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Alterssicherung Rente mit 69: Die Bundesbank rechnet vor, wie die Politik die Rentenkasse entlasten kann

Die Alterung der Gesellschaft droht den Bundeshaushalt zu überfordern. Ein Ausweg könnte die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung sein.
27.06.2022 - 15:15 Uhr 6 Kommentare
Die Ampelkoalition hat eine weitere Anhebung des Rentenalters, das bis Anfang der 2030er-Jahre auf 67 Jahre steigt, ausgeschlossen. Quelle: dpa
Rentner

Die Ampelkoalition hat eine weitere Anhebung des Rentenalters, das bis Anfang der 2030er-Jahre auf 67 Jahre steigt, ausgeschlossen.

(Foto: dpa)

Berlin Um den finanziellen Druck auf die gesetzliche Rentenversicherung abzumildern, werden Arbeitnehmer in Zukunft länger arbeiten müssen. Dies zeigen Simulationsrechnungen, die die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht veröffentlicht hat. Demnach ist langfristig eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre sinnvoll.

Dadurch würde der Anstieg der Beiträge zur Rentenversicherung und des Steuerzuschusses aus dem Bundeshaushalt zumindest gedämpft. Eine andere Möglichkeit wäre die Entkopplung der Altersbezüge von der Lohnentwicklung, also ein Absenken des Rentenniveaus.

Ampelkoalition gegen weitere Anhebung des Rentenalters

Das Thema ist politisch heikel, die Ampelkoalition hat eine weitere Anhebung des Rentenalters, das bis Anfang der 2030er-Jahre auf 67 Jahre steigt, ausgeschlossen. Ökonomen und Rentenexperten empfehlen dagegen eine Koppelung an die steigende Lebenserwartung.

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium musste sich dafür im April vergangenen Jahres noch harsche Kritik des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten und heutigen Bundeskanzlers Olaf Scholz anhören.

Die Bundesbank lässt sich davon nicht beirren. Es sei „insgesamt gut nachvollziehbar, dass etliche nationale und internationale Beratungsgremien Deutschland eine solche Ausgestaltung empfehlen“, schreibt sie im Monatsbericht. Denn Rentenkasse und Bundeshaushalt würden überstrapaziert, sollte die Politik das Rentenalter bei weiter steigender Lebenserwartung dauerhaft bei 67 Jahren fixieren.

Bundesbank: Diese Szenarien gibt es für das Renteneintrittsalter

Bis 2025 gilt noch die „doppelte Haltelinie“, das Rentenniveau darf 48 Prozent nicht unterschreiten, der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen. Nach geltendem Recht würde danach im Basisszenario der Bundesbank das Versorgungsniveau bis Ende der 2030er-Jahre auf 43 Prozent und bis 2070 auf rund 40,45 Prozent sinken. Gleichzeitig steigt der Beitragssatz zunächst auf 23 Prozent und bis 2070 auf 25 Prozent. Auch die Bundesmittel für die Rentenkasse steigen kräftig – in Relation zur Wertschöpfung um rund 1,5 Prozentpunkte.

Grafik

Nun haben SPD, Grüne und FDP aber vereinbart, das Rentenniveau dauerhaft bei 48 Prozent zu stabilisieren. In diesem Szenario stiege der Beitragssatz bis 2070 sogar auf 29 Prozent. Auf den Bundeshaushalt kämen erhebliche Mehrbelastungen zu. Um den Kostenanstieg finanzieren zu können, wäre dann 2070 das gesamte Aufkommen aus einem um sechs Prozentpunkte erhöhten Mehrwertsteuerregelsatz erforderlich.

Deutlich entspannter stellt sich die Situation dar, wenn das Rentenalter nicht eingefroren wird, sondern mit der Lebenserwartung steigt – und zwar so, dass das Verhältnis aus Beitragsjahren und Rentenbezugsjahren auf dem Anfang der 2030er-Jahre erreichten Stand fixiert wird. In diesem Fall würde das Renteneintrittsalter nach der Simulation der Bundesbank bis 2070 auf 69 Jahre steigen.

