AfD-Chef Gerüchte um Lucke-Rückzug befeuern AfD-Richtungsstreit

AfD-Vorstandsmitglied Adam setzt das Gerücht in die Welt, Parteichef Lucke plane die Gründung einer neuen Partei. Hans-Olaf Henkel sagt daraufhin, Adam sei „völlig von der Rolle“. Lucke selbst hält sich bedeckt - noch.
Update: 10.05.2015 - 23:06 Uhr 16 Kommentare

AfD, eine Partei im freien Fall

BerlinDie Alternative für Deutschland (AfD) steht gut zwei Jahre nach ihrer Gründung vor einer Zerreißprobe. Bundesvorstandsmitglied Konrad Adam sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend, er habe Indizien dafür, dass Parteichef Bernd Lucke seinen Austritt aus der AfD und die Gründung einer eigenen Partei vorbereite. Lucke ließ über Parteisprecher Christian Lüth lediglich erklären, er kommentiere keine Gerüchte.

Der Europaabgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD), Hans-Olaf Henkel, wies die Behauptung Adams scharf zurück: „Erst fordert er meinen Rücktritt, jetzt sagt er Luckes Rücktritt voraus? Der ist völlig von der Rolle“, sagte Henkel Handelsblatt Online. „Er soll selbst gehen und zwei weitere aus dem Vorstand gleich mitnehmen“, fügte der frühere Industriemanager mit Blick auf Adam, Co-Parteichefin Frauke Petry und Parteivize Alexander Gauland hinzu.

Bundesvorstandmitglied Piet Leidreiter dementierte das offenbar von Adam in die Welt gesetzte Gerücht. „Herr Adam phantasiert! Klares dementi!“, schrieb der Bremer AfD-Politiker auf seiner Facebook-Seite.

Dem Vernehmen nach soll Lucke bereits mit Vertrauten Pläne für die Gründung einer neuen Partei schmieden. Diese wolle er noch in diesem Monat öffentlich verkünden, falls sich abzeichnen sollte, dass beim Bundesparteitag in Kassel Mitte Juni auch einige seiner Widersacher in den neuen Vorstand gewählt werden. In den vergangenen Wochen hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem nationalkonservativen Flügel und dem bürgerlich-liberalen Flügel der Partei gegeben, zu dem Lucke gehört.

Zu seinen Kritikern zählen unter anderem der Brandenburger AfD-Chef Gauland, die Co-Vorsitzende und sächsische Landeschefin, Petry, sowie der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke und Marcus Pretzell aus Nordrhein-Westfalen. Gauland hatte Lucke mehrfach vorgeworfen, er fokussiere sich stark auf den bürgerlichen Mittelstand, obwohl die AfD unter den „kleinen Leuten“ ein größeres Wählerpotenzial habe.

Im April hatte Henkel sein Amt als stellvertretender AfD-Bundesvorsitzender niedergelegt. Er begründete dies mit dem Versuch von „Rechtsideologen“, die Partei zu übernehmen. Henkel wird dem Lucke-Flügel zugerechnet.

Adam zeigte sich bestürzt über Luckes angebliche Austrittspläne. Er sagte: „Das wäre sicher ein Rückschlag.“ Adam gehört wie Lucke zu den Gründungsmitgliedern der Partei. Die AfD war Anfang 2013 von Gegnern der Eurorettungspolitik der Bundesregierung gegründet worden. Später war die Kritik an der aktuellen Asylgesetzgebung als weiteres wichtiges Thema hinzugekommen.

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16 Kommentare zu "AfD-Chef: Gerüchte um Lucke-Rückzug befeuern AfD-Richtungsstreit"

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  • Man darf natürlich auch eins nicht vergessen. In einem Monat ist großer Bundesparteitag und dort sollen ja wichtige Entscheidungen gefällt werden. Ist irgendwo auch klar, das sich jede Seite im Vorfeld in maximaler Stärke ins Spiel bringen will. Und dazu gehören eben halt auch Drohungen und Warnungen!

  • Mich persönlich würde eine rechte Politik nicht stören, denn rechts ist für mich kein Schimpfwort. Im Gegenteil, eine rechte Politik, die uns besser vor illegaler Einwanderung schützt fände ich begrüßenswert.

    Allerdings sehe ich das Problem, dass jede öffentliche Persönlichkeit, die irgendwas moderat rechtes äußert. sofort öffentlichkeitswirksam in den Schmutz gezogen wird. Dass selbst Leute, die sich an der öffentlichen Ausgrenzung nicht beteiligen, in Gefahr geraten, selbst denunziert zu werden, und ggf. berufliche/soziale Nachteile erfahren müssen.

    Das ist m.E: eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft, und deswegen kann man eigentlich keiner Partei empfehlen, sich zu rechts zu positionieren. Denn es würde dazu führen, dass sie niedergemacht wird, und dann sukzessive ihre guten Leute verliert, die alle um ihren guten Ruf bangen.

