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60 Jahre nach der Befreiung „Das Vergessen verhindern“

Der alte Mann zieht ein vergilbtes Dokument aus der Tasche, betrachtet es, und dann weint er. Eine junge Frau umarmt ihn. Der Kriegsveteran der Schlacht auf den Seelower Höhen ist einer der Menschen, die momentan die Bilder des Gedenkens an 60 Jahre Kriegsende und Befreiung in Brandenburg prägen.

HB POTSDAM/BERGEN-BELSEN. Ähnliche Szenen in der niedersächsischen Südheide: Dort hat sich eine weißhaarige alte Dame fein gemacht für ihre Rückkehr an den Ort des Grauens. Sorgfältig frisiert, zwei silberne Kämme im Haar, sitzt sie aufrecht in ihrem Rollstuhl, in der Hand ein zerknülltes Papiertaschentuch. Aufmerksam hört sie den Worten der vielen Redner zu, die an diesem Sonntag bei einer großen Gedenkfeier an die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen bei Celle vor 60 Jahren erinnern. Mehr als 500 Überlebende sind an den Ort zurückgekehrt, an dem sie ihre schrecklichste Zeit verbracht haben.

Und bei einigen kommen die Geräusche, die Gerüche, die Angst von damals wieder hoch: „Die Schreie der Nacht von der Nachbarpritsche, der beißende Uringeruch in der Baracke, der saure Atem der Hungernden und der Gestank der brennenden Leichen im Krematorium.“ Shmuel Thomas Huppert hat das in seine Erinnerungen an die Zeit in Bergen-Belsen geschrieben. Fast neun Jahre war er alt, als er mit seiner Mutter im April 1945 von den Briten befreit wurde. Am Sonntag ist er unter den Gästen der Gedenkfeier.

Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, warnt in seiner Rede bei der Gedenkfeier in Bergen- Belsen vor den Gefahren des nach wie vor existierenden Antisemitismus und Rechtsradikalismus: „Wir alle sind gefordert, noch stärker als bisher in die Offensive zu gehen.“

Bergen-Belsen ist für den Zentralrats-Vorsitzenden der „Inbegriff eines durch geduldetes Chaos verursachten Massensterbens“. Spiegel weiter: „Die Häftlinge, die seit dem Spätsommer 1944 von Auschwitz und anderen Lagern nach Bergen-Belsen deportiert wurden, glaubten, dem Tod entkommen zu sein. Sie mussten jedoch erkennen, dass sie lediglich von einer Hölle in die nächste überstellt worden waren.“

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