AfD-Austrittserklärung von Bernd Lucke „Bitte verzeihen Sie mir!“

Nach seiner Niederlage gegen Frauke Petry auf dem Parteitag hatte es sich abgezeichnet: Bernd Lucke verlässt die Alternative für Deutschland. Das Warum hat er heute begründet – mit deutlichen Worten.
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„Ich habe zu spät erkannt, dass wir zur Wut- und Protestpartei wurden“

BerlinMit Bernd Lucke geht ein Gründer und das Gesicht der Alternative für Deutschland. Am Mittwochabend verkündete er offiziell seinen Austritt aus der AfD, nach der klaren Wahlniederlage gegen Konkurrentin Frauke Petry beim Bundesparteitag am vergangenen Wochenende.

In der AfD sehe er keine Zukunft mehr, verkündete Lucke heute noch einmal in seiner Austrittserklärung. Am Freitag werde er die Partei gemeinsam mit anderen Mitgliedern des wirtschaftsliberalen Flügels verlassen. „Bitte verzeihen Sie mir!“ schreibt der ehemalige Parteichef an die verbliebenen Mitglieder gewandt.

„Ich habe sicherlich Fehler gemacht und zu den größten gehört zweifellos, dass ich zu spät erkannt habe, in welchem Umfang Mitglieder in die Partei drängten, die die AfD zu einer Protest- und Wutbürgerpartei umgestalten wollen.“ Auf dem Bundesparteitag in Essen sei ihm klar geworden, wie sehr diese Mitglieder inzwischen in der Überzahl seien, und „von den wichtigsten Verantwortungsträgern der Partei sogar noch aufgeputscht werden“.

„Das ist nicht mehr meine Partei“
Bernd Lucke
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Bernd Lucke hat sich verkalkuliert. Mit so einer deutlichen Niederlage auf dem Bundesparteitag (seiner) der Alternative für Deutschland hatte er nicht gerechnet. Seine Anhänger sprechen von einem Massenaustritt. Spekulationen über eine mögliche Partei-Neugründung unter Lucke machen die Runde. Fünf führende AfD-Politiker haben die Partei schon verlassen. Und der Grund ist nicht allein der Wahlsieg Frauke Petrys...

Hans-Olaf Henkel, Ex-Parteivize
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„Mit der Wahl Petrys zur alleinigen Parteisprecherin hat sich die Mehrheit der in Essen anwesenden Parteimitglieder nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und dem Verbreiten von Vorurteilen entschieden“, sagte Henkel zur Begründung.

Ulrike Trebesius, AfD-Europaabgeordnete
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usNach dem Sieg des nationalkonservativen Flügels der AfD beim Parteitag in Essen hat auch die AfD-Europaabgeordnete und schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ihren Austritt aus der Partei angekündigt. Dies sei nicht mehr ihre Partei, sagte Trebesius dem Sender NDR 1 Welle Nord. Derweil könnte die Entscheidung über einen kollektiven Austritt des wirtschaftsliberalen Parteiflügels noch diese Woche fallen.

Konrad Adam, Mitbegründer der AfD
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Auch wenn es vielleicht auf dem Foto von Samstag nicht so aussieht, Adam ist einer derjenigen, die den Ausstieg in Betracht ziehen. „Ich habe noch nicht entschieden, ich erwäge es aber“, sagte er. Er habe sich während des Bundesparteitages in Essen am vergangenen Wochenende sehr über die „Bierzeltparolen“ einiger Teilnehmer geärgert. Der neuen Parteivorsitzenden Frauke Petry warf er vor, sie predige zwar Basisdemokratie, sei aber dabei, die AfD in eine gut organisierte Kaderpartei zu verwandeln.

Uwe Zimmermann, Landesvorsitzender AfD Rheinland-Pfalz
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Auch der AfD-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz hat hingeschmissen: Uwe Zimmermann erklärte zusammen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern seinen Austritt aus der Partei. Grund sei Luckes Niederlage. Die drei Vorstandsmitglieder waren ebenfalls Unterzeichner des „Weckrufs“.

Bernd Kölmel, Vorsitzender AfD Baden-Württemberg
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Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte auch Kölmel am Montag an, die AfD zu verlassen. Kölmel begründete seine Entscheidung mit der Wahl von Petry zur Parteivorsitzenden und mit der Wahl weiterer Nationalkonservativer in den Bundesvorstand. „Ich fühle mich von diesem Vorstand nicht mehr repräsentiert“, sagte Kölmel. Zudem sei auf dem Bundesparteitag in Essen ein „politischer Stil“ gepflegt worden, den „ich nicht tolerieren kann“.

Joachim Starbatty, AfD-Parteivorstand
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Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel hatten bereits am Wochenende angekündigt, in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt zu entscheiden. Für Ökonomie-Professor Starbatty ist die Entscheidung gefallen. Gründe nannte er nicht.