Sollte das Rentenniveau bei 48 Prozent stabilisiert werden, stiege der Rentenbeitragssatz in diesem Szenario bis 2070 auf 27 Prozent. Er läge also zwei Prozentpunkte niedriger als ohne Anpassung des Rentenalters. Auch die nötigen Bundesmittel steigen deutlich weniger stark.

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In einer weiteren Simulationsrechnung untersucht die Bundesbank auch noch den Fall, dass die Renten nicht mehr im Gleichschritt mit den Löhnen wachsen, sondern nur noch die Steigerung der Verbraucherpreise berücksichtigt wird. So wird das beispielsweise in Österreich gehandhabt.

Bei einer solchen Inflationsindexierung koppeln sich die Renten in der Bezugsphase von der Lohnentwicklung ab, was sich in einem sinkenden Versorgungsniveau zeigt. Die Rentner nehmen also nicht mehr im gleichen Maße an der Wohlstandsentwicklung teil wie die Arbeitnehmer, müssen aber auch keine Kürzungen ihrer Altersbezüge befürchten.

Rentenreform: Bundesbank will keine konkrete Handlungsempfehlung geben

Die Bundesbank unterstellt dabei eine jährliche Steigerung der Verbraucherpreise um zwei Prozent und einen Bruttolohnanstieg um drei Prozent. Wählt man für das Jahr 2026, wenn die „doppelte Haltelinie“ ausgelaufen ist, als Start ein Rentenniveau von 48 Prozent, würde das bei einer Inflationsindexierung bis 2070 auf gut 40 Prozent sinken.

Das Rentenniveau ist eine statistische Rechengröße, die die Altersbezüge eines Rentners, der 45 Jahre lang zum Durchschnittslohn gearbeitet hat und zum gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand geht, ins Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn setzt. Im Durchschnitt läge das Versorgungsniveau in dieser Simulation während einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer bei 44 Prozent.

Der Rentenbeitrag stiege in diesem Szenario bis 2070 auf rund 26,5 Prozent – gut 2,5 Prozentpunkte weniger als bei einer Fixierung des Versorgungsniveaus auf 48 Prozent. Die erforderlichen Bundesmittel würden immer noch deutlich steigen – um knapp zwei Prozentpunkte der Wertschöpfung.

Eine konkrete Handlungsempfehlung für die Bundesregierung will die Bundesbank nicht geben. Letztlich müsse die Politik entscheiden, wie sie die Lasten der Demografie auf Beitragssatz, Bundesmittel und Renten verteilen wolle, heißt es im Monatsbericht. „Sie sollte aber transparent durch langfristige Vorausberechnungen erläutern, welche Auswirkungen die beabsichtigte Reform aus heutiger Sicht unter plausiblen Annahmen haben wird.“

Mehr dazu: Steuern für Senioren – Wer dazuverdient, muss zahlen

Erstpublikation: 20.06.22, 13:28 Uhr.

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6 Kommentare zu "Alterssicherung: Rente mit 69: Die Bundesbank rechnet vor, wie die Politik die Rentenkasse entlasten kann"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Muster Student: Ihre Kommentare mag ich nicht immer; aber dieses Mal liegen Sie richtig. Logisch empfinden wir die bessere "Hängematte" in anderen EU-Ländern als ungerecht, auch unter dem Aspekt, dass dort keinerlei Bereitschaft ist, irgendwo Abstriche zu machen. Aber: in unserem Land haben wir eine gewaltige Baustelle, nämlich das Beamtenwesen, dort herrscht eine Selbstbedienungsladen, besonders was die Krankenversicherung betrifft; da sind "gesetzlich Versicherte" absolut neidisch; trotz Zahlung in der Größenordnung von ca. € 600,oo gibt es nur den "Gewissen Krankenversicherungsschutz"

