AfD-Vize Gauland zum Fall Pretzell „Für mich ist das eine Schmierenkomödie“

In der AfD eskaliert der Konflikt um die Führungsspitze in NRW. Nun gerät Bundeschef Lucke wegen seines Vorgehens gegen den größten Landesverband in die Kritik. Parteivize Gauland wirft ihm vor, die Partei zu spalten.
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„Es ist doch offensichtlich, dass hier versucht wird, Herrn Pretzell fertig zu machen. Dafür gebe ich mich nicht her“, sagt der AfD-Bundesvize Gauland. Quelle: Reuters
Alexander Gauland.

„Es ist doch offensichtlich, dass hier versucht wird, Herrn Pretzell fertig zu machen. Dafür gebe ich mich nicht her“, sagt der AfD-Bundesvize Gauland.

(Foto: Reuters)

BerlinIm parteiinternen Konflikt um den Chef der Alternative für Deutschland (AfD) in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell,  erhebt Bundespartei-Vize Alexander Gauland schwere Vorwürfe gegen Parteichef Bernd Lucke. „Herr Lucke eint keineswegs die Partei, sondern er spaltet sie weiter“, sagte Gauland dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Er will sich mit seiner Linie durchsetzen – und da ist Pretzell und der Landesverband Nordrhein-Westfalen ein schwerer Brocken auf dem Wege, den er gerne beiseite geräumt hätte.“

Zuvor hatte der AfD-Bundesvorstand massive Kritik an Pretzell geübt. Mit fünf von neun Stimmen sprach sich die Spitze der rechtskonservativen Partei am Dienstag für eine Abmahnung gegen Pretzell aus. Zur Begründung hieß es unter anderem, Pretzell, der die AfD auch im Europaparlament vertritt, habe „mehrfach falsche oder geschönte Darstellung eigener Verfehlungen gegenüber der Mitgliedschaft des Landesverbandes NRW verbreitet“. Konkrete festgelegte Konsequenzen sind mit der Abmahnung nicht verbunden.

Pretzell gehört zu den schärfsten Kritikern des Parteivorsitzenden Bernd Lucke. Die Co-Vorsitzende im Bundesvorstand, Frauke Petry, und Parteivize Gauland, stimmten im Gegensatz zu Lucke nicht für die Abmahnung.  Die AfD wählt am 13. Juni einen neuen Bundesvorstand. Lucke hat gute Chancen, ab Jahresende alleiniger Parteivorsitzender zu sein.

Gauland, der auch Chef der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag ist, zeigte sich entsetzt über den Umgang der Parteispitze mit Pretzell. „Für mich ist das eine Schmierenkomödie.“ Die Untersuchung zur Causa Pretzell habe mit Neutralität nichts zu tun. „Ich habe noch nie ein juristisches Gutachten gelesen, bei dem am Ende erklärt wird, es sei zwar kein Schaden entstanden, aber Herr Pretzell müsse dennoch zurücktreten.“ Und im selben Atemzug würden gleich Vorschläge für seine Nachfolger präsentiert. „Das ist so unsäglich, dass ich alles ablehne, was in diesem Zusammenhang unternommen wird. Es ist doch offensichtlich, dass hier versucht wird, Herrn Pretzell fertig zu machen. Dafür gebe ich mich nicht her.“

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14 Kommentare zu "AfD-Vize Gauland zum Fall Pretzell: „Für mich ist das eine Schmierenkomödie“"

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  • Bürgerliche Wähler, die eine Alternative suchen, müßten weiter auf eine solche warten und sich in die Wahlenthaltung zurückziehen.
    Da muss ich Hr. Gauland uneingeschränkt zustimmen....die Abmahnung (Mobbing), dass hier gegen Hr. Pretzell von der eigenen Parteispitze betrieben wird, ist ein Schmierentheater und lässt an der Weitsicht eines Lucke zweifeln.
    So geht es nicht!
    Ich bin seit 2013 Mitglied und überlege rnsthaft auszutreten, denn Lucke und Henkel haben sich zu weit von den Gründungsvorgaben entfernt.
    Die AfD unterscheidet sich heute nicht mehr von all den anderen unfähigen Parteien.

  • Die sollte man mal alle für mehrere Tage in ein Hotel einschließen, wo sie sich entweder aussprechen oder auf sonstige Weise alles klären. Das ist doch nicht mehr normal sich so über die Medien so zu zerfleischen!

  • @ Herbert Maier
    Seien Sie mal nicht zu streng zu sich und andere. So etwas kommt in jeder Partei und bei jeden menschlichen Wesen vor. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten prägen die Demokratie und eine Partei die es mit der Demokratie ernst meint, die muss auch verschiedene Meinungen und Streiterein aushalten und druchstehen. Schließlich verbindet dies mehr als das Diktat von oben herab. Der Mehltau, der über der Merkel-Union liegt, ist einer Demokratie nicht würdig. Das ist schon Merkel Diktat pur. Die Mehrheit wird bestimmen, was geschehen soll. Zuvor müssen aber beide Seiten ihre Argumente und Meinungen darlegen können. Über den Stil des Austausch der Argumente kann man noch diskutieren. Für mich ist die Stilfrage eine Frage des Respekt und Anstand dem jeweiligen Gegenüber. Dies gilt sowohl in der Familie wie auch in der Politik oder im Alltagsleben. Danke!