Die AfD kämpft bereits seit ihrer Gründung im Jahr 2013 mit einer Unterwanderung aus dem rechten Lager. Bei einem Mitgliederparteitag in Essen am vergangenen Wochenende hatten sich die nationalkonservativen Kräfte der Partei durchgesetzt und Petry aus Sachsen als Parteichefin gewählt. Damit sei das Ringen um die Zukunft der Partei aussichtlos geworden. „Wir waren schon so weit gekommen! Jetzt aber ist die Partei unwiderbringlich in die falschen Hände gefallen.“

Seit Tagen mehren sich die Gerüchte um die mögliche Neugründung einer Partei. In seiner Abschiedserklärung macht Lucke jetzt Andeutungen, dass er durchaus nicht darüber nachdenkt, sich aus dem politischen Tagesgeschäft zurückzuziehen. Er werde weiter für die Ziele und Werte der AfD eintreten. „Vielleicht wagen wir gemeinsam einen Neuanfang. Eine Wiederrichtung der AfD der Gründungszeit.“

Unterdessen gibt es in dem von Lucke und einigen Mitstreitern im Mai gegründeten Verein „Weckruf 2015“ ebenfalls viel Unterstützung für die Gründung einer neuen Partei. Von 2000 Teilnehmern einer Umfrage votierten 1500 nach Informationen von „Zeit Online“ dafür, aus der AfD auszutreten. Ihr ehemaliger Vorsitzender ist diesen Schritt schon gegangen und bis dahin verabschiedet er sich „in Trauer, Dankbarkeit und neuer Hoffnung“ von seinen ehemaligen Parteikollegen.

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26 Kommentare zu "AfD-Austrittserklärung von Bernd Lucke: „Bitte verzeihen Sie mir!“"

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  • Sehr gut formuliert. Lucke ist tatsächlich als Tiger gestartet und dann als Bettvorleger gelandet.

  • "von der Sie sich jetzt so tränenreich distanzieren"

    Das kann er doch eigentlich gar nicht glaubwürdig. Schon seit Gründung der Partei wurde er mit Rechtsvorwürfen konfrontiert. Er hat nichts dagegen unternommen, sondern sich auch noch vor diese Leute gestellt... Wenn es alle anderen gemerkt haben und er nicht, dann ist er vollkommen unfähig bzw. beratungsresistent.

    Erst zu letzt kam die Einsicht, dass ihm die Sache wohl entgleitet...und er sich deutlicher abgrenzen muss, damit er später nicht wieder mit den Köln-Fans im Zug diskutieren muss. *g*

  • Herr Lucke, Sie laufen einfach davon? Sie wurden für die Politik gewählt, von der Sie sich jetzt so tränenreich distanzieren. Geben Sie ihr EU-Mandat zurück, das steht Ihnen jetzt nicht mehr zu!

  • "Nazikeule"

    Wer wie sich wie die AfD auf dem Parteitag gegen die Religionsfreiheit ausspricht, Stimmung gegen Ausländer und andere macht, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, rechts zu sein. Das ist keine Nazikeule, sondern einfach nur wahr.

    Würde denn ein Nazi andere Dinge behaupten, als es die AfD in den strittigen Dingen tut?

  • " wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Meinung ist, daß man den Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen kann. "

    Nur ist es erstens falsch was Adam sagt, denn so etwas behauptet und denkt außer denjenigen Rechten, um dadurch ihre eigene peinliche Einstellung zu kaschieren, zu verharmlosen bzw. zu rechtfertigen versuchen, niemand . Zum anderen grenzt seine Äußerung an Homophobie...

    Es fällt nicht jeder auf solche demagogischen Tricks herein. Er versucht diejenigen lächerlich zu machen, die berrechtigt auf homophobe und ausländerfeindliche Tendenzen hinweisen.

  • "Wie eine Monstranz tragen sie das Dogma vor sich her, daß rechte Positionen in Deutschland keine Mehrheit finden können. "

    Stimmt doch. Rechte Positionen werden nicht "einfach so" mal übernommen. Gerade in Deutschland nicht. Man wird nicht einfach so zum Ausländerhasser, Menschenfeind oder homophob...

  • Nachtrag: Das Kommunikationsrezept der Grünen hatte einen derart durchschlagenden Erfolg, daß heute in Deutschland, wie es Adam am Samstag formuliert hat, als "rechts" gilt, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Meinung ist, daß man den Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen kann.

    So irrsinnig muß die Kommunikationsstrategie der AfD nun nicht werden, aber sie sollte schon Mut zu unkonventionellen politischen Forderungen und Stehvermögen gegen die Nazikeule haben.

    Die Keule ist ohnehin durch jahrzehntelangen Gebrauch seitens der politischen Klasse und der ihnen hörigen Medien brüchig und morsch geworden.

    Immer weniger Menschen lassen sich davon einschüchtern. Immer mehr gebrauchen ihren eigenen Verstand ohne Anleitung anderer.

  • "Wann eigentlich geben sie ihr Mandat in der EU auf"

    Das sollte er dringend machen, wenn er eine Partei aufbauen will. In Brüssel kann er gar nichts reißen, wenn er Aufbauarbeit leisten muss. Ich vermute, dass er diesen Schritt aber nicht unternehmen kann...aus verschiedenen Gründen.

  • "Dazu fehlt ihm die soziale Kompetenz."

    Wissen Sie was "Street Smart" bedeutet? Lucke weiß es auch nicht. Wer nicht merkt, dass jemand an seinem Stuhl sägt und dann auch noch in Brüssel "doziert", hat das Spiel nicht verstanden. Weder innerparteilich, noch in Brüssel *g* Die Gefahr besteht, dass er die gleichen Fehler wieder machen und seine Partei von irgendwelchen abseitigen Strömungen unterwandern lassen wird.

  • Herr Lucke, als die AfD und damit auch SIE im Osten gewählt wurde, da waren sie der Sonnengott. Jetzt hat sich der Wind gedreht, nun sind diese Wähler alles eine braune Suppe. So schnell kann man seine Meinung ändern.
    Wann eigentlich geben sie ihr Mandat in der EU auf. Zeigen SIE endlich den nötigen Anstand und Respekt.

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