AfD-Landesparteitag Warum die WirtschaftsWoche blieb

Trotz Rauswurfs der Presse blieb die WirtschaftsWoche auf dem Landesparteitag der AfD in Hessen sitzen. Parteichef Bernd Lucke kritisiert den Autoren in einer internen Mail – zu Unrecht, wie der Kollege findet.
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Mut zur Wahrheit hat er offenbar nicht: Bernd Lucke, Vorstandsmitglied der Partei Alternative für Deutschland, wollte beim Parteitag in Hessen Journalisten bei heiklen Besprechungen nicht dabei haben. Quelle: dpa

Mut zur Wahrheit hat er offenbar nicht: Bernd Lucke, Vorstandsmitglied der Partei Alternative für Deutschland, wollte beim Parteitag in Hessen Journalisten bei heiklen Besprechungen nicht dabei haben.

(Foto: dpa)

Wer über die AfD schreibt, der muss mit zahlreichen Kommentaren rechnen. Das ist bei der WirtschaftsWoche nicht anders, als bei anderen großen Medien wie dem Handelsblatt, der Welt oder dem Focus. So war uns klar, dass die Berichterstattung über den Landesparteitag der AfD in Hessen kontrovers diskutiert wird – erst recht, weil wir als einziges Medium den Rauswurf der Journalisten am Nachmittag nicht Folge leisteten.

Neben Beleidigungen („feige Sau, „armseliges Würstchen“, „A….“), die indiskutabel sind und hier nicht weiter thematisiert werden sollen, gab es empörte Leser, die uns mehr oder weniger sachlich fragten, ob wir nicht aus Anstand den Saal hätten verlassen sollen. „Sie haben sich über den Wunsch der Parteitagsmehrheit hinweggesetzt und sich unter den Mitgliedern versteckt. Und brüsten sich jetzt noch mit Ihrem Verhalten. Welch' schlichtes Gemüt. Ich kann nur hoffen, dass Ihr Demokratieverständnis und Verhalten nicht in der Wiwo-Redaktion geteilt wird“, schrieb mir etwa Leser „Avanti Dilettanti“ per eMail. „Nur eine Frage? Finden Sie Ihr Verhalten nicht den Saal zu verlassen, fair?“, fragte Willi K.

Auch AfD-Bundessprecher Bernd Lucke argumentiert ähnlich. In einer internen Mail an die „lieben Mitglieder und Förderer der Alternative für Deutschland“, schreibt er: „Ein Journalist ist übrigens trotzdem im Saal geblieben und brüstet sich heute hier im Internet damit (Mail von Sonntagabend, Anm. der Red.) , dass er gegen ein elementares Gebot der Fairness verstoßen hat.“

Hier entsteht der Eindruck, wir hätten erst weit nach dem Parteitag über unsere Berichterstattung Zeugnis abgelegt. Das ist so nicht richtig. Wir haben nicht erst nach der Veranstaltung im Internet berichtet, sondern fortwährend, am Samstagnachmittag, per Twitter von der Aussprache berichtet. Selbst AfD-Twitteraccounts haben ihren Lesern empfohlen, uns zu folgen. Versteckt, haben wir uns keinesfalls.

Aber zurück zur Kernfrage: Sind wir wirklich einen Schritt zu weit gegangen? Hätten wir den Saal verlassen sollen? Waren wir unfair? Auch heute finden wir: nein.

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22 Kommentare zu "AfD-Landesparteitag: Warum die WirtschaftsWoche blieb"

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  • Sehr geehrter Herr Stock, sehr geehrter Mitleser/innen!

    2000 Zeichen sind gut für einen Kommentar. Den nette Hinweis, dass sieben Tage kommentiert werden darf, sah ich sonst nirgendwo!

    Als pensionierter Polizeibeamter interessiert nach zweimaligem Überschlafen immer mehr der rechtliche Aspekt: War es nun Hausfriedensbruch oder nicht. Um das zu prüfen, muss ggf. innerhalb drei Monaten ein Strafantrag gestellt werden. Eine Anfrage beim Deutschen Presserat ist parallel zu prüfen.

    Als einfaches, frisches Mitglied, sage ich, wir von der AfD wollen mit den Medien zusammenarbeiten, bitten aber auch um sachliche Berichterstattung. Für mich persönlich bin ich angefangen, sämtliche Artikel über unsere Partei zu sammeln und zu gegebener Zeit prüfen zu lassen, ob sie sachgerecht waren.

