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Abgasskandal VW-Krise alarmiert Top-Ökonomen

VW-Chef Winterkorn geht, die Probleme bleiben. Die Abgas-Affäre könnte verheerende Konjunkturfolgen nach sich ziehen, warnen Ökonomen. IW-Chef Hüther spricht schon von einem Skandal mit „systemischer Krisenqualität“.
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Dem VW-Konzern wird die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen vorgeworfen, es drohen milliardenschwere Strafzahlungen. Die Wolfsburger haben das Fehlverhalten bereits eingeräumt und einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA erlassen. Quelle: dpa
Volkswagen-Werk in Wolfsburg.

Dem VW-Konzern wird die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen vorgeworfen, es drohen milliardenschwere Strafzahlungen. Die Wolfsburger haben das Fehlverhalten bereits eingeräumt und einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA erlassen.

(Foto: dpa)

BerlinDer ans Licht gekommene Diesel-Skandal um Volkswagen (VW) wegen manipulierter Abgastests hat die deutsche Wirtschaft und Ökonomen in Alarmstimmung versetzt. „Wir erleben, wie in der Finanzkrise, dass ein Vorfall systemische Krisenqualität erlangt hat: hier über die Zulieferernetzwerke, den Kollateralschaden für die ganze Branche, die Teilentwertung der Marke „Made in Germany“, den Wertverlust an der Börse“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dem Handelsblatt. Der Unterschied zur Finanzkrise sei nur, dass es sich um ein deutsches und nicht um ein globales Phänomen handle.

Einen Konjunkturdämpfer schließt auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, nicht aus. „Auch wenn wir nicht wissen, wie stark sich der Fall VW auf die deutsche Wirtschaft auswirken wird, so ist das Risiko durch die hohe Abhängigkeit Deutschlands von seinen Exporten hoch“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. Daher müsse es nun „dringend um Schadensbegrenzung  für VW und für deutsche Exporteure allgemein gehen“.

Um die Wogen einigermaßen zu glätten, kündigte VW-Chef Martin Winterkorn gestern Abend seinen Rückzug von der Konzernspitze an. Der 68-jährige erklärte in Wolfsburg, er übernehme die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit ihm eine Vereinbarung zur Beendigung seiner Funktion zu treffen. „Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell“, sagte Winterkorn. Mit seinem Rücktritt mache er den Weg dafür frei. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.“

Mit Sorge blickt auch der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier, auf mögliche Folgen der VW-Krise. „Wenn der Autoabsatz der deutschen Hersteller in den USA nachhaltigen Schaden nehmen sollte, ist das damit gesamtwirtschaftlich ein durchaus bedeutsames Risiko“, sagte Bielmeier dem Handelsblatt. „So würde ein möglicher Rückgang der deutschen Kfz-Ausfuhren in die USA als Folge des Skandals um zum Beispiel 20 Prozent die deutsche Konjunktur rechnerisch immerhin um 0,2 Prozent dämpfen.“ Außerdem bliebe ein solcher Rückgang wohl nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sagte Bielmeier weiter. „Der Personalaufbau der letzten Jahre dürfte sich dann kaum weiter fortsetzen.“

Immerhin, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, wertet den Skandal schon als einen Schlag ins Kontor. Nun müsse wie von VW angekündigt ganz eilig Transparenz geschaffen werden, sagte Wansleben der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, rief in „Bild“ den Autobauer auf, „jetzt schnell alles auf den Tisch“ zu legen. „Davon hängt auch ab, ob ein Kollateralschaden für das Image deutscher Produkte entsteht.“ Wansleben und Börner betonten allerdings, das Gütesiegel „Made in Germany“ hänge nicht nur von einem einzigen Unternehmen ab.

VW ist jedoch nicht irgendein Unternehmen. Volkswagen mit seiner Tochter Audi sei das Aushängeschild der deutschen Automobilindustrie, sagte der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel. Der Skandal sei daher ein deutsches Thema. „Da sind alle in der Sippenhaftung“, ist Bratzel überzeugt.

