Katja Benrath

Die deutsche Regisseurin ist mit ihrem Film „Watu Wote/All Of Us“ für den Oscar nominiert.

(Foto: dpa)

Wichtigster Filmpreis Wie deutsche Filmmacher den Oscar-Rummel mittendrin erleben

Eine Oscar-Nominierung strengt mächtig an. Empfänge, Meetings und Ratschläge von Meryl Streep: Die deutschen Anwärter machen voll mit.
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Los AngelesDen Studenten-Oscar in Gold hat sie schon, bald könnte Katja Benrath den „echten“ Goldjungen gewinnen. Der Erfolg ist der Regisseurin, Absolventin der Hamburg Media School, nicht zu Kopf gestiegen. Mitten im Oscar-Trubel rast sie in Jeans und Sweatshirt in Los Angeles von Termin zu Termin: Meetings in Filmstudios, Interviews, Treffen mit kreativen Köpfen.

Ein wenig erschöpft, aber sichtlich stolz auf ihr deutsch-kenianisches Team, das mit dem Film „Watu Wote/All Of Us“ in der Kategorie „Live-Action-Kurzfilm“ nominiert ist, findet die Lübeckerin (38) das Hollywood-Erlebnis auch „etwas absurd“. „Das ist für uns alle ein Kulturschock. Mit den Stars über den roten Teppich zu laufen, die am Tag mehr verdienen, als wir in Jahren zusammenkriegen würden. Das ist schon eine sehr surreale, aber auch spannende Situation“, sagt Benrath. Die gelernte Schneiderin und Schauspielerin hat erst im vorigen Jahr ihr Regiestudium abgeschlossen. Für den Flug und die Unterkunft in Hollywood habe sie sich Geld leihen müssen, grinst die Oscar-Anwärterin.

Für den gemeinsamen Abschlussfilm recherchierten und drehten Benrath, Produzent Tobias Rosen, Kameramann Felix Striegel und die Autorin Julia Drache 2016 in Kenia, zusammen mit einem großen Team vor Ort. „Watu Wote/All Of Us“ basiert auf einem Vorfall im Jahr 2015 an der Grenze zwischen Kenia und Somalia, als sich bei einem Terrorangriff von Islamisten auf einen Reisebus Muslime schützend vor Christen gestellt hatten.

In Hollywood ist das deutsch-afrikanische Team nun wieder vereint – zu zwölft geht es zur Oscar-Gala. Rosen bedauert nur, dass einige der muslimischen Schauspieler, darunter einer der Hauptdarsteller aus Somalia, wegen Schwierigkeiten bei der Einreise in die USA nicht teilnehmen können. „Unser Film hat aber eine starke Botschaft, die auch in Europa und in den USA verstanden wird“, meint der in Südafrika aufgewachsene Filmemacher. „Hier in Hollywood gehen nun Türen von selber auf, wo man sich früher nicht getraut hätte anzuklopfen“, freut sich der 34-Jährige über das Interesse von Studios an dem jungen Team.

Auch die Produktionsleiterin des Films, Krysteene Savane, lässt sich den „historischen Moment“ nicht entgehen. „Das ist riesig für unser Land“, strahlt die Kenianerin beim Empfang in der Oscar-Akademie.

Zum Oscar-Rummel gehört auch der rote Teppich – ohne Turnschuhe. Benrath wird ein Outfit der Berliner Designerinnen von Kaviar Gauche tragen. Es ist schwarz, aber kein Kleid, mehr wolle sie nicht verraten, lacht die Regisseurin. „Ich möchte Schwarz tragen, weil ich die Farbe mag und weil es im Moment gerade das Richtige ist.“ Als Zeichen gegen Sexismus, Missbrauch und Benachteiligung hatten sich viele Stars jüngst bei Preisverleihungen wie den Golden Globes und den britischen Filmpreisen Bafta ganz in Schwarz gezeigt.

Rat holte sich Benrath bei Meryl Streep, als sie die Schauspielerin Anfang Februar bei einem Lunch-Empfang der Nominierten traf. „Sie hat mir gesagt 'you can wear whatever you want just speak up when necessary', also trag was du willst, aber mach den Mund auf wenn's notwendig ist. Das finde ich super und das nehme ich mir auch zu Herzen“, sagt Benrath.

Wer die größten Chancen auf die goldene Statue hat
Oscar-Verleihung 2018
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Am 04. März wird US-Moderator Jimmy Kimmel im Dolby Theatre in Los Angeles die Gala zur 90. Verleihung der Oscars eröffnen. In insgesamt 24 Kategorien können sich zahlreiche kreative Köpfe die Hoffnung machen, mit dem wichtigsten Filmpreis der Welt ausgezeichnet zu werden. Folgend ein Überblick über die nominierten Filme und Persönlichkeiten in den interessantesten Kategorien – inklusive ihrer Gewinnchancen.