  • Die Causa Pretzell fing ganz langsam an. Familieninterne Schwierigkeiten sollten in der Familie bleiben. Herr Pretzell ist Anwalt. Es muss doch mehr, als jeder andere wissen, was ein möglicherweise "unsicherer" Wohnsitz mit nicht geklärten Nachsendeaufträgen bedeutet. Durch sein liederliches Verhalten hat er sich und die Partei in große Schwierigkeiten gebracht. Seine bürgerliche Exsistenz ist ja nur durch sein EU-Mandat gesichert. Er hat dieses Mandat auch am damaligen Landesverband vorbei durch ein nassforsches Auftreten auf dem Bundesparteitag direkt erreicht. Er kam dann unter Ausnutzung einiger Lucke-Gegner für mich überraschenderweise auf Platz 7 der Bundesliste für die EU-Kandidaten. Der große bundeswahlerfolg der AfD hat ihm dann den Einzug ins EU--Parlament ermöglicht. Aber die Landespartei hat er schleifen lassen, wie vieles andere auch. Das geht gar nicht. Lucke hatte schon den richtigen. Riecher ! Pretzell soll sofort zurücktreten!

  • Franz Paul
    Sie sagen sagen es 100% richtig

  • Herr Pretzell ist ein fähiger und marktwirtschaftsdenkender Mensch/Politiker. Wenn Hr. Lucke jetzt so einen Mann mit Absicht ins "Aus" stellt bzw. solche Ökonomischen Vernunft und Verstandmenschen aus seiner Partei ausweist (Kalt stellt), dann schadet dies der AfD mehr, als jede "Causa".
    Und da muss ich Hr. Gauland uneingeschränkt zustimmen....die Abmahnung (Mobbing), dass hier gegen Hr. Pretzell von der eigenen Parteispitze betrieben wird, ist ein Schmierentheater und lässt an der Weitsicht eines Lucke zweifeln.

  • Natürlich hat Herr Gauland in der Sache Recht, geht es den Akteuren aus Luckes Fraktion im wesentlichen nicht darum, einen erwiesen unfähigen Landesvorsitzenden zum Beiseitetreten zu motivieren. Vielmehr beginnt hier, viel dramatischer als Parteivolk und Öffentlichkeit wahrnehmen, der Endkampf um die Ausrichtung der AfD. Würde in NRW wieder ein gemäßigter Landeschef und -vorstand installiert, könnte dies eine stark stabilisierende Wirkung für die gesamte AfD haben, den Endpunkt eines bislang ungebremsten Rechtsrutsches bedeuten. Lucke hofft (und manipuliert im Hintergrund) und Gauland fürchtet. Doch leider ist die Wahrheit wohl eher, daß die meisten Kreise in NRW bereits fest in der Hand der Rechtsaußen-Vertreter sind, der nächste Landesparteitag für die Lucke-Fraktion ein mächtiges Desaster bringen wird. Danach werden voraussichtlich die letzten Reste der liberal-gemäßigten Verteter aus dem Vorstand getilgt sein - NRW als mitgliederstärkster Landesverband wäre dann endgültig auf den extremen Positionen angekommen, die bislang nur die äußerst mitgliederschwachen aber dementgegen in der öffentlichen Wahrnehmung (Gauland, Petry, Höcke) grandios überrepräsentierten Ostländer markiert haben. Noch bleibt aber ein Funken Hoffnung ..

  • Nein, Herr Gauland. Der Schmierenkomödiant ist hier Herr Pretzell. Dieser hat schon in der Vergangenheit seine "Integrität" dadurch bewiesen, dass er ohne Beweise schwerwiegende Beschuldigungen gegen Parteiorgane der AfD erhoben hat, die sich als völlig haltlos erwiesen haben. Wer andere in die Pfanne haut, der muss sich nicht wundern, wenn er selbst sich in einer solchen befindet aus eigenem Verschulden und wegen nachgewiesener Dummheit.

  • Herr Gauland ( ehem. Staatssekretär der CDU in Hessen ) sowie ca. 50 Jahre in der CDU, ist für mich das, was man gemeinhin als U-Boot bezeichnet.
    Nicht nur, das in Brandenburg dieser leicht verwirrte Mensch das Sagen hat ( möchte die Bismarcksche Außenpolitik einführen ). Es ist auch schlimm zu sehen, wie die AFD zeitnah auf Probleme in Brandenburg wirkt und handelt.
    Ich sehe und höre von der AFD nicht viel, nur Personalstreit und pol.Blödsinn.
    Schade, am Anfang war richtig Spaß bei Gründung und Arbeit dieser Partei.
    Gauland und Co., kosten der AFD Mitglieder und Wähler.
    Die Alternative braucht dringend eine Alternative !
    Wirkliche Probleme in Deutschland: Kleinstaaterei, Kinderarmut, Abwanderung von Fachkräften, Endsolidarisierung , Verfall der Bundeswehr, verwahrloste Infrastruktur, Währungskrise, Finanzkrise, Altersarmut ( stark steigend ) usw.
    Was nun AFD, bitte Antworten geben an zukünftige Wähler.

  • @reiner vogels: Völlig richtig. Das war wohl auch Luckes Ziel: seiner alten Partei zu zeigen, wie wichtig er hätte sein können. Das ist ähnlich, wie wenn ein unzufriedener Angestellter sich selbständig macht, um seinem Ex-Chef zu zeigen, wie es geht. Nur dass eine Partei keine Firma ist, und nicht für ihren Besitzer arbeitet.
    Lucke besitzt die AfD nicht. Kapiert er nur nicht.

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