Tatort am Sonntag Ein Fuß kommt selten allein

Im Tatort aus Münster dreht sich alles ums Tanzen. Der mittlerweile 29. Fall der Ermittler glänzt unter anderem mit witzigen Zitaten – und Loriot lässt grüßen. Es wartet ein Krimi zum Schmunzeln.
Die Schauspieler Axel Prahl (Kommissar Frank Thiel, links) und Jan Josef Liefers (Professor Karl-Friedrich Boerne) posieren in Münster bei den Dreharbeiten zur westfälischen Tatort-Folge. Quelle: dpa
Tatort-Team Münster – Prahl und Liefers

Die Schauspieler Axel Prahl (Kommissar Frank Thiel, links) und Jan Josef Liefers (Professor Karl-Friedrich Boerne) posieren in Münster bei den Dreharbeiten zur westfälischen Tatort-Folge.

(Foto: dpa)

MünsterBoerne und Thiel erweitern den Sonntagabend um ein ungewohntes Genre. Zur klassischen „Tatort“-Zeit nach der „Tageschau“ gehen die beiden diesmal mit einem Tanzfilm um 20.15 Uhr an den Start. Nachdem Thiels „Vadder“ (Claus Dieter Clausnitzer) bei der Pilzsuche im Wald eine Leiche gefunden hat, spielt der 29. Fall „Ein Fuß kommt selten allein“ in der Szene der Profi-Tänzer.

Münsters Vorzeige-Tanzclub will in die Bundesliga. Mit aller Macht. Da darf eine tote ehemalige Sportlerin den Zeitplan nicht stören. Der Präsident und Finanzier der Tanzportgemeinschaft Münster, wunderbar schnöselig gespielt von Thomas Heinze, stellt sich den Ermittlungen von Kommissar Thiel und Gerichtsmediziner Prof. Boerne in den Weg. Max von Pufendorf ergänzt als Trainer die Riege der topbesetzten Nebenrollen in diesem „Tatort“.

„Wenn der Kuchen spricht, schweigt der Krümel“
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Eigentlich mag er Krimis nicht besonders. Trotzdem hat es Jan Josef Liefers zu einem der beliebtesten TV-Ermittler Deutschlands gebracht. Im „Tatort“ Münster geht er seit 2002 als schnöseliger Gerichtsmediziner Boerne auf Verbrecherjagd und fährt gemeinsam mit seinem Kollegen Axel Prahl alias Kommissar Thiel regelmäßig Traumquoten ein.

Dabei fallen auch immer markige Sprüche wie: „Kabelverbindungen unter dem Tisch, bringen Sie das mal in Ordnung, Alberich. Sie können ja unter meinem Tisch gut stehen.“

Tatort Münster
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Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne, Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel und Christine Urspruch als Assistentin Alberich beim „Münster-Tatort“: Die Dialoge zwischen dem großgewachsenen Chef Boerne (1,80 Meter) und seiner kleinen Mitarbeiterin Alberich (1,32 Meter) sind fester Bestandteil. Der Satz, den Boerne seiner Assistentin zuwirft, strotzt vor Gemeinheit und wäre anderswo ein Fall für den Betriebsrat. Urspruch sieht das Lachen auf ihre Kosten gelassen: „Ich empfinde die Sprüche nicht als diskriminierend, sie gehören zum Tatort wie das Salz in der Suppe. Und Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.“

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„Alberich“ alias Urspruch ist entsprechend oft das Ziel von Prof. Boernes Sprüchen. Kostprobe: „Für Sie ist der Job als Spargelstecherin genau das Richtige. Er ist wie geschaffen für Ihresgleichen. Kein Bücken bei der Ernte, und mehr als Ihre süßen, kleinen Trippelschritte braucht es nicht, um von einem Spargel zum nächsten zu kommen!“

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Ebenfalls zu „Alberich“: „Bringen Sie mir doch Champagner und für Alberich ein Piccolöchen.“

Tatort Münster
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„Das würde ich mir von so einem lausigen Penner nicht bieten lassen!“ – „Das ist mein Vater!“ (Boerne und Thiel in „Der dunkle Fleck“)

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„Als Professor hat man stets das Große und Ganze im Auge. Das Kleine, Halbe überlass ich Ihnen.“ Auch hier war das Ziel seine Kollegin Alberich in der Folge „Spargelzeit“.

Axel Prahl und Jan Josef Liefers
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„Guter Geschmack macht sehr einsam.“ (Boerne mit karierten Gummistiefeln in „Spargelzeit“)

Das Drehbuch des Falls stammt von Stefan Cantz und Jan Hinter. Beide haben 2002 auch die Münster-Premiere („Der Dunkle Fleck“) geschrieben. Der 29. Fall kommt wieder etwas stärker daher. Die Balance zwischen Klamauk und Krimi ist stimmig. In dieser Kriminalkomödie ist das Kriminalistische kein aufgezwungenes Beiwerk.

Extraklasse sind in diesem Münster-„Tatort“ die Zitate und Anspielungen im Drehbuch. Mechthild Grossmann, die als kettenrauchende Staatsanwältin mit Boerne zusammen Tango-Tanzstunden nimmt, betreibt „Hochleistungsqualmen nach der Tanzkarriere“. Wer nicht weiß, dass Grossmann zum Wuppertaler Tanzensemble Pina Pausch zählt, lacht an dieser Stelle nur halb so laut.

Auch Loriot steckt in den Köpfen der Drehbuchschreiber. Warum sollte sonst in Wuppertal eine Fußreflexzonenmassage-Praxis eröffnet werden? Lottogewinner Erwin Lindemann lässt grüßen.

Die Quoten für den Münster-Tatort im „Ersten“ erreichen regelmäßig Rekordwerte. Zuletzt sahen mehr als 13 Millionen Zuschauer zu. Der 29. Fall hat das Potenzial, erneut in diese Region vorzustoßen. Das gesamte Team spielt grandios auf. Nur Friederike Kempter als Kommissarin Nadeshda Krusenstern kommt diesmal etwas zu kurz. Dafür stiehlt Christine Urspruch als kleinwüchsige Assistentin dem versnobten Rechtsmediziner Prof. Boerne (Josef Liefers) die Show. Der darf sich zwar als „Fred Astaire“ Münsters fühlen, das Bundesverdienstkreuz aber bekommt die kleine Frau neben ihm. Boerne kocht.

Frank Thiel als Kommissar (Axel Prahl) löst seinen Fall und schaut sich das eitle Treiben in der Tanzschule als amüsierter Beobachter an - wie auch der Fernsehzuschauer. Thomas Jauch hat zum zweiten Mal für Münster Regie geführt und das Werk gekonnt inszeniert. Für die Tanzszenen setzte Jauch keine Double ein. Die Profis stellte allerdings kein Tanzteam aus Münster, sondern gedreht wurde beim TSC Brühl. Dessen Tanzsportzentrum südlich von Köln sah eine Premiere: Kriminaltango mit Zwerg. Liefers und Urspruch Arm in Arm - weit entfernt von Augenhöhe.

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  • dpa
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