Mit 368 Milliarden Euro Umsatz und 775.000 direkt Beschäftigten ist die Autoindustrie die größte deutsche Industriebranche. Ihre Bedeutung hat in den vergangen Jahren deutlich zugenommen. Seit 1995 hat sie den Anteil an der Bruttowertschöpfung der deutschen Wirtschaft von 2,8 auf 4,0 Prozent und ihren Anteil an den Industriebeschäftigten von 10,9 auf 12,8 Prozent gesteigert. Ohne die Autoindustrie wäre die deutsche Wirtschaft seit 1995 insgesamt um zwei Prozentpunkte weniger gewachsen.

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46 Kommentare zu "Abgasskandal: VW-Krise alarmiert Top-Ökonomen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Rainer Vogels von 9.09
    Man kann, nein man muß Ihnen in allen Punkten Recht geben

  • G. Napf
    ich stimme Ihnen absolut zu.
    Wenn es mal ganz genau nimmt, haben wir doch längst ein Ein-Parteien-System. Denn die einstmals konservativ-bürgerliche CDU ist doch komplett vergrünt durch die Sozialistin Merkel und auch die SPD spring doch auf den Zug der Grünen auf.
    Lange kann das aber nicht mehr gutgehen

  • Ich glaube, das hat viele Ursachen.
    Die Großwirtschaft ist zu groß, ist vor allem zu gierig geworden. Die Politik gibt keinerlei Grenzen vor, im Gegenteil, die Großwirtschaft lenkt ja unsere derzeitige Politik.
    Auch die Gehälter sind ein Unding. Und auch wenn so eine Firma eine AG ist, müßte die Politik hier Regeln geben.
    Die Betriebe machen es sich zu leicht, weil sie es können, läuft es mal nicht so, entläßt man Leute., aber sleber steckt man sich 16 Mio Gehalt ein.
    Das ist nicht mehr normal und genau das müssen wir beenden.
    Und mit will doch niemand erzählen, dass das was jetzt rauskam, nicht auch die Politik gewußt hat.
    Ich las übrigens gerade, bei BMW soll es wohl ähnlich sein
    Wir brauchen wieder die soziale Marktwirtschaft und nicht die Gier

  • Materie löst sich nicht in Nicht`s auf.

    Ich habe die Befürchtung, dass die Emissionswerte, besonders bei den Dieselmotoren, sehr schnell an Grenzen stoßen werden. Mittels Kat werden gasförmige Schadstoffe (Stickoxyde, Kohlenwasserstoffe) chemisch in weniger schädliche Gase umgewandelt. Für den Dieselmotor ist zusätzlich ein Russpartikelfilter von Nöten. Zudem sind sehr aufwändige Abgasreinigungen wie, Abgasrückführung, Oxidationskatalysator, Partikelfilter und Speicherkatalysator erforderlich um die Euro 6 Norm mit Mühe und Not zu erreichen.

    Der Dieselmotor ist in Wirklichkeit eine „Dreckschleuder“, die nur mit riesigem Aufwand gemindert werden kann. Der sehr große Aufwand zeigt, dass der Dieselmotor im PKW-Bereich einen geringen Verbrauch gegenüber dem Benziner aber auch einen hohen Schadstoffausstoß mit sich bringt. Die Politik kann nicht immer neue Grenzwerte verlangen, die nicht einhaltbar sind.

    Wir können filtern wie wir wollen, am Ende werden immer feinere Schadstoffe freigesetzt. Keiner weis, welche anderen feinsten Gift-Moleküle durch die aufwändigen Abgasfiltereien entstehen. Materie löst sich nicht in Nicht`s auf. In irgendeiner Schadstoff-Form müssen die ausgestoßenen Gase existieren. Wenn Sauerstoff verbrannt wird, kann kein Sauerstoff aus den Auspuffanlagen strömen.

    Ich sehe den Benziner für PKW und Motorräder weniger kritisch. Die Fahrzeugbauer werden sich vermehrt auch um E-Fahrzeuge bemühen. Allerdings muss die Frage gestellt werden, wie wir den steigenden Energiebedarf für das Aufladen der Akkus produzieren. Genügen Solar- und Windenergie?

  • Topökonomen sind überrascht, bestürzt und machen sich Sorgen um Deutschland und die Welt. Sind die Topökonomen schon wieder nach den Ereignissen ubei und um VW wieder klüger? Sie hatten also keine Ahnung davon, was sicht seit vielen Monaten anbahnte? Muss man wieder Walter Eucken zitieren auf der ersten Seite der UTB Ausgabe von 2005? Womit beschäftigen sich Topökonomen? Mit den realen Unternehmen und deren Geschäften oder mit ökonomischen Modellen, die keinen realen Wert haben? Die Prognosen für 2015 sind nach drei Quartalen doch erledigt, oder etwa nicht. Die Prognosen für 2016 müssen jetzt alle gekanzelt werden, nur wegen VW oder der gesamten Autoindustrie?

