Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Achim Wambach Chef der Monopolkommission fordert bessere Kontrollen von Preisen im Internet

Preise im Internet werden immer häufiger von Algorithmen bestimmt. Was, wenn sich die Maschinen absprechen? Achim Wambach nimmt die Regierung in die Pflicht.
Kommentieren
Internetpreise: Monopolkommissionschef fordert bessere Kontrollen Quelle: dpa
Achim Wambach

„Die Gefahr von Preisabsprachen ist dort besonders groß, wo die Güter homogen sind und die Preise häufig gesetzt werden können.“

(Foto: dpa)

BerlinDie Monopolkommission weist in ihrem aktuellen Hauptgutachten auf den möglichen Einfluss von Algorithmen auf Preise im Online-Handel hin. Am heutigen Dienstag übergibt Achim Wambach, seit 2016 Vorsitzender der Monopolkommission, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Bericht des Gremiums.

Herr Wambach, Sie fordern in Ihrem Gutachten, die Preissetzung im Internet besser zu überwachen. Wo ist das Problem?
Wir sehen immer mehr Unternehmen, die ihre Preise über Algorithmen, also konkrete Handlungsanweisungen innerhalb von Computerprogrammen, setzen. Dabei wird immer häufiger künstliche Intelligenz eingesetzt. Die Gefahr besteht, dass die Algorithmen sich selbstständig mit anderen Wettbewerbern koordinieren, etwa um gemeinsam höhere Preise durchzusetzen. Das Problem ist nur, dass solche Absprachen schwer nachzuweisen sind.

Was raten Sie der Bundesregierung? Soll sich die Wettbewerbsbehörde durch die Algorithmen wühlen auf der Suche nach programmierten Preisabsprachen?
Nein, das ist nicht möglich. Man sieht es den Algorithmen nicht einfach an, wenn sie zu gleichgerichteten Preisen kommen. Vor allem, wenn selbstlernende Systeme eingesetzt werden, weiß selbst der Programmierer gegebenenfalls nicht, wie die künstliche Intelligenz die Weichen stellt. Deswegen kann man nur auf das Ergebnis schauen, also darauf, wie sich die Preise in einem bestimmten Markt entwickeln.

Wer sollte das kontrollieren?
Wir raten dazu, dass die Märkte stärker beobachtet werden. Wenn hier koordinierte oder besonders hohe Preise festgestellt werden, sollte das Bundeskartellamt den Markt untersuchen. Das Instrument dazu, die Sektoruntersuchung, ist vorhanden. Da die Verbraucherschutzbehörden einen guten Überblick über Preisentwicklungen auf Märkten haben, sollten sie Sektoruntersuchungen anregen können. Die Wettbewerbsbehörde müsste dann begründen, wenn sie diese Untersuchung nicht durchführt.

Welche Bereiche sind besonders anfällig für computergesteuerte Preisabsprachen?
Die Gefahr von Preisabsprachen ist dort besonders groß, wo die Güter homogen sind und die Preise häufig gesetzt werden können.

Das trifft auf sehr viele Bereiche zu, vor allem im Internethandel – ist das Bundeskartellamt denn gewappnet für so eine Aufgabe?
Das Kartellamt führt seit Jahren Sektoruntersuchungen durch und befasst sich mit digitalen Märkten. Insoweit sind die Kompetenzen vorhanden. Gegebenenfalls müsste Personal aufgestockt werden.

So eine Sektoruntersuchung dauert meist sehr lange – besteht da nicht die Gefahr, dass die missbrauchenden Unternehmen durch die illegale Preissetzung ihre Marktmacht zementieren?
Ja, aber die Erwartung ist, dass das Bundeskartellamt eine größere Routine bei den Sektoruntersuchungen entwickelt. Zurzeit werden die noch eher selten durchgeführt.

Sie sagten bereits, dass oft nicht einmal der Programmierer weiß, wie die künstliche Intelligenz am Ende Preise setzt – wer kann dann überhaupt haftbar gemacht werden?
Das ist in der Tat eine schwierige Frage, die dringend vom Gesetzgeber geklärt werden muss, denn die Gefahr der Preiskoordinierung über Algorithmen wird eher zu- als abnehmen. Früher war es einfacher, den Schuldigen zu benennen, weil nicht Computerprogramme, sondern Menschen sich zu Kartellen verabredet haben. Wir könnten uns vorstellen, dass auch die IT-Dienstleister, die den Algorithmus programmiert haben, anstelle des Unternehmens haftbar gemacht werden.

Teil Ihrer Untersuchung war auch der Einfluss der Digitalisierung auf die Marktkonzentration – wie hat sich das in Deutschland entwickelt?
In den USA ist die Entwicklung enorm. Der Anteil der 100 größten Unternehmen an der gesamten Wertschöpfung dort ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das hat viel mit der Digitalisierung zu tun, die mittlerweile fast alle Branchen umfasst. Für Deutschland sehen wir diese Entwicklung aber nicht, im Gegenteil: Die Marktkonzentration hat sogar abgenommen. Deutschland ist weiterhin ein weitgehend mittelständisch geprägtes Land.

Herr Wambach, vielen Dank für das Gespräch.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Achim Wambach - Chef der Monopolkommission fordert bessere Kontrollen von Preisen im Internet

0 Kommentare zu "Achim Wambach: Chef der Monopolkommission fordert bessere Kontrollen von Preisen im Internet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.