Tatort „Kleine Prinzen“ Tote Mädchen und arabische Diplomaten

Die Schweizer Kommissare scheitern in ihrem neuesten Fall an den Tücken der Immunität einer arabischen Königsfamilie. Es geht um ein totes Mädchen, um Trauer, die Suche nach Gerechtigkeit und sehr viele Klischees.
Fabienne Hadorn als Corinna Haas (v.l.), Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger in einer Szene des Tatorts „Kleine Prinzen“. Quelle: dpa
In den Wirren der Diplomatie

Fabienne Hadorn als Corinna Haas (v.l.), Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger in einer Szene des Tatorts „Kleine Prinzen“.

(Foto: dpa)

GenfZu Beginn ist eigentlich alles ganz einfach: Ein übermüdeter Lkw-Fahrer überfährt ein Mädchen und lässt es blutüberströmt sterbend auf der dunklen Landstraße zurück. Der Vater der Schülerin sinnt auf Rache. Doch nichts ist so, wie es zunächst scheint. Im zehnten Schweizer „Tatort“ mit dem Titel „Kleine Prinzen“ führen die Ermittlungen in die Welt reicher, verzogener Jugendlicher. Die Kommissare haben vor allem mit diplomatischen Verstimmungen mit einer arabischen Königsfamilie zu kämpfen.

Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) erkennen schnell, dass es sich bei dem Tod der Jugendlichen um keinen einfachen Unfall handeln kann. Kurz vor ihrem Tod hatte die hübsche Schülerin Ava Fleury (Ella Rumpf) noch Sex gehabt. Ihr Kleid trug sie verkehrt. Jemand hatte sie mit einem Schlag auf den Kopf getötet und auf der Straße deponiert. Die Nachforschungen bringen die Ermittler in ein Eliteinternat in der Nähe von Luzern, in dem die Schüler dem strengen Regiment mit legalen wie illegalen Wegen entfliehen. Wilde Partys, Drogen und Affären mit Lehrern sind keine Seltenheit.

Der trauernde Vater Laurant Fleury (Luc Feit) kämpft unterdessen mit seinem Verlust. Vor Jahren wurde er zum Witwer und hatte schon lange keinen Zugang mehr zu seiner Tochter. Nachdem der Workaholic nun alles verloren hat, lässt er seine Wut am Lkw-Fahrer (Fritz Loosli) aus. Erst nachdem er erfährt, dass der wahre Mörder noch nicht gefasst ist, lässt er von ihm ab.

Das Tatort-Jahr
Erfurt-Aus
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Das Jahr 2015 begann im „Tatort“-Kosmos mit einem Knall. Am 7. Januar verkündete der MDR, dass sich das junge Erfurter Trio nach zwei Folgen auflöse. Zwei Hauptdarsteller, Friedrich Mücke und Alina Levshin, stiegen aus. Die beiden Krimis („Kalter Engel“, „Der Maulwurf“) waren bei der Kritik durchgefallen. Das MDR-Team Weimar – Nora Tschirner und Christian Ulmen – läuft aber weiter.

Ulrich Tukur
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Nach dem Grimme-Preis-ausgezeichneten Western-Krimi „Im Schmerz geboren“ (2014) mit Leichenrekord sahen viele auch im Folgekrimi „Wer bin ich?“ (27.12.) – mit Ulrich Tukur als Felix Murot – den experimentierfreudigsten „Tatort“ des Jahres. In dem selbstbezüglichen „„Tatort“-im-„Tatort““-„Tatort“ wirkte auch Martin Wuttke mit, dessen Leipzig-„Tatort“ im April endete. Und genau darüber redet er auch in dem vielschichtigen Film.

Drei neue Teams 2015
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Im März startete in Berlin das RBB-Duo Meret Becker (als Nina Rubin) und Mark Waschke (als Robert Karow). Die Geschichte des rätselhaften und wohl schwulen, zumindest bisexuellen Karow wird bis zum vierten Fall Ende 2016 erzählt. Im April lief erfolgreich der erste Franken-„Tatort“ mit Dagmar Manzel (als Paula Ringelhahn) und Fabian Hinrichs (als Felix Voss) vom BR. Im Mai legten dann in Frankfurt Margarita Broich (als Anna Janneke) und Wolfram Koch (als Paul Brix) los - Gastrollen hatten die beiden neuen Frankfurt-Stars im anderen HR-„Tatort“ bei Tukur Ende Dezember.

