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Delta-Welle 40 Prozent der Corona-Patienten in England sind geimpft

Hunderte Briten werden jeden Tag mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert – obwohl sie geimpft sind. Die Regierung sieht darin aber keinen Anlass zur Sorge.
22.07.2021 - 12:13 Uhr 3 Kommentare
Der wissenschaftliche Berater der britischen Regierung erklärt, warum der Anteil der Geimpften unter den Corona-Patienten immer weiter steigen wird. Quelle: © No10 Crown Copyright / eyevin
Patrick Vallance

Der wissenschaftliche Berater der britischen Regierung erklärt, warum der Anteil der Geimpften unter den Corona-Patienten immer weiter steigen wird.

(Foto: © No10 Crown Copyright / eyevin)

London 40 Prozent der Covid-Patienten in englischen Krankenhäusern sind nach Angaben der Regierung einmal oder zweimal geimpft – eine Zahl, die aufhorchen lässt. Patrick Vallance, wissenschaftlicher Berater von Premierminister Boris Johnson, hatte am Montag zunächst sogar von 60 Prozent gesprochen, seinen Irrtum aber am Dienstag korrigiert.

Der hohe Anteil der Geimpften in den Kliniken verblüffte manchen Beobachter. Auf den ersten Blick scheint er das Argument zu untergraben, dass steigende Inzidenzwerte vernachlässigbar sind, wenn die Bevölkerung weitestgehend geimpft ist.

Vallance erklärte jedoch, die Zahl sei nicht überraschend, weil Impfstoffe eben keinen hundertprozentigen Schutz böten. „Sie sind sehr, sehr effektiv, aber nicht zu hundert Prozent“, sagte er. Laut einer Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England verhindert eine Biontech-Doppelimpfung in 96 Prozent aller Fälle eine Krankenhauseinweisung nach einer Infektion mit der Delta-Variante des Coronavirus. Das Vakzin von Astra-Zeneca hat demnach eine Schutzwirkung von 92 Prozent.

Ein kleiner Teil der Bevölkerung landet also trotz Impfung in der Klinik. In absoluten Zahlen sind es aktuell einige Hundert pro Tag. Die Regierung rechnet damit, dass es bald täglich mehr als tausend sein könnten.

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    Laut Regierungsberater Vallance ist es unvermeidlich, dass der Anteil der Geimpften unter den Erkrankten immer weiter steigt. Je mehr Geimpfte es im Land gebe, desto höher sei auch ihr Anteil an den Patienten in den Krankenhäusern, erklärte der Wissenschaftler. „Wenn jeder Erwachsene geimpft wäre, wäre jeder, der sich mit dem Virus infiziert, vollständig geimpft.“

    Der hohe Anteil an Geimpften in den Krankenhäusern ist also vor allem ein Ausdruck der hohen Impfquote im Land. Inzwischen haben 68 Prozent der Erwachsenen beide Impfungen erhalten, 88 Prozent sind einmal geimpft.

    Kinder hingegen werden in Großbritannien nur in Ausnahmefällen geimpft – etwa wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben oder ihre Eltern einer Risikogruppe angehören. Die britische Impfkommission begründet dies mit möglichen Nebenwirkungen des Biontech-Impfstoffs, obwohl dieser auch in Großbritannien ab zwölf Jahren zugelassen ist.

    Konservative befürchten Impfpflicht durch die Hintertür

    Das Impftempo hatte sich zuletzt deutlich verlangsamt. In der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen sind drei Millionen Briten noch nicht geimpft. Um sie zum Gang ins Impfzentrum zu animieren, kündigte Johnson an, dass man ab Oktober nur noch mit Impfnachweis in Nachtklubs komme. Er will erreichen, dass bis Ende September alle Erwachsenen geimpft sind.

    Die Ankündigung, einen Impfnachweis einzuführen, stößt auf Widerstand in der konservativen Unterhausfraktion. Abgeordnete warnen vor einer „Zweiklassengesellschaft“ und einer Impfpflicht durch die Hintertür. Es wurde auch die Sorge laut, dass der Impfnachweis auf andere Bereiche wie Pubs ausgeweitet werden könne. Dem Premier droht ein Aufstand im Parlament.

    Am Montag hatte Johnson auf Druck seiner Partei fast alle Corona-Regeln in England aufgehoben. Die Menschen müssen nun weder Maske tragen noch Abstand halten. Nachtklubs durften erstmals seit Beginn der Pandemie wieder öffnen. Insbesondere die Aufhebung der Maskenpflicht und die Öffnung der Nachtklubs wurden angesichts der steigenden Infektionszahlen als fahrlässig kritisiert. Die Inzidenz liegt bei mehr als 400.

    Mehr: Kommentar – Johnson hebt die falschen Regeln auf

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    3 Kommentare zu "Delta-Welle: 40 Prozent der Corona-Patienten in England sind geimpft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wunderschön. 40% der Patienten waren geimpft, 600.000 Menschen werden per App zur häuslichen Quarantäne aufgerufen. "Selbstverantwortliches Handeln" scheint ja super zu klappen. Wie bei uns im Herbst.

      Gleichzeitig: ca. 80% der Corona-Erkrankten (auch die, die trotz Impfung krank werden) haben irgendeine Form von neurologischen Störung (Quelle: Spektrum d. Wissenschaft, heute), wie lange, wie einschränkend und wie nachhaltig sie sind, wissen wir noch nicht genau.

      Ich persönlich werde auch weiterhin mit FFP2-Maske unterwegs sein, mir einen gesunden Abstand erbitten und ganz allgemein Menschenaufläufen aus dem Weg gehen. Obwohl ich doppelt Comirnaty geimpft bin.

      Vor der Bundestagswahl werden wir jetzt noch ein paar Wochen Geeiere erleben, wir müssen selbst entscheiden, wie sehr wir uns im Eigeninteresse einschränken wollen und können. Mein persönlicher Lockdown läuft noch.

    • Ich verstehe nicht ganz.
      Selbst wenn 8% Vollgeimpfte ohne Schutzwirkung plus 20% teilweise Geimpfte sich infizieren, komme ich auf 28% und nicht auf 40%.
      Was übersehe ich?

    • Man bedenke: In England wird vor allem AstraZeneca verimpft. In Deutschland dagegen wird zu ca. 80% Comirnaty eingesetzt.
      Daher ist die jetzt in England auftretende Problematik, vermutlich, auf Deutschland, nicht zur Gänze übertragbar.
      Zudem waren die Engländer in Bezug auf Maske und Abstand, schon seit Längerem eher lässig unterwegs.
      Der "Fall" England zeigt, daß Maske und Abstand noch lange, integraler Bestandteil des sozialen Lebens bleiben müssen. Die Impfung schützt, aber sie schützt eben nicht zu 100%.

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