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AfD-Abspaltung Alfa Bernd Luckes „Totgeburt“

Der frühere AfD-Chef Bernd Lucke versucht in der politischen Landschaft wieder Fuß zu fassen. Doch das Wählerinteresse an seiner neuen Partei Alfa ist denkbar gering. Forsa-Chef Güllner spricht schon von einer Totgeburt.
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„Diese Partei können sie abhaken“, meint Forsa zur AfD-Abspaltung Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), deren Vorsitzender Bernd Lucke ist. Quelle: dpa
Alfa-Chef Bernd Lucke.

„Diese Partei können sie abhaken“, meint Forsa zur AfD-Abspaltung Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), deren Vorsitzender Bernd Lucke ist.

(Foto: dpa)

Berlin Lange Zeit wollte er nicht wahrhaben, dass in der von ihm mitgegründeten Alternative für Deutschland (AfD) vor allem der rechte Rand wächst. Die Quittung kam dann im Juli beim Parteitag in Essen. Bernd Lucke wurde ausgebuht und als Parteichef abgewählt. Hilflos musste er mitansehen, wie seine Rivalin Frauke Petry an ihm vorbeizog. Doch der Volkswirtschaftsprofessor gab nicht auf.

Gemeinsam mit Hans-Olaf Henkel und einigen anderen Mitstreitern aus dem wirtschaftsliberalen Flügel der AfD gründete er die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). Doch obwohl der Aufbau der Parteistruktur zügig voranschreitet, spielt Alfa im politischen Diskurs bislang keine wahrnehmbare Rolle.

„Wenn wir die Leute fragen, welche anderen Parteien als die etablierten für sie bei einer Wahl infrage kämen, dann nennen uns maximal drei von 1.000 Befragten die Lucke-Partei“, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, dem Handelsblatt. „Diese Partei können sie abhaken. Alfa war von Beginn an eine Totgeburt.“

Neue Partei, alte Gesichter
Bernd Lucke - Vorsitzender
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Einmal Chef, immer Chef: Nur wenige Wochen nach seiner Niederlage im Machtkampf um die AfD-Führung hat Bernd Lucke schon eine neue Partei gegründet: Die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) soll eine liberal-konservative, eurokritische Haltung vertreten – ohne die nationalkonservativen Positionen, die in der „Alternative für Deutschland“ Überhand gewonnen haben. Auf der ersten Mitgliederversammlung mit rund 70 Teilnehmern gab es einige bekannte Gesichter zu sehen.

(Foto: dpa)
Bernd Kölmel – stellvertretender Vorsitzender
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So war Bernd Kölmel einer der Mitbegründer des Weckrufs 2015, unter dem sich in der AfD der liberal-konservative Flügel der Partei versammelt hatte. Nach dem Parteitag in Essen, auf dem sich die Nationalkonservative mit der Wahl Frauke Petrys an die Spitze durchsetzten, verließ er die AfD. Bis dahin war er Sprecher des Landesverbandes Baden-Wüttemberg und wurde dank Listenplatz 3 für die AfD ins Europaparlament gewählt. Seine Stimme in Brüssel wird er nun für Alfa einsetzen. Auf der Mitgliedersversammlung wählten ihn die Teilnehmer zu einem der drei stellvertretenden Vorsitzenden.

(Foto: dpa)
Gunther Nickel – stellvertretender Vorsitzender
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Der zweite stellvertretende Vorsitzende von Alfa ist Gunther Nickel (links): Er war von Dezember 2013 bis November 2014 AfD-Landessprecher von Hessen und einer der Gründer des Arbeitskreises „Arbeitnehmer in der AfD“. Dieser hatte sich als Reaktion auf die harsche Kritik von einigen Gewerkschaften an der AfD gegründet.

Reiner Rohlje – stellvertretender Vorsitzender
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Der dritte stellvertretende Alfa-Vorsitzende ist Reiner Rohlje: Der Weckruf-Mitbegründer war in der AfD stellvertretender Vorsitzender für den Landesverband Nordrhein-Westfalen. Er legte das Amt jedoch wegen interner Streitigkeiten mit dem nationalkonservativen Landessprecher Marcus Pretzell nieder. Nachdem Pretzell auf dem Parteitag der „Alternative für Deutschland“ die AfD als Pegida-Partei bezeichnet hatte und Lucke abgewählt worden war, trat Rohlje aus der Partei aus.

