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Corona-Pandemie Hunderte Tote und tausende Neu-Infizierte am Tag: Die Delta-Variante überrollt Asiens Corona-Musterländer

Thailand, Vietnam und Südkorea hatten die Pandemie gut im Griff. Dann kam die Delta-Variante. Sie treibt die Infektionen auf neue Höchststände. Und es ist keine Erholung in Sicht.
21.07.2021 - 15:09 Uhr Kommentieren
Covid-19: Indonesien verzeichnet einen Höchststand an Neuinfektionen. Quelle: imago images/ZUMA Wire
Beerdigung von Corona-Toten in Jakarta

Covid-19: Indonesien verzeichnet einen Höchststand an Neuinfektionen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Bangkok An Thailands tropischen Stränden und auf den bunten Märkten der Metropole Bangkok war Covid-19 lange Zeit eine ferne Bedrohung. Gerade einmal 63 Todesfälle infolge einer Coronavirus-Infektion zählte das Land im gesamten Jahr 2020.

Doch seit diesem Monat überschreitet Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft diese Marke so gut wie jeden Tag. Am Wochenende kam es zum bisherigen Höchststand von 141 Toten binnen eines Tages.

Krematorien in buddhistischen Tempeln am Rande der Hauptstadt müssen ihre Kapazitäten nun notdürftig ausbauen. Teilweise drohen die Anlagen wegen Überhitzung auszufallen, weil sie nahezu rund um die Uhr im Einsatz sind.

Thailand ist mit der rasanten Zuspitzung der Coronakrise nicht allein: In ganz Südostasien – eine Region mit rund 675 Millionen Einwohnern, die vor Kurzem noch als Vorreiter in der Pandemiebekämpfung galt – breitet sich das Virus mit hoher Geschwindigkeit aus.

Die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen stieg zuletzt im Vergleich zur Vorwoche um mehr als 40 Prozent. Ähnlich stark legten zuletzt auch die Todesfälle zu – und stiegen somit so schnell wie in keiner anderen Weltregion. Auch Südkorea, das im vergangenen Jahr das Coronavirus ebenfalls mit großem Erfolg unter Kontrolle gebracht hat, erlebt jetzt so viele Fälle wie noch nie.

Verantwortlich für die Wucht der Coronawelle in Asiens früheren Covid-Musterländern ist die hochansteckende Delta-Variante des Virus, die in der Region auf eine großteils ungeimpfte Bevölkerung trifft: In Südkorea sind erst zwölf Prozent vollständig geimpft, in Thailand fünf Prozent und in Vietnam weniger als ein Prozent.

Die Regierungen der Länder setzen deshalb wieder auf weitreichende Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens. Der erhoffte Aufschwung in der Region, die vor der Pandemie zu den dynamischsten Gegenden der Welt zählte, bleibt aus. Die Folge der Krise bekommen auch deutsche Unternehmen zu spüren.

In Vietnam, das bis Ende Dezember insgesamt weniger als 1500 Coronavirus-Fälle zu verzeichnen hatte, stiegen die Infektionszahlen zuletzt auf einen neuen Höchststand von fast 6000 Ansteckungen pro Tag.

Besonders stark betroffen sind die Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt und Provinzen, die Industrieparks mit den Fabriken ausländischer Investoren beheimaten. Die Unternehmen müssen sich angesichts der Lage auf erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Produktionsabläufe und bei ihren Lieferanten einstellen.

Adidas-Zulieferer muss Fabrik in Vietnam schließen

Der Adidas-Zulieferer Pou Chen – ein aus Taiwan stammender Marktführer bei der Herstellung von Markenschuhen – musste seine Fabrik in Ho-Chi-Minh-Stadt auf Anordnung der Behörden vorübergehend schließen. Lokalen Medien zufolge hatte es zuvor knapp 50 Ansteckungen bei dem Unternehmen gegeben, das mit seinen rund 56.000 Angestellten als der größte Arbeitgeber der Metropole gilt. Vietnams Behörden hatten von dem Unternehmen verlangt, den Arbeitern Schlafplätze auf dem Fabrikgelände bereitzustellen, um so Ansteckungsmöglichkeiten zu reduzieren. Dieser Anordnung habe der Hersteller aber nicht nachkommen können, hieß es vonseiten des Gesundheitsministeriums.

Ein Demonstrant gießt rote Farbe auf symbolische Leichen. Quelle: imago images/ZUMA Wire
Protest gegen den Impfstoffmangel in Thailand

Ein Demonstrant gießt rote Farbe auf symbolische Leichen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Adidas teilte auf Anfrage mit, man unterstütze die Maßnahmen der Behörden. „Sicherheit und Gesundheit stehen für Adidas an erster Stelle, auch bei unseren Zulieferern“, sagte ein Konzernsprecher. Unmittelbare Auswirkungen infolge des Produktionsstopps erwarte man momentan nicht. „Wir sind in engem Austausch mit unseren Partnern über die weitere Entwicklung der Situation vor Ort.“ 75 der 500 Adidas-Zulieferer befinden sich nach Unternehmensangaben in Vietnam.