    Der Ausschluss ist für uns als junge Partei vielleicht nicht so glücklich gewesen, aber wir lernen immer noch dazu! Ich habe mir überlegt, dass in Zukunft bei evtl. ähnlichen Fällen - von den Medienvertretern eine Person des Vertrauens gewählt wird, die dann vollständig über die Parteiversammlung berichten darf (demokratisches Prinzip).

    Weiterhin wird man uns bitte zugestehen wollen, dass wir von einer Redaktion einer Zeitung bestimmte Personen nicht einladen werden. Wichtig: Es wird also nicht die jeweilige Zeitung ausgeladen - jede(r) andere Kolleg(e/in) ist willkommen!

    Wir hier im hohen Norden im Wahlkreis 28 (Oldenburg-Land, Wesermarsch, Delmenhorst) hatten Gestern eine fast gemütliche Kreisvorstandswahl mit Teilnahme der Presse. Leider kam der eine Reporter ziemlich spät.

    Wie jeder Anfänger machen wir Fehler, bitte gestehen Sie uns zu, dass wir den ,Goldenen Mittelweg' noch finden.

    Vielen Dank und allen ein schönes Wochenende!

    Gerd Taddicken - Nordenham

    Ihr Link: (Handelsblatt) http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-landesparteitag-warum-die-wirtschaftswoche-blieb/v_detail_tab_comments/9330114.html

    2014-01-17, Freitag, gg. 08.52 h



  • Der Reporter war vielleicht eingeladen, aber war noch im Saal, als die komplette Presse wieder ausgeladen wurde. Wäre ich Parteimitglied , würde ich vorschlagen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch zu stellen und dauerhaftes Hausverbot bei allen Parteiveranstaltungen auszusprechen

  • Ich finde das mehr als zweifelhaft, trotz Ausladung der Presse im Saal zu verbleiben. Herr Reporter , ich würde gerne dabeisein, wenn in Ihrer Wohnung intime Familienangelegenheiten besprochen werden. DARF ICH DAS???

  • An die Redaktion.....ich frage mich, warum man denn dann dem Wunsch der SPD-Mitglieder nach internen Absprachen/Aussprachen vor dem Hintergrund des Mitgliedervotums im letzten Jahr nachgekommen ist. Stellen die sich nicht öffentlichen Wahlen und besteht hier nicht noch ein viel größeres "öffentliches Interesse", wenn es um eine potentielle Regierungspartei geht???

    Ihrer Argumentation, Herr Rahmann, kann ich insofern nicht folgen.

  • Vielleicht sollten wir hier die Diskussion abbrechen. Für die Journalisten in der AfD ist dieser Sachverhalt sehr schwierig. Loyalität gegenüber der Partei und Solidarität mit dem Kollegen T.R. Beschimpfungen finde ich hier einfach unerträglich und durch nichts zu entschuldigen!

  • "Die Medien kennen Ihre Verantwortung" ;"wir haben objektiv und transparent berichtet" -meinen Sie das Ernst, Herr Rahmann? Dann würden Sie doch wohl 1. keinen Hausfriedensbruch begehen und 2. keine hämischen und suggestiven Formulierungen verwenden , oder?

  • ach Leute - lassen wir die letzten Monate hinter uns. Wir haben wirklich andere Probleme - Euro, Kriege. Lassen wir die Lesben und Schwulen sein, wie sie sind - KONZENTGRIEREN wir uns auf die wirkliche Probleme. WIWO berichten sie weiterhin über uns, es darf ruhig auch etwas kontrovers sein - so ist eben das Leben.....oder?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Zitat: Wir haben objektiv und transparent berichtet – wie es Aufgabe der Presse ist. Schließlich stellt sich die Partei öffentlichen Wahlen. Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, wen Sie wählen.

    Möglicherweise ist mir da irgendetwas entgangen, passiert mir nämlich manchmal schon!

    Wieviele Journalisten haben sich denn bei den oft nächtelangen Verhandlungen beim GroKoDeal heimlich in der Ecke verkrümelt? Ich wüsste gerne etwas Genaueres darüber, was da manchmal alles so besprochen wurde.

    Weiss jemand was Genaueres?

    Danke im Voraus für die Auskunft.

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