Ulrike Trebesius – Generalsekretärin
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Die Ex-AfDlerin Ulrike Trebesius wurde zur Generalsekräterin gewählt. Die 44-Jährige war Sprecherin des AfD-Landesverbandes Schleswig-Holstein und kam bei der Europawahl auf Listenplatz 6 der AfD ins EU-Parlament. Als der Zoff in der AfD immer heftiger wurde, schloss sie sich dem Weckruf 2015 an und wurde dessen Vorsitzende. Nach dem Parteitag in Essen trat sie aus der AfD aus.

(Foto: dpa)
André Yorulmaz – stellvertretender Generalsekretär
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In der AfD wollte Lucke ihn zum Generalsekretär machen: Der homosexuelle Deutsch-Türke André Yorulmaz sollte das Image der als homophob und ausländerfeindlich verschrieenen Partei aufpolieren. Der 32-Jährige lebt mit seinem Freund zusammen, bekennt sich aber zu einem „konservativen Familienbild“ und lehnt das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab. In der „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ wurde er nun zum stellvertretenden Generalsekretär gewählt.

(Foto: dpa)
Weitere Vorstandsmitglieder
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Auch der restliche Vorstand besteht aus Weckruf-Mitgliedern: Jochen Seeghitz ist Schatzmeister, Arnd Frohne sein Stellvertreter. Jürgen Joost wurde zum Leiter des Vorstandssekreteriats gewählt, Margot Rheinheimer-Bradtke zur Justiziarin und Franz Novosel zum Mitgliederbeauftragten. Weitere Vorstandspositionen sollen später nachgewählt werden.

(Foto: dpa)

AfD-Spitzenleute sehen das nicht anders. Nur selten nehmen sie überhaupt Stellung zur Lucke-Partei. Eigentlich wollen sie dem Wirtschaftsprofessor keine Beachtung mehr schenken, lautet parteiintern die Devise. Und wenn sich doch jemand äußert, dann kühl und trocken. So konstatierte schon vor einigen Monaten der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland, Alfa sei „nicht lebensfähig“. Und AfD-Chefin Petry stellte klar: „Wir sind das Original, sie sind die Kopie.“

Dass aller Neuanfang schwer ist, räumt die Generalsekretärin von Alfa, Ulrike Trebesius, ein. „Unsere Partei gibt es seit vier Monaten.  Dass wir da in Umfragen nicht gleich mit einem eigenen Balken gezeigt werden, war uns von Anfang an klar“, sagte die Europaabgeordnete dem Handelsblatt. Chancen für Alfa sieht sie vor allem darin, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aktuell dazu beitrage, dass sich ihre Partei zersplitte. „Eine solche CDU wird sie hinterlassen, wenn sie mal nicht mehr Kanzlerin sein wird. Darin sehe ich langfristig ein sehr großes Potential für uns“, sagte Trebesius.

Ex-Industriemanager Henkel als Alfa-Finanzierer?
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21 Kommentare zu "AfD-Abspaltung Alfa: Bernd Luckes „Totgeburt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schon verwunderlich, was für einige heutzutage schon zur "Vulgärsprache" zählt. Man muss schon intellektuell sehr einfach gestrickt sein, wenn man hier in den bisherigen Äußerungen irgendetwas in Bezug auf "Vulgärsprache" finden kann. Aber in unserer neuen Schönsprechblase, in der man ja auch nicht mehr "Flüchtlinge" sondern nur noch "Schutzsuchende" sagen darf, wundert man sich über solche haltlosen Behauptungen gar nicht mehr. Jedoch sollten die Verlagshäuser über jegliche Kritik erfreut sein. Allzu gern schieben sie das Sterben ihrer Branche auf das Internet. Aber mir egal, wenn man sich jeglicher Kritik entledigt, indem man die Kommentarfunktionen deaktiviert. Dann geht das Sterben eben noch schneller.

  • Liebe Leser,

    die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter [email protected] entgegen.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Lucke wird noch einige Parteien gegen die Wand fahren, bis er endlich einsieht, dass man Parteikollegen nicht wie Hiwis in seinem kleinen universitären Reich behandeln kann.
    Countertenöre sollten nicht den Wotan singen, das muss schief gehen.