Betroffen von der Lieferkettenstörung ist auch Adidas-Konkurrent Nike. Dessen Zulieferer Changshin stellte wegen der Infektionslage den Betrieb von drei Fabriken in Vietnam mit insgesamt rund 42.000 Beschäftigten ein. Auch drei Samsung-Werke mussten vorübergehend schließen. Analysten warnen, dass länger andauernde Werksschließungen in dem Exportland zu global spürbaren Lieferverzögerungen und steigenden Kosten führen könnten.

Südkorea erlebt Ansturm auf Impftermine

In Ho-Chi-Minh-Stadt errichten die Behörden unterdessen fünf weitere Lazarette mit 50.000 Betten, weil die bisher vorhandenen 19 Notkliniken nicht mehr ausreichen. Grund für den hohen Bettenbedarf ist Vietnams Strategie, möglichst alle Infizierte zu isolieren – auch Personen, die keine Symptome zeigen. Angesichts steigender Ansteckungszahlen stößt dieser Ansatz jedoch zunehmend an seine Grenzen.

Eine kurzfristige Entlastung der Gesundheitssysteme durch die Impfkampagne ist nicht zu erwarten – bisher sind erst 300.000 der rund 100 Millionen Vietnamesen vollständig geimpft. Investoren sehen die langsamen Fortschritte als großes Problem: Von mehreren Hundert befragten Mitgliedern der Europäischen Handelskammer in Vietnam gaben in einer Umfrage fast 60 Prozent an, dass es für ihre Unternehmen erhebliche negative Auswirkungen hätte, sollten die Mitarbeiter nicht in diesem Jahr geimpft werden können.

Südkorea erlebte in den vergangenen Tagen angesichts neuer Rekorde bei den Infektionszahlen einen Ansturm auf Impftermine. Mangels Kapazitäten mussten die Behörden die Terminvergabe vorübergehend einstellen. Das Land hatte vergangene Woche mit mehr als 1600 Ansteckungen so viele Coronafälle wie noch nie innerhalb eines Tages gemeldet. Regierungschef Kim Boo Kyum kündigte am Sonntag an, strikte Kontaktbeschränkungen, die bereits im Großraum Seoul gelten, auf den Rest des Landes auszudehnen.

Thailand verhängt neuen Teil-Lockdown

Auch in Thailand gilt seit 12. Juli ein neuer Teil-Lockdown, mit dem das Land seine bisher heftigste Coronawelle mit zuletzt knapp 12.000 Neuinfektionen am Tag abflachen möchte. In Bangkok und mehreren weiteren Provinzen sind Einkaufszentren und Bars geschlossen, Restaurants dürfen nur Essen zum Außer-Haus-Verzehr anbieten, und ab 21 Uhr gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Ab Mittwoch gilt ein Verbot für fast alle Inlandsflüge, die in Risikogebieten wie Bangkok starten oder landen. Zuvor hatte die Regierung mitgeteilt, dass sich die Lieferung von mehr als 60 Millionen Astra-Zeneca-Impfdosen voraussichtlich um fünf Monate verzögern wird.

Medizinische Fachkräfte treffen Vorbereitungen zur Impfung. Quelle: Bloomberg
Impfzentrum in einer Shopping-Mall in Bangkok

Medizinische Fachkräfte treffen Vorbereitungen zur Impfung.

(Foto: Bloomberg)

Die schwere Wirtschaftskrise des Landes droht sich damit weiter zu verschärfen. Thailands Wirtschaft war im vergangenen Jahr – vor allem wegen des Kollapses der Tourismusindustrie – um mehr als sechs Prozent geschrumpft. Eine wesentliche Erholung ist in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten. Analysten der Investmentbank Goldman Sachs senkten ihre Wachstumsprognose für das Schwellenland im laufenden Jahr von zuletzt 2,1 auf nun 1,4 Prozent ab. Laut einer Weltbank-Studie fielen im Zuge der Pandemie Hunderttausende Thailänder unter die Armutsgrenze. Die private Verschuldung stieg auf mehr als 90 Prozent der Wirtschaftsleistung – den höchsten Stand seit 2003.

Auch in den benachbarten Ländern Malaysia und Indonesien steigen die Fallzahlen stark an. Die Länder hatten zwar auch im vergangenen Jahr schon mit größeren Ausbrüchen zu kämpfen und zählten deshalb nicht zu den Vorzeigestaaten in der Pandemiebekämpfung. Doch so hoch wie derzeit waren die Neuinfektionszahlen noch nie.

Während Europa und Amerika langsam zur Normalität zurückkehren, sehen Beobachter die frühere Boomregion Südostasien nun vor schwierigen Monaten: „Selbst wenn die Fallzahlen wieder sinken, gibt es wegen der niedrigen Impfquote immer das Risiko weiterer Ausbrüche“, kommentiert Gareth Leather, Volkswirt bei Capital Economics. „Covid-19 wird deshalb in großen Teilen Südostasiens weiterhin erhebliche wirtschaftliche Probleme verursachen.“

Mehr: Indonesien ächzt unter Corona – und zweifelt an chinesischem Impfstoff

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