„AfD Armee Fraktion“ Ehemalige AfD-Politiker erhalten Drohbriefe

Der Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel, Parteigründer Bernd Lucke und andere ehemalige Spitzen der AfD werden in Drohbriefen aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen. Noch ist unklar, wer hinter den Drohungen steckt.
Bernd Lucke (links) und Hans-Olaf Henkel haben Briefe erhalten, in denen ihnen Gewalt angedroht wird. Quelle: dpa
Hass gegen Henkel und Lucke

Bernd Lucke (links) und Hans-Olaf Henkel haben Briefe erhalten, in denen ihnen Gewalt angedroht wird.

(Foto: dpa)

BerlinMehrere aus der rechtspopulistischen AfD ausgetretene Politiker haben Drohbriefe einer „AFD ARMEE FRAKTION“ erhalten. „Wir werden aufgefordert, unsere Mandate niederzulegen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Abspaltung ALFA, Bernd Kölmel, am Sonntag Reuters und bestätigte damit mehrere Medienberichte. Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, der ebenfalls ein solches Schreiben erhielt, sagte Reuters, er gehe von einem Einzeltäter aus: „Ich glaube nicht, dass hinter den Schreiben eine terroristische Struktur steht.“ Auch dass die derzeitige AfD-Spitze etwas mit den Drohbriefen zu tun habe, könne er sich nicht vorstellen.

Ehemalige AfD-Spitzenpolitiker wie AfD-Mitbegründer Bernd Lucke, Henkel und Kölmel haben auch nach dem Parteiaustritt und der ALFA-Gründung ihre Mandate im Europa-Parlament behalten. AfD-Chefin Frauke Petry hat sie mehrfach aufgefordert, ihre Mandate aufzugeben.

Die Schreiben seien während Wahlkampfes in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt verschickt worden, sagte Kölmel. Offenbar seien vor allem ALFA-Politiker in Baden-Württemberg betroffen. Die Landtagskandidaten seien aufgefordert worden, ihre Bewerbung aufzugeben. Die betroffenen ALFA-Politiker hätten Anzeige erstattet, in Baden-Württemberg habe der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.

„Tragisch, wie Dummheit und Blindheit zur Selbstschädigung werden“
Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG
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Klar, als CDU-Mann lassen mich die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg nicht kalt. Das gilt auch für Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Aus meiner Sicht macht es aber keinen Sinn, Schnappatmung zu bekommen, da es mal ganz anders ausgegangen ist. Von einem massiven Rechtsruck zu reden, ist ebenso überzogen. Mit den Denkschablonen der vergangenen zwanzig Jahre kommen wir heute nicht mehr weiter. Die etablierten Volksparteien, vorne weg die CDU, müssen endlich wieder aktiver und konkreter die wahren Probleme und Herausforderungen des Landes anpacken und durch entsprechende Programme sauber abarbeiten.

Wolfgang Grupp, Inhaber von Trigema
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Das Abschneiden der AfD ist eine klare Protestaussage in Richtung CDU. Hätte die Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik früher umgesteuert, hätte die AfD nicht diese Zustimmung erfahren. (…) Die AfD ist eine Übergangserscheinung. Sie hat teilweise bis weit hinein ins bürgerliche Lager Wähler gewonnen. Aber das wird nicht auf Dauer so bleiben. Wichtig ist allerdings, dass die Kanzlerin den Weckruf auch wahrnimmt und in der Flüchtlingspolitik ihren Kurs ändert.

Friedrich von Metzler, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler
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Ich bin froh, dass wir in Deutschland demokratisch diskutieren und jeder für seine Überzeugungen einstehen kann. Trotzdem ist es bedauerlich, dass durch die Flüchtlingsproblematik solch radikale Ideen entstehen. Es sind Minderheiten, die sich zu Mehrheiten erklären. Das schadet dem Image von Deutschland. Es gibt viel mehr Freiwillige, die sich für ein offenes Deutschland einsetzen. Statt um Flüchtlinge sollten wir uns mehr Sorgen machen um den Teil der Bevölkerung, der nichts verändern will.

Felix von Nathusius, Chef des Autozulieferers Ifa-Rotorion aus Haldensleben (Sachsen-Anhalt)
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Der Wahlerfolg der AfD ist ein negatives Signal für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt. Für uns als international tätiges Unternehmen sind Weltoffenheit und ein konstruktiver, demokratischer Diskurs unmittelbar mit unserem wirtschaftlichen Erfolg verknüpft. Fremdenfeindlichkeit und nationaler Populismus werden dem Land nachhaltig schaden. Es wäre aber zu kurz gegriffen, das Erstarken der AfD allein auf die Flüchtlingsdebatte zu reduzieren. Den etablierten Parteien muss es nun gelingen, neue Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die enttäuschten Menschen, die vom wirtschaftlichen Aufschwung ausgeschlossen sind, in die Mitte der Gesellschaft zurückzuführen. Das gelingt nur mit einer starken Wirtschaft, die sichere und attraktive Arbeitsplätze bietet. Wir werden alles daran setzen, das der erfolgreiche Kurs, den die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Haseloff in den letzten zehn Jahren eingeschlagen hat, beibehalten wird.

Hans Bauerfeind, Vorstandschef Bauerfeind AG, Zeulenroda
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Die AfD lebt allein vom Zulauf durch die Flüchtlingsproblematik. Das Wahlergebnis ist ein Alarm-Signal für die etablierten Parteien in Deutschland, aber auch für Europa: Es richtet sich gegen die Europäische Union und ist ein Rückschritt in längst überwunden geglaubtes nationales Denken. (…) Wir brauchen verbindliche Antworten und Lösungen in den Asyl- und Flüchtlingsfragen. Dann nimmt auch die Bedeutung der AfD wieder ab und sie bleibt hoffentlich nur eine temporäre Erscheinung.

Andreas Barner, Chef von Boehringer Ingelheim und Präsident des Stifterverbandes
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Die Demokratie ist immer auch herausfordernd – das war bei den Wahlen durch das Abschneiden der AfD wieder so. Aber die Präsenz in den Parlamenten wird, so hoffe ich, nur von kurzer Dauer sein.

Gordon Riske, CEO Kion Group
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Zuwanderung hat schon immer einen wichtigen Beitrag zum Erfolg wirtschaftsstarker Nationen wie Deutschland oder den USA geleistet. Deutschland ist daher bei allen Herausforderungen gut beraten, weiter weltoffen zu sein und die Chancen der Migration zu nutzen.

In der Reuters vorliegenden Kopie eines der Schreiben, die sich laut Kölmel je nach Empfänger unterscheiden, heißt es: „Verpiss dich mit deiner Arschloch Partei oder wir räumen auf und bei deinen Kindern fangen wir an.“ Weiter heißt es: „Der bewaffnete Kampf hat begonnen.“

Als Grußformel steht „Heil Höcke“ unter dem Text. Björn Höcke ist der AfD-Chef in Thüringen und gilt als Gallionsfigur des nationalistischen Flügels der Partei. Höcke, der sich mehrmals ausländerfeindlich geäußert hat, wird von Kritikern vorgeworfen, sich nicht eindeutig von der rechtsextremen NPD zu distanzieren. In Anlehnung an die linksextreme RAF (Rote Armee Fraktion) schließt das Schreiben mit dem Kürzel „AAF“ und „AFD ARMEE FRAKTION“.

  • rtr
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