  • Ohne eine klare Abgrenzung vom rechten Rand werden immer mehr wichtige gesellschaftliche Multiplikatoren (Ärzte wie im Fall Stuttgart, Professoren, Selbständige) der AfD als Mitglied den Rücken kehren. Sie können es sich einfach nicht leisten mit Leuten wie Herrn Höcke in Verbindung gebracht zu werden und dafür von Freunden, Kollegen oder ihrem Arbeitgeber sanktioniert zu werden. Diese Erosion wird rasend schnell gehen, wenn sie mal eingesetzt hat, und danach wird es nur Verlierer geben also auch ein Herr Gauland und eine Frau Petry, die an dem Ast sägen auf dem sie selbst sitzen. Frau Petry muss sich endlich entscheiden, entweder mit Herrn Lucke die AfD retten, oder mit Höcke und Gauland untergehen. Rechtsextremismus ist keine Alternative für Deutschland, Danke für den Weckruf Bernd Lucke, an alle bürgerlich-liberal-konservative in der AfD!

  • Wenn Herr Lucke gehen wil,l warum nicht, die AfD hat genug gute Leute die es können, die haben sogar mal richtig gearbeitet und eigenes Geld verdient. Können wenige Professoren von sich sagen.
    Wertkonservativ? was ist das überhaupt.
    Diese Partei hat große Chancen und wird gebraucht werden, Wähler hat sie sowieso, aber es soll ja eine Alternative sein, da braucht man keine ehemaligen FDP Wähler und Ex CDU ler die 20 Jahre brauchten bis sie merkten was in diesen Blockparteien los ist.

    Und um heute "Rechts" oder Nazi oder sonstwas zu sein braucht es ja nicht mehr viel in unserem Land.

    Nein, die Block und Altparteien werden langsam nervös, die AfD bleibt konstant bei 5 % trotz Querelen, was aber auch für eine neue Partei normal sein sollte.

  • @Behrendt
    Demokratisches Feigenblatt. Wie soll ich den das verstehen. Dann wären für Sie die Grünen, Linken und Teile der SPD ja Superdemokraten.
    Diese ganzen "Antis" die Sie da anführen treffen auf weite Teile der Grünen; Linken, SPD und CDU zu. IST dem nicht so?

  • Beide Seiten sollten es nicht übertreiben denn sie brauchen sich gegenseitig auch wenn das aktuell niemand von denen gerne hören oder lesen will. Eine AfD die nur aus Luckes und Henkels besteht wird bundesweit genauso wenig funktionieren, wie eine AfD die nur aus Petrys und Höckes besteht. Hoffentlich begreifen die das noch rechtzeitig!

  • Also was der Adam da Vewranstaltet ist doch eine ziemliche Beeinträchtigung des Betriebsfrieden. Entweder muss er gehen und seine eigne Partei gründen, oder er tritt paar Reihen zurück.
    Das ist ja fast schon wie in der SPD, mit ihren Richtungstreiten.

  • Franz Pal,
    Sie irren sich.
    Ja, Lucke hat ein paar Fehler gemacht, aber wer macht die nicht, vor allem, wenn man ganz neu ist.
    Aber das Problem der AfD besteht darin, dass sie immer mehr nach rechts rückt und das wollen die bürgerlicen Mitglieder nicht

  • Jeder ist ersetzbar, auch ein Bernd Lucke. Man erinnere sich, wie kläglich er in den ersten Talkshows auftrat. Da hat er dazugelernt, aber ist leider auch in die political-mainstream-Schiene abgerutscht, und plappert das was andere (Mutti, z.B.) hören wollen. Die Grundprinzipien der Parte, die von Anfang an viel umfangreicher waren als die von der Presse postulierte EURO-Gegnerschaft hat ER längst vergessen. Er hat ja jetzt sein Pöstchen. Die FDP 2.0 soll er ruhig gründen, und alle mitnehmen, die das gut finden. Die AfD kann dann endlich eine klare Linie fahren und wird wachsen. Mit der NPD hat das gar nichts zu tun. NPD Anhänger finden sich bei der NPD.

  • Und die 5,5% in Bremen waren eine dead cat´s bounce. Aus einem one trick pony kann man eben kein vollwertiges Zirkuspferd machen. Adam, Gauland und Petry sind so konservativ, dass sie sich nicht gegenüber dem rechten Sumpf eindeutig abgrenzen wollen. Sie nehmen wissentlich und willentlich die Nähe zu enttäuschten REP und NPD Wählern in Kauf. Sie kokettieren mit braun angehauchten Positionen und wollen so einerseits enttäuschte FDP und CDU Wähler abschöpfen, anderseits können sie aber auf die 2-3% rechtsradikale Wählerschicht nicht verzichten. Ihre latent fremdenfeindlichen Positionen stoßen bei EX FDP Wählern immer mehr auf Ablehnung und ohne den wirtschaftsliberalen Kurs von Lucke entfällt das 2. wichtige Argument, die AfD zu wählen. Wertkonservativen CDU Wählern wird der rechtspopulistische Kurs der AfD zu weit gehen. Diese Entwicklungen werden sich immer deutlicher herauskristallisieren und bei der nächsten Bundestagswahl kann sich dann die AfD mit den Piraten zusammen tun.

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