AfD 2015 Bernd im Glück?

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Die Newcomer stürmen von einem Erfolg zum nächsten

2014 stürmte die Newcomer-Partei von einem Erfolg zum nächsten. Im Mai holte sie bei der Europawahl aus dem Stand 7,1 Prozent. Danach ging es Schlag auf Schlag. Freuten sich die AfD-Politiker im August noch über 9,7 Prozent in Sachsen, so konnten sie zwei Wochen später in Thüringen und Brandenburg schon jubeln: „Wir sind zweistellig.“

Bernd Lucke fühlte sich wie getragen von einer Woge des Glücks. Die Wahlerfolge entschädigten den Volkswirtschaftsprofessor für die Häme, die er zuvor von vielen Medien und aus anderen Parteien hatte einstecken müssen. Dass eine Reporterin in einem Artikel über seinen spießigen Einrichtungsstil lästerte, ärgerte den dünnhäutigen Polit-Aufsteiger. Andere Journalisten amüsierten sich öffentlich über Luckes Ähnlichkeit mit der Satire-Figur Alfred E. Neumann („Mad“).

Nachdem sich die Partei 2013 hauptsächlich auf ihre Kritik an der Euro-Rettungspolitik konzentriert hatte, versuchte sie 2014 weitere Themenfelder zu besetzen. Sie forderte mehr Polizei, finanzielle Entlastungen der Familien und eine stärkere Beschränkungen für „unqualifizierte Zuwanderung“. Diese Neuausrichtung führte zu Konflikten zwischen dem rechtskonservativen und dem liberalen Flügel.

Für Diskussionsstoff sorgten im Dezember Äußerungen Luckes, dass er die Demonstrationen der neuen Protestbewegung „Pegida“ gut findet. Deren Sorgen vor der Ausbreitung radikalen, islamistischen Gedankenguts seien berechtigt. Parteivize Hans-Olaf Henkel hatte dagegen dazu gerate, sich von Pegida fernzuhalten.

2014 war für die AfD auch ein Jahr der Skandale und Skandälchen. In Brandenburg etwa wurde der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Uckermark, Jan-Ulrich Weiß, wegen einer judenfeindlichen Karikatur im Internet angezeigt, was dazu führte, dass er nicht als Nachrücker in den Landtag einziehen konnte. Der Bundesvorstand bemühte sich zwar nach Kräften, die „Querulanten“, Rechtsausleger und Verschwörungstheoretiker loszuwerden. Aber in einigen Fällen erhielten diese die Unterstützung ihrer Kreisverbände.

Gut lief es für die Partei finanziell. Die AfD eröffnete im Oktober einen Online-Shop, in dem sie Goldbarren und Münzen verkauft. Der Hintergrund: Die Newcomer-Partei konnte nicht genügend Einnahmen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen vorweisen, um die ihr aufgrund der Wählerstimmen zustehenden maximalen staatlichen Zuschüsse einzufordern. Das änderte sich im November, nachdem die AfD mit Gold mehr als zwei Millionen Euro umgesetzt hatte. Diese Geldquelle könnte aber bald versiegen. Denn mehrere Bundestagsparteien wollen 2015 das Parteiengesetz ändern, damit der AfD der Spaß am Goldverkauf vergeht.

Berichtigung: In einer vorangegangenen Fassung dieses Artikels wurde aufgrund einer falschen Agenturmeldung behauptet, dass der AfD-Abgeordnete Detlev Spangenberg nicht Alterspräsident des sächsischen Landtages wurde, nachdem sich herausstellte, dass er früher einer Initiative angehört hatte, die sich für die Wiederherstellung der Grenzen von 1937 einsetzt. Richtig ist, dass Herr Spangenberg zu keiner Zeit einer solchen Initiative angehört hat.

  • dpa
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