Paris Messerattacke: Tatverdächtiger soll in Verbindung zu radikalisierten Islamisten gestanden haben

Nach der Messerattacke in Paris hat die Polizei weitere Einzelheiten bekannt gegeben. Der Tatverdächtige soll Verbindungen zu radikalisierten Islamisten gehabt haben.
05.10.2019 - 19:03 Uhr Kommentieren
In Paris ermittelt nun eine Anti-Terror-Einheit. Quelle: dpa
Messerattacke

In Paris ermittelt nun eine Anti-Terror-Einheit.

(Foto: dpa)

Paris Der Antiterror-Staatsanwalt von Paris Jean-François Ricard hat am Samstagnachmittag bei einer Pressekonferenz Details über die Messerattacke mitgeteilt, die sich am Donnerstag im Hauptquartier der Pariser Polizei zugetragen hat. Danach hat der 45-Jährige Polizeiangehörige Mickaël H. am Morgen der Tat zunächst wie üblich seinen Dienst aufgenommen. Am späteren Vormittag habe er die Polizeipräfektur verlassen und zwei Messer gekauft.

Zurück im Büro habe er zunächst weitergearbeitet und sich dann auf zwei seiner Kollegen im selben Raum gestürzt und sie tödlich verletzt. In einem Nebenraum habe er eine dritte Polizeiangestellte angegriffen, die später ihren Verletzungen erlag.

In ein weiteres Büro wollte er eindringen, doch war der Raum zum Glück für drei Beamte, die dort aßen, verschlossen. Im Erdgeschoss verletzte er eine weitere Frau schwer und erstach einen dritten Beamten. Ein junger Polizeischüler stoppte ihn schließlich, forderte ihn auf, seine Waffe wegzuwerfen. Als Mickaël H. auch ihn angreifen wollte, gab der junge Beamte zwei Schüsse ab, die tödlich waren. Der Anschlag dauerte lediglich sieben Minuten, so Ricard.

Dem Staatsanwalt zufolge stand der Täter mit radikalisierten Islamisten in Verbindung und veränderte in den Monaten vor der Tat sein Verhalten. Er habe keinen Kontakt mehr zu Frauen haben wollen und angefangen, sich anders zu kleiden.

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    Ein Zeuge behauptet sogar, dass Mickaël H. bereits nach dem Mordanschlag auf die Redaktion der Zeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 seine Freude über die Tat ausgedrückt habe, die er auch zu rechtfertigen versucht habe. Der Zeuge behauptet, er habe diese Nachricht an seine Vorgesetzten weitergeleitet, doch sei nichts unternommen worden. Ob dies zutrifft und warum der Kollege des mutmaßlichen Attentäters die Sache dann auf sich beruhen ließ, ist noch völlig unklar.

    Staatsanwalt Ricard sagte vor den Medien, dass man in der Wohnung des Täters und auf seinem Computer bislang keinerlei Hinweise auf einen radikal-islamistischen Hintergrund gefunden habe.

    Die Untersuchung der Handys von ihm und seiner Frau zeige einen regen SMS-Verkehr am Morgen der Tat, der rein religiösen Charakter habe und an dessen Ende er seine Frau auffordere, „auf dem Weg des Propheten zu wandeln und den Koran zu studieren.“ Die letzte Nachricht seiner Frau laute: „Gott wird über dich urteilen.“

    Die Frage, die man sich nun in Frankreich stellt, ist die: Wie konnte dieser Mann, gegen den bereits 2009 ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt angestrengt wurde, im sensibelsten Bereich der Polizei arbeiten und sogar ein Clearing für Geheimdokumente haben?

    Mickaël H. begann 2003 seinen Dienst bei der Polizei und arbeitete seit einigen Jahren als Computerexperte im Nachrichtendienst, einer Art Verfassungsschutz der Behörde des Pariser Polizeipräfekten. Damit hatte er Zugang zu hochsensiblen Informationen. Was genau er wusste, welche Informationen er möglicherweise an seine radikalisierten Kontaktpersonen weitergegeben hat, all das ist noch unbekannt.

    Die zweite Frage, die man sich in Frankreich stellt lautet: Warum hat Innenminister Christophe Castaner wenige Stunden nach der Tat vor laufenden Kameras behauptet, der Polizeimitarbeiter sei völlig unauffällig gewesen und habe keinerlei Anzeichen für ein verdächtiges Verhalten gemacht?

    Der Minister hat sich am Samstag nicht mehr zu dem Fall geäußert. Die konservative Opposition verlangt seinen Rücktritt. Dabei verweist sie auch auf die Information eines Abgeordneten der Regierungspartei „En Marche“, demzufolge innerhalb der Sicherheitskräfte 30 Mitarbeiter als radikalisierte Muslime unter Beobachtung stehen.

    Mehr: Sirenengeheul in der Pariser Innenstadt und abgesperrte Straßen: Vier Polizisten wurden laut Medien von einem Angreifer mit einem Messer getötet.

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