Horizontales Erzählen
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Es scheint im ARD-Sonntagskrimi – auch beim „Polizeiruf 110“ – den Trend zu geben, nicht mehr klassisch in sich geschlossen (vertikal) erzählen zu wollen, sondern über mehrere Folgen hinweg (horizontal). Besonders ausgeprägt ist das bei Berlin, aber auch in Dortmund und Hamburg. Das orientiert sich am Prinzip gefeierter US-Serien, kann aber beim „Tatort“, wo die Fortsetzung Monate auf sich warten lässt, überfordernd bis unpassend wirken.

Quoten-Auf-und-Ab
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Die Schweizer Episode „Schutzlos“ hatte am sehr heißen 5. Juli mit wenig mehr als sechs Millionen Zuschauern die schwächste Einschaltquote seit fünf Jahren. Das Team aus Münster erreichte dafür mit „Schwanensee“ (8.11.) und fast 14 Millionen Zuschauern die beste „Tatort“-Quote seit 1992.

Gleiche Themen
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Ähnliche Storys gibt es immer wieder. Auffällig waren 2015 beispielsweise Drogendealer und Flüchtlinge aus Afrika – in Luzern („Schutzlos“, 5.7.) und Dortmund („Kollaps“, 18.10.).

Gleiche Schauspieler
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Oft kehrten 2015 Gesichter in Nebenrollen wieder. Uwe Bohm etwa tauchte im Februar zwei Wochen hintereinander auf: am Bodensee und in Leipzig (8. und 15.2.), Emily Cox (in der Mitte sitzend) war sogar dreimal vertreten: Dortmund (11.1.), Frankfurt (17.5.), Wien (7.6.).

Nach und nach schließt sich das Puzzle um den letzten verhängnisvollen Abend von Ava: Mit ihrer besten Freundin hat sie gestritten, mit ihrem Ex-Freund gab es eine handfeste Auseinandersetzung bei einer Feier. Verhängnisvoll wurde aber erst die Beziehung mit dem Bruder eines Emirs, der als Minister in Luzern zu Besuch ist und diplomatische Immunität genießt.

In ständig wiederkehrenden Rückblenden zeigt sich Ava vor der Kamera des Bruders verführerisch im Bikini. Sobald der junge Minister (Nadim Jarrar) ins Bild kommt, trübt sich ihre Stimmung. Was ist zwischen ihnen vorgefallen? War es ein Mord aus Eifersucht oder passte das aufreizende Mädchen mit dem großem Selbstbewusstsein nicht in die Welt einer arabischen Königsfamilie?

Der junge Minister setzt jedenfalls alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um seinen Bruder aus dem Visier der Ermittler zu bringen. Einmal zeigte er sich sehr erbost, ein Treffen mit FIFA-Funktionären abbrechen zu müssen, um ihn vom Polizeirevier abzuholen.

Die Unantastbarkeit der Königsfamilie setzt Flückiger stark zu und bindet ihm die Hände. Der Kommissar gerät aufgrund seiner Methoden zusehends in einen Konflikt mit seinem Arbeitgeber. Letztendlich wird den Ermittlern der Fall sogar entzogen. Der Leibwächter des Emirs legt schließlich ein Geständnis ab, er gilt aber nur als Bauernopfer.

Doch Flückiger, der seit langer Zeit das erste Mal wieder verliebt ist, gibt nicht auf und will den vermeintlichen Mörder aus der Prinzenfamilie mit einer unerlaubten DNA-Analyse überführen. Dabei ist ihm Avas Vater behilflich, nachdem er in der eigenen Abteilung keine Verbündeten mehr hat.

Siegt am Ende die Gerechtigkeit im Schweizer „Tatort“, der mit etwas zu vielen Klischees spielt, um die Spannung 90 Minuten lang aufrecht zu erhalten? Kommen die Brüder ungeschoren davon oder nimmt der Vater der ermordeten Ava die Sache doch selbst in die Hand?

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  • dpa
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