  • ALFA - DIE NICHT-WÄHLERPARTEI

    „Wir erreichen auch zunehmend das große Lager der Nichtwähler...., fügte die Alfa-Funktionärin hinzu."

    - Deshalb wird die AlFA auch n i c h t gewählt. :)

  • Herr Lucke ist ein Fachmann für Finanzen und hat die Qualität des Euros mit seinen Zukunftschancen sehr gut vorausgesehen. Die AFD mit Lucke hatte wirtschafts-fachliche Qualitäten.
    In dem Moment, als Herr Lucke sich nicht mit Frau Petry einigen konnte, wurde deutlich wie unpraktisch bzw. unrealistisch Herr Lucke den Alltag sieht. ALFA ist vom Namen für eine Partei sehr ungeschickt gewählt und überhaupt nicht attraktiv.

    Es reicht nicht, ein paar Intellektuelle zu überzeugen, wenn man eine Partei zum Erfolg führen will. Dazu braucht es eine Frau Petry + einen Herrn Lucke. Wenn aber beide Starrköpfe sind, sind beide nicht fähig, die Achterbahn zu fahren, die eine Partei zum Erfolg bringen kann.-

    Btw. ich gebe der Foristin >Frau Deutsche Micheline< Recht über den schlechten Schreibstil mancher Foristen. Mit Vulgärsprache vergrault man die Lust der Redaktionen, Foren anzubieten.

  • "Deutschland fürchtet seine bewährten Grundwerte zu verlieren. Das zu verhindern, dafür setzen sich Pegida und die AfD ein."

    Bisher würde ich das für die AfD auch noch so sehen, nicht jedoch für Pegida. Es ist selbstverständlich deren gutes Recht zu demonstrieren. Aber dass Pegida bewähre Grundwerte vertritt, vermag ich nicht zu erkennen. Ob die AfD 2017 für mich noch wählbar ist, bleibt der weiteren Entwicklung vorbehalten. Für mich muß die Partei auf der Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft stehen, die europäische Einigung unter demokratischen Grundsätzen befürworten und darf nicht Putin zur Ikone hoch stilisieren. Derzeit trifft auf keine der im BT vertretenen Parteien alles zu. Bei der Qualität des Führungspersonals sehe ich bei der AfD derzeit auch keinen Unterschied zu den etablierten Parteien.

  • "sich an alte Zeiten vor der Wende"

    Alte Zeiten?

  • Aber bei allem Hin und her, wir sollten dem Handelsblatt danken, dass wir hier kommentieren dürfen.

    Denn einfach hat es das Handelsblatt sicher nicht, denn die anderen Zeitungen und Magazine werden vom Deutschen Presserat dominiert oder sind von ihm unterwandert, sind nicht unabhängig und frei, wie es das GG vorschreibt.

  • "Der Wähler hat doch gezeigt, dass eine FDP in diesem Lande NICHT mehr gebraucht wird."

    Doch, doch gerade die jetzige Regierung hat doch aufgezeigt das wir eine liberale Partei brauchen wie die Luft zum atmen. Die FDP erfüllt den liberalen intellektuellen Spirit nicht mehr. Um so mehr muss die AfD diesen Part aufnehmen. Leider sind ihr da aber wichtige Leute abhanden gekommen.
    Aber wenn ich mir das Verhalten gewisser AfD Renegaten anschaue, kann man davon ausgehen das sie eventuell charakterliche Defizite haben.

  • 2030: Der Osten spaltet mit seinen Politikern die Gesellschaft und bringt die Wirtschaft in einen noch nie dagewesenen Abschwung versetzt. Man erinnert sich an alte Zeiten vor der Wende. Besonders hart trifft es wieder den Osten des Landes.

    Leider kann der Westen mit seiner gescheiterten Multikultiszene und seiner fatalen Flüchtlingspolitik dem nichts entgegensetzen, wa den Bürgern veranlasst an die Wahlurnen zu schreiten.

    Den Terror im eigenen Land und in Europa konnte auch die Rechten in Frankreich, Spanien, Portugal,, Italien, Österreich, Ungarn nicht stoppen.
    Jedes Jahr verlassen Hunderttausende Hochqualifizierte das Land um eine bessere Zukunft zu haben.



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