Studie zur Krimiserie „Tatort“-Mörder sind meist Unternehmer

Selbstständige sind die fiesesten Killer beim „Tatort“ - nur einmal mordete eine Gärtnerin. Und die Ermittler selbst sind auch nicht sauber: Sie verstoßen laufend gegen das Gesetz. Zwei Studien sollen das nun belegen.
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Unvergessliche Krimis und Kommissare
„Taxi nach Leipzig“ (1970)
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Bei einer Autobahnraststätte in der Nähe von Leipzig ist ein fünfjähriger Junge tot gefunden worden. Per Fernschreiben bittet der Generalstaatsanwalt der DDR die West-Kollegen um Hilfe, denn das Kind trug Schuhe aus der Bundesrepublik. Trimmel (Walter Richter, rechts) winkt erst ab und wird dann doch neugierig - immer mehr Spuren führen in den Westen. Da sich der Hauptkommissar ohne größeren Papierkram eigentlich nur auf der Strecke nach West-Berlin bewegen darf, täuscht er kurzerhand eine Autobahnpanne vor und fährt im Taxi nach Leipzig. Dort stößt er auf ein makabres Komplott. Der erste Film der „Tatort“-Reihe.

Das große Jubiläum
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Auch die 1.000 Folge bekommt den Titel „Taxi in Leipzig“ – in Anlehnung an das große Jubiläum. Der „Tatort“ ist auch im Jahr 2016 noch äußerst beliebt, auch wenn die Quoten von früher nicht mehr zu erreichen sind: Die erste Folge erzielte 61 Prozent Marktanteil. Angesichts der Konkurrenz dürfte das heute kaum noch möglich sein.

„Reifezeugnis“ (1977)
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Der wohl legendärste „Tatort“: Der Kieler Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) hat es darin mit dem Mord an einem Schüler zu tun und trifft auf eine Schülerin (Nastassja Kinski, rechts), die ein Verhältnis mit ihrem Lehrer (Christian Quadflieg, links) hat...

Kinski als Jugendstar
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Nastassja Kinski (links) ist erst 15 Jahre alt, als sie für diesen Krimi viel nackte Haut zeigt. Damals ein Skandal. Wolfgang Petersen, der später mit „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“ Welterfolge feierte, setzte den Mordfall gekonnt in Szene.

„Duisburg-Ruhrort“ (1981)
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Eines seiner ersten Worte ist „Scheiße“. Die „Tatort“-Zuschauer wissen im Jahr 1981 sofort, woran sie bei Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski (Götz George) sind. Das Publikum liebt diesen Ruhrpott-Proll mit Schnauzbart und zerknautschter Windjacke. Streng genommen ist es eine M-65-Feldjacke der US-Streitkräfte, die auch Robert De Niro als Travis Bickle im Kinofilm „Taxi Driver“ trug. Für Schauspieler Götz George wird „Schimmi“ fast schon ein Alter Ego. Im ersten Fall geht es um einen Toten im Duisburger Hafen.

„Frau Bu lacht“ (1995)
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Grimme-Preisträger Dominik Graf drehte diesen bekannten Münchener Krimi. Ivo Batic und Franz Leitmayr (Miroslav Nemec, Mitte, und Udo Wachtveitl, links), ermitteln bei einer Partnervermittlung für Thai-Frauen – damals noch nicht weißhaarig. Auf dem Foto rechts: Der Verdächtige D. Zimmer (Ulrich Noethen).

Kaltherziger Umgang
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Der kaltherzige Umgang deutscher Ehemänner mit den Asiatinnen, die ihnen in den ersten Jahren durch deutsche Abschiebegesetze ausgeliefert sind, kommt genauso gnadenlos auf den Tisch wie das Thema Kindesmissbrauch. In den Augen vieler Fans ist der Fall aus München eine der stärksten „Tatort“-Episoden.

BerlinWar es der Butler - oder gar der Gärtner? Nein: In mehr als 1000 „Tatort“-Krimis stellt die Berufsgruppe der Unternehmer und Selbstständigen die meisten Mörder. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Auswertung des Online-Portals „Netzsieger.de“. Eine Untersuchung der Technischen Universität (TU) Dortmund zeigte unterdessen, dass die Ermittler laufend gegen das Gesetz verstoßen.

In 1023 Filmen töteten Unternehmer der Zählung zufolge 109 Mal, 16 Mal allein in München. Gefolgt werden sie von den Berufskriminellen, die exakt 100 Mal bislang mordeten, davon 15 Mal in Berlin. Auf dem dritten Platz finden sich 54 Schülerinnen und Schüler wieder. Ihr Schwerpunkt ist beim „Tatort“ in Ludwigshafen anzusiedeln. Auf Rang vier liegen die Polizisten, die 49 Mal - zumeist mit der Dienstwaffe - töteten.

Keiner echten Berufsgruppe sind die Fünftplatzierten zuzuordnen: 40 Arbeitslose trieben als Mörder im „Tatort“ ihr Unwesen, sieben Mal allein in Köln. Jeweils nur einmal als Mörder entpuppten sich unter anderem der Generalkonsul des fiktiven Emirats Kumar, eine Wahrsagerin, eine schwedische Spionin, eine Zirkuseigentümerin, ein Kaninchenzüchter, eine Pop-Sängerin und eine Gärtnerin als Täter.

Etwa drei Viertel aller erfassten Tatort-Mörder sind laut „Netzsieger.de“ männlich. Auch bei den Opfern ist das Verhältnis von weiblichen und männlichen Opfern in etwa ähnlich. 1057 Männer und 485 Frauen kamen demnach zu Tode.

„Tatort“-Kommissare dagegen hätten in der Realität wohl längst ein Disziplinarverfahren am Hals - denn in jeder Folge brechen sie das Gesetz. Das zeigt die Untersuchung von Medienrechtler Professor Tobias Gostomzyk der TU Dortmund. Er untersuchte zusammen mit einer Kollegin und seinen Studenten 34 Folgen der ARD-Reihe aus dem Jahr 2015.

Das Ergebnis: Mit der Strafprozessordnung nehmen es die Ermittler nicht so genau - 96 Gesetzesbrüche stellten sie insgesamt fest. „Uns hat interessiert: Welches Bild wird in den Medien von der Justiz vermittelt“, erklärt Gostomzyk vom Institut für Journalistik.

Die Top 3 der Verstöße bei den Kommissaren sind unzureichende Belehrungen von Tatverdächtigen, verbotene Ermittlungsmethoden und unzureichende Durchsuchungen. Auch Hausfriedensbruch und Verkehrsdelikte lassen sie sich öfter zu Schulden kommen. Ärger kriegen die Beamten dafür aber nicht: Nur eine Minderheit (8 Prozent) der Verstöße führt zu Konsequenzen.

Am Gesetzestreusten sind übrigens die Kommissare aus München. Die nach Quoten populärsten Ermittler, Thiel und Boerne aus Münster, sind relativ harmlos - sie liegen bei den Verstößen im Mittelfeld.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Studie zur Krimiserie: „Tatort“-Mörder sind meist Unternehmer "

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  • Keiner will eine Polizeidoku sehen, bei der alles korrekt nach Vorschrift läuft. Es reicht schon, wenn die Polizei in Leipzig in den Kriminalfilmen dazu missbraucht wird, um den Zuschauern mit peinlich banalen Dialogen das Gutmenschentum einzubläuen.

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