Bester Film
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In der „Königskategorie“ der Oscars sind folgende Filmwerke nominiert:

- „Dunkirk“ (Deutscher Kinostart: 27. Juli 2017)
- „Die Verlegerin“ (Originaltitel: „The Post“, 22. Februar 2018)
- „Call Me By Your Name“ (01. März 2018)
- „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“ („The Shape of Water“, 15. Februar 2018)
- „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (Bild, 25. Januar 2018)
- „Lady Bird“ (19. April 2018)
- „Get Out“ (04. Mai 2017)
- „Die dunkelste Stunde“ („Darkest Hour“, 18. Januar 2018)
- „Der seidene Faden“ („Phantom Thread“, 01. Februar 2018)

Top-Favorit aus dem Ozean
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Der Film des Abends wird aller Wahrscheinlichkeit nach „Shape of Water - Das Flüstern des Meeres“ von Regisseur Guillermo del Toro. Insgesamt dreizehn Nominierungen konnte der Fantasystreifen einheimsen – so viel wie kein anderer Film in diesem Jahr. Ein gutes Stück dahinter, aber immer noch mit guten Chancen stehen der Kriegsfilm „Dunkirk“ (insgesamt acht Nominierungen) und das Drama „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (sieben Nominierungen) dar.

Außergewöhnlich
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Den Titel der „überraschendsten Nominierung“ hat gewiss schon jetzt „Get Out“ von Jordan Peele sicher. Einen Horrorfilm erblickte man in der wichtigsten Kategorie schon lange nicht mehr. Hinzu kommt, dass Peele afroamerikanischer Abstimmung ist – damit gehört er zu einer Gruppe von Regisseuren, die ebenfalls selten bedacht wird.

Beste Regie
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Die Nominierten in der Kategorie „Beste Regie“:

- Christopher Nolan (Bild) für „Dunkirk“
- Guillermo del Toro für „Shape of Water - Flüstern des Meeres“
- Greta Gerwig für „Lady Bird“
- Jordan Peele für „Get Out“
- Paul Thomas Anderson für „Der seidene Faden“

Guillermo del Toro
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Der gebürtige Mexikaner kann seine Dankesrede eigentlich schon fest einplanen. Der 53-Jährige gewann kurz vor der Oscar-Verleihung nicht nur den Golden Globe, sondern auch den Award der Directors Guild of America. Gerade die letzte Auszeichnung gilt als Oscar-Vorbote. So konnten immerhin 13 der letzten 14 DGA-Preisträger wenig später auch einen Oscar in der Kategorie „Beste Regie“ entgegennehmen.

Frauenpower
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Eine positive Überraschung ist zudem die Nominierung von Greta Gerwig. Frauen sind in der Kategorie eine Seltenheit. Gemeinsam mit dem afroamerikanischen Jordan Peele scheinen so die veralteten Rollenbilder auch bei den Academy Awards allmählich zu bröckeln – oder die Verantwortlichen setzen alles daran, die aktuelle #MeToo-Debatte oder das #OscarsSoWhite-Debakel von 2016 vergessen zu machen.

Bis zur Oscar-Gala ist noch volles Programm, ebenso für die anderen deutschen Nominierten. Beim traditionellen Empfang in der Villa Aurora wird am Samstag auch der Potsdamer Special-Effects-Spezialist Gerd Nefzer erwartet. Der 52-Jährige ist mit seinem Team für den Film „Blade Runner 2049“ in der Kategorie visuelle Effekte nominiert.

Für die deutschen Regisseure Jan Lachauer und Jakob Schuh ist es ein Déjà-vu: Beide waren früher schon einmal im Oscar-Rennen. Nun treten die gebürtigen Münchner mit ihrem Trickfilm „Revolting Rhymes“ („Es war einmal...nach Roald Dahl“) in der Sparte „Animierter Kurzfilm“ an. Ist es beim zweiten Mal entspannter? „Jetzt weiß man zwar, was auf einen zukommt, aber das macht es nicht weniger beängstigend“, sagt Schuh mit einem Augenzwinkern.

Zwei Wochen lang haben sie ihren Film in San Francisco und Los Angeles in Studios gezeigt. „Keine Partys, nur Arbeit“, meint Schuh über die Anstrengung, im Oscar-Rampenlicht zu stehen. „Es freut mich vor allem für den Film, der nun ein viel größeres Publikum erreicht. Mehr Leute schauen sich an, was wir erzählen wollen“, sagt Lachauer.

Die Wahl der Oscar-Gewinner ist gelaufen, jetzt steht der Countdown bis Sonntag an. Also höchste Zeit, um an der Dankesrede zu feilen. „Ich würde Kenia danken, möchte aber auch unbedingt einen Satz zur Frauenpower sagen“, sinniert Benrath. Denn auch in ihrem Film kämen starke Frauen vor. „Alleine jetzt hier zu sein, ist großartig, ob man gewinnt oder nicht“, meint „Watu Wote“-Produzent Rosen. „Es wäre die Krönung, aber schon die Nominierung ist ein Traum.“

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  • dpa
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