Abtrittswelle Exodus im Vorstand der Atlantik-Brücke

Nach dem Vorsitzenden Friedrich Merz verlassen weitere Mitglieder die bekannte Vereinigung. Ihr Ärgernis: Alt-Mitglied Leisler Kiep. Der langjährige Vorsitzende griff Merz vor allem wegen seines aktuellen Buches an, in dem er Bundeskanzlerin Merkel kritisiert sieht.
1 Kommentar
Der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz zog sich von der Atlantik-Brücke zurück. Quelle: Ulrich Baumgarten / vario images

Der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz zog sich von der Atlantik-Brücke zurück.

BERLIN/FRANKFURT. Wenn die Atlantik-Brücke einlädt, ist für Minister und Unternehmenschefs Erscheinen Pflicht. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel erwies der traditionsreichen Vereinigung zur Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen schon die Ehre. Das Mitgliederverzeichnis ist voll mit bekannten Namen aus Wirtschaft und Politik. Doch dem 1952 gegründeten Verein droht wegen interner Querelen jetzt ein schmerzlicher Bedeutungsverlust. "Wenn das so weitergeht, gibt es eine Austrittswelle", befürchtet ein Mitglied.

Nach dem Rückzug des früheren CDU-Politikers Friedrich Merz vom Vorsitz sind noch weitere Mitglieder des Vorstands abgetreten: Der bisherige Schatzmeister Dieter Pfundt, der Aufsichtsratschef der Commerzbank Klaus-Peter Müller und der Chefredakteur der "Bild"- Zeitung, Kai Diekmann. Ein neuer Vorsitzender ist nicht in Sicht. "Ich bedaure diese Entwicklung sehr", schreibt Beate Lindemann, die Geschäftsführerin, an die Mitglieder.

Sehr zum Ärger mancher Atlantiker reißt Lindemann die Initiative an sich. Eine von ihr ausgesuchte Findungskommission soll nach einem neuen Vorsitzenden suchen: Michael Vassiliadis, der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, der Fondsmanager Axel Hansing sowie der Bankier Hendrik Borggreve. "Damit übergeht Frau Lindemann den ganzen Vorstand", sagt ein Atlantiker. "Das kann man so nicht machen". In dieser Woche soll die Spitze der Vereinigung zusammenkommen. Offener Streit ist programmiert.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die anhaltende Dominanz des langjährigen Vorsitzenden Walther Leisler Kiep. Über 20 Jahre bestimmte der CDU-Politiker die Geschicke der Atlantik-Brücke, von 1984 bis 2000 als ihr Vorsitzender. Kiep trat zwar wegen seiner Verstrickung in die CDU-Spendenaffäre im Jahr 2000 zurück, wurde aber 2004 zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Diese Funktion ist in der Satzung nicht geregelt.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

1 Kommentar zu "Abtrittswelle: Exodus im Vorstand der Atlantik-Brücke"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Koch, Köhler, März ziehen sich zurück, das ist verständlich. Mittlerweile hat das eine gewisse brisanz, bei einer breiteren Öffentlichkeit als Transatlantiker zu gelten, siehe auch die Absagen geladener Teilnehmer beim bilderberger-Treffen vom Wochenende (bild berichtete). Wenn es mit der Megakrise so weitergeht, werden unangenehme Fragen gestellt werden, dann werden die bisher so einflußreichen Netzwerke von Politik und Finanzwelt stärker ausgeleuchtet werden als bisher. Die jetzt das Schiff verlassen sind nicht dumm, ihnen werden noch viele nachfolgen, vielleicht haben sie Glück. Köhler aber hat die bailout-Gesetze unterzeichnet, das dürfte er noch bereuen.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%