  • Da möchte ich doch mal das Beispiel eines Bekannten anfügen, der im Sicherheitsbereich arbeitete, Überstunden, schlechte Bezahlung. Jetzt arbeitet er beim Gesundheitsamt, die Bezahlung ist schlechter, aber er verdient netto nicht wesentlich weniger. Seine Lebensqualität besserte sich. Auf meine Frage, ob er sich nicht mal nen neuen Job suchen möchte? Nein, der Kaffeeautomat ist richtig gut und der Job nicht belastend, er hätte sich daran gewöhnt.
    Ergebnis: Es sollten alle beim Staat arbeiten, dann wäre der Job nicht belastend, keiner würde gut verdienen und man könne sich daran gewöhnen.
    Erinnert mich an die DDR: Keiner verdient gut, alle sind gleich, alles dauert ewig - doch man hat sich daran gewöhnt. Die Profiteure sind die Politiker - sie werden immer gut bezahlt - für extrem schlechte Leistung.

  • Wie wäre es mit kürzeren Schul- und Ausbildungs-/Studienzeiten, also einem rascheren Eintritt in die Erwerbstätigkeit? Halte ich für realistischer umsetzbar und für finanztechnisch sinnstiftender (vor allen Dingen bei nicht umlagefinazierten System).

  • Die Frage die man sich stellen sollte ist die, warum die GRV am unlagefinanzierten System festhalten soll, während die Beamtenversorgung schon längst Reserven bildet und diese am Kapitalmarkt anlegt.. (Spaltung der Gesellschaft in Beamte und Normalo?)

    Wäre es nicht besser gewesen man hätte alle Zinseinsparungen auf Grund der Null-Zins-Politik der EZB als Reserve angelegt, anstatt das Geld für unproduktive Sozialleistungen auszugeben? BZW. wenn man den Überschuss bei der Schwarzen Null nicht zum tilgen von Krediten verwendet hätte, sondern eine echte nachhaltige Reserven für die zukünftige Generationen gebildet hätte?

  • Bevor in Deutschland immer wieder diese leidige Diskussion geführt wird, dann sollten wir zuerst einmal in die anderen EU Staaten schauen, deren Renten wir mit der EZB Staatsfinanzierung mit bezahlen. Erst wenn diese Länder ihren Renteneintritt und die entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen unseren angepasst haben, sind solche Diskussion ggf. statthaft. Alternativ reduzieren wir sofort unsere Einzahlungen in die EU Budgets auf ein Minimum und unterstützen mit dem freiwerdenden Geldern unsere Sozialsysteme, welche eben nicht nur aus Rentenzahlungen bestehen. Pensionen werden zu 100% vom Steuerzahler bezuschusst. Die gesetzlichen Krankenkassen benötigen Milliarden Zuschüsse. Die Rentenkasse wurde über viele Jahre von den Politikern geplündert.
    Zwei Beispiel fallen mir sofort ein:
    - die Mütterrente, auch für nicht Sozialversicherte
    - die Integration der Ostrentner in unsere Rentenversicherung nach der Wiedervereinigung
    Beides sind gesamtgesellschaftliche Ausgabe, welche nicht nur von den Sozialversicherungspflichtigen zu tragen sind, sondern von allen Steuerzahlern. Also insofern holt sich die Rentenversicherung nur das Geld über die Zuschüsse zurück, welches ihr sowieso zusteht.

  • Ich habe meinen Job grade halbiert. Netto bleibt ein größeres Stück vom kleineren Kuchen übrig. Die Lebensqualität ist wichtiger Alanis 70 zu malochen. Lieber verzichte ich auf Neuwagen, Urlaube ect. Habe jetzt ein Auto verkauft weil ich zum neuen Job zu Fuß gehen kann. Die Fixkosten Radikal reduzieren und dafür nur 4 Stunden arbeiten ist unwahrscheinliche Lebensqualität.

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