  • @ J. Fr. Pella
    Alle die von ihnen genannten (Teil-)Krisen haben als übergeordnete Ursache die Krise unseres Geldsystems, was alle Top-Ökonomen nicht erkennen wollen bzw. können (da keynesianisch verblendet). Prof. Sinn hat es vermutlich allerdings verstanden.
    Einzige Ausnahme ist hier die Euro-Krise, die auch so oder so durch die Fehlkonstruktion dieses Währungszombies entstanden wäre.
    Das Folgende ist in hohem Maße politisch unkorrekt, aber trotzdem wahr: auch die Flüchtlings-Krise ist letztendlich der ZWANGSLÄUFIGEN Notwendigkeit einer stetigen Kreditexpansion unsers Geldsystems geschuldet.
    Die Bevölkerungsexplosion in vielen Ländern der Welt, insbesondere auch in den islamischen Staaten mit den v.a. dort resultierenden Folgen politische und religiöse Radikalisierung der jugendlichen(!!) Mehrheit und auch bereits in „friedlichen“ Zeiten steigendem Migrationsdruck, war nämlich zum großen Teil KREDITFINANZIERT. Der billige Kredite ermöglichte also nicht nur ein ökonomisches „Voraus-Fressen“, sondern auch ein demographisches.
    Der "Druck im Kessel" der islamischen Staaten dort musste also zwangsläufig steigen - es hat nur einen (wer war das wohl?) "Zünder" gebraucht, um ihn explodieren zu lassen...

  • @Josef Schmidt

    "Die Linken und Grünen machen alles kaputt, nur komisch dass sie nicht in der Regierung sitzen."

    Es ist die alltägliche und schleichende moralisch- ideologische Drangsalierung der Bevölkerung, die von den Grünen ausgeht und die unser Land ruiniert.

    Da alle anderen etablierten Parteien bereits die grünen Positionen übernommen haben, müssen die Grünen nicht mehr an dern Macht sitzen.

  • @ Marc Hofmann

    Sich mit Ihnen auszutauschen ist sinnlos.
    Sie sind ein System-Ideologe, der keine andere Meinung als seine eigene zulässt.
    Sie haben sich ein persönliches Feindbild aufgebaut, an welchem Sie sich hier täglich in der Handelsblatt-Kommentarfunktion abarbeiten. Schauen Sie einfach mal über ihren beschränkten Tellerrand hinaus und hinterfragen Sie ihre einseitige Darstellung ihres subjetiv wahrgenommen Weltbildes. Es ist eben nicht nur alles schwarz oder weiss, sondern dazwischen liegen Millionen von Zwischentönen.
    Übrigens, ich habe mit den Grünen oder den Sozialdemokraten rein gar nichts am Hut, also unterlassen Sie einfach solche Behauptungen in Bezug auf meine Person.
    Ebenso ist es ihre persönliche Entscheidung, ob Sie belastete Pilze essen oder dies sein lassen. Ich habe nur auf Realitäten hingewiesen nicht mehr und nicht weniger. Oder wollen Sie mir den Super-GAU von 1986 und den damit einhergehenden atomaren „fallout“ auf deutschem Boden absprechen?
    Ich halte mich an Fakten und Tatsachen, ohne den engstirnigen Ideologien rechter oder linker Spinner anzuhängen.


  • Herr Schmidt
    Nennen Sie mir bitte ein Projekt der Regierung, was nicht marktfeindlich und sozialistisch und damit links einzustufen ist. Mir fällt keins ein. DieRegierungsparteien sind vergleichbar mit der SED aus DDR-Zeiten. Und GENAU so regieren die auch.

  • Diese Anmerkung ist richtig. Aber es geht darum die Phrasen und das wirre Gedankengut der Grünen auf das äußerste zu bekämpfen und den Bürger vor Augen zu führen, dass wir uns selbst zerstören als Leistungsgsellschaft mit diesem Gedankengut...

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