North Korea's official Korean Central News Agency (KCNA) on December 16, 2013 shows soldiers offering flowers before th
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Ehrerbietung im Gleichschritt: Koreanische Soldaten bringen Blumen zum Denkmal von Kim Il Sung and Kim Jong Il.

North Koreans offer flowers in front of statues of North Korea's founder Kim Il Sung and former leader Kim Jong Il at Mansudae hill in Pyongyang
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Auch das Volk ist zu den Denkmälern gekommen und legt Blumen nieder.

Kim Jong Un
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In einem grauen Mao-Anzug gekleidet saß er still und verfolgte die Paraden der Militärangehörigen und Parteimitglieder zu Ehren seines Vaters. Neben ihm hatten Kim Yong Nam, das protokollarische Staatsoberhaupt des Landes, sowie Vizemarschall Choe Ryong Hae als Vertreter des Militärs Platz genommen. Über ihnen thronte ein großes Porträt von Kim Jong Il. Die Feier begann mit drei Schweigeminuten.

huGO-BildID: 34332241 North Koreans bow beneath portraits of the late leaders Kim Jong Il and Kim Il Sung in Pyongyang on Tuesday, Dec. 17, 2013. Acr
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Kim, der auf etwa 30 Jahre geschätzt wird, hatte die Führung des abgeschotteten Landes kurz nach dem Tod seines Vaters im Dezember 2011 übernommen. Seitdem hat er beständig daran gearbeitet, seine Position zu festigen. So tauschte er die alte Garde in Pjöngjang größtenteils aus. Den Führungsstab der Armee besetzte er sogar viermal um. Zum Vergleich: Während der 17-jährigen Herrschaft seines Vaters wurden die Posten insgesamt dreimal neu vergeben.

Wer nach diesem Wirbel eine hochpolitische Satire erwartet, wird allerdings enttäuscht. Denn das ist „The Interview“ nicht – will es aber auch nicht sein. Stattdessen inszenieren die Regisseure Evan Goldberg und Seth Rogen eine kurzweilige Groteske, die immer wieder ins Klamaukige abgleitet. Kein Wunder: Der 32-jährige Rogen, der noch am Drehbuch mitschrieb und neben Hollywoodstar James Franco eine der Hauptrollen übernahm, ist als Komiker und Schauspieler von Komödien wie „Bad Neighbors“ bekannt.

So ist dann auch die Geschichte von „The Interview“ mit ihren absurden Wendungen durchaus unterhaltsam: Zwei US-Journalisten (Franco und Rogen) erhalten die Chance, Kim in Nordkorea zu interviewen. Der Geheimdienst CIA wittert seine Chance und bittet die beiden, den Diktator bei der Gelegenheit umzubringen – doch das läuft gehörig schief und die beiden Journalisten stolpern durch das Chaos. Dabei freundet sich Dave (Franco) mit dem einsamen Kim an, entdeckt Parallelen wie einen lieblosen Vater und die Vorliebe für Popstar Katy Perry.

Spannend ist dabei allerdings, dass „The Interview“ auch Wahres anspricht. Nicht nur Kim-Darsteller Randall Park sieht dem Machthaber täuschend ähnlich. Es geht auch um Kims Atomwaffentests, die hungernde Bevölkerung und die Entfernung ungeliebter Kritiker. Das spricht „The Interview“ zwar fast beiläufig an, und doch ist bemerkenswert, wie hier fiktive Groteske und realer Wahnsinn miteinander verschwimmen.

Allerdings wird das einer der Gründe sein, weswegen Nordkorea sich so gegen die Verbreitung dieses Films gewehrt hat. Die Verunglimpfung ihres Machthabers, die Degradierung zur Witzfigur, das mögen andere Staaten zähneknirschend hinnehmen. Nordkorea aber nicht. Wie sonst kann man sich diese Reaktionen erklären?

Nach einem Hacker-Angriff im November waren zuerst große Teile des firmeninternen Netzwerks von Sony lahmgelegt worden. Die US-Regierung machte später Nordkorea für den Datendiebstahl verantwortlich. Pjöngjang wies das zurück, drohte aber mit Konsequenzen, sollte „The Interview“ zu sehen sein. In den US-Kinos startete der Film dann zwar ohne Zwischenfälle. Dennoch soll das Debakel für Sony um den rund 44 Millionen Dollar teuren Film Medienberichten zufolge ein millionenschwerer Verlust sein.

Da scheint auch das sehr gute Internetgeschäft mit US-Streaming-Diensten, die den Film online verkaufen, wenig zu helfen. Und doch bleibt bei all dem ein Erfolg bestehen: Die Eskalationen haben „The Interview“ eine enorme Aufmerksamkeit verschafft, die die Komödie sonst sicher nie bekommen hätte.

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  • dpa
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