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AfD-Wählerschaft Wir protestieren – aber nur rechts!

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„Die AfD wird sich auf fünf bis zehn Prozent einpendeln“
„Tragisch, wie Dummheit und Blindheit zur Selbstschädigung werden“
Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG
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Klar, als CDU-Mann lassen mich die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg nicht kalt. Das gilt auch für Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Aus meiner Sicht macht es aber keinen Sinn, Schnappatmung zu bekommen, da es mal ganz anders ausgegangen ist. Von einem massiven Rechtsruck zu reden, ist ebenso überzogen. Mit den Denkschablonen der vergangenen zwanzig Jahre kommen wir heute nicht mehr weiter. Die etablierten Volksparteien, vorne weg die CDU, müssen endlich wieder aktiver und konkreter die wahren Probleme und Herausforderungen des Landes anpacken und durch entsprechende Programme sauber abarbeiten.

(Foto: AP)
Wolfgang Grupp, Inhaber von Trigema
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Das Abschneiden der AfD ist eine klare Protestaussage in Richtung CDU. Hätte die Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik früher umgesteuert, hätte die AfD nicht diese Zustimmung erfahren. (…) Die AfD ist eine Übergangserscheinung. Sie hat teilweise bis weit hinein ins bürgerliche Lager Wähler gewonnen. Aber das wird nicht auf Dauer so bleiben. Wichtig ist allerdings, dass die Kanzlerin den Weckruf auch wahrnimmt und in der Flüchtlingspolitik ihren Kurs ändert.

(Foto: dpa)
Friedrich von Metzler, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler
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Ich bin froh, dass wir in Deutschland demokratisch diskutieren und jeder für seine Überzeugungen einstehen kann. Trotzdem ist es bedauerlich, dass durch die Flüchtlingsproblematik solch radikale Ideen entstehen. Es sind Minderheiten, die sich zu Mehrheiten erklären. Das schadet dem Image von Deutschland. Es gibt viel mehr Freiwillige, die sich für ein offenes Deutschland einsetzen. Statt um Flüchtlinge sollten wir uns mehr Sorgen machen um den Teil der Bevölkerung, der nichts verändern will.

(Foto: Reuters)
Felix von Nathusius, Chef des Autozulieferers Ifa-Rotorion aus Haldensleben (Sachsen-Anhalt)
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Der Wahlerfolg der AfD ist ein negatives Signal für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt. Für uns als international tätiges Unternehmen sind Weltoffenheit und ein konstruktiver, demokratischer Diskurs unmittelbar mit unserem wirtschaftlichen Erfolg verknüpft. Fremdenfeindlichkeit und nationaler Populismus werden dem Land nachhaltig schaden. Es wäre aber zu kurz gegriffen, das Erstarken der AfD allein auf die Flüchtlingsdebatte zu reduzieren. Den etablierten Parteien muss es nun gelingen, neue Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die enttäuschten Menschen, die vom wirtschaftlichen Aufschwung ausgeschlossen sind, in die Mitte der Gesellschaft zurückzuführen. Das gelingt nur mit einer starken Wirtschaft, die sichere und attraktive Arbeitsplätze bietet. Wir werden alles daran setzen, das der erfolgreiche Kurs, den die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Haseloff in den letzten zehn Jahren eingeschlagen hat, beibehalten wird.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Hans Bauerfeind, Vorstandschef Bauerfeind AG, Zeulenroda
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Die AfD lebt allein vom Zulauf durch die Flüchtlingsproblematik. Das Wahlergebnis ist ein Alarm-Signal für die etablierten Parteien in Deutschland, aber auch für Europa: Es richtet sich gegen die Europäische Union und ist ein Rückschritt in längst überwunden geglaubtes nationales Denken. (…) Wir brauchen verbindliche Antworten und Lösungen in den Asyl- und Flüchtlingsfragen. Dann nimmt auch die Bedeutung der AfD wieder ab und sie bleibt hoffentlich nur eine temporäre Erscheinung.

(Foto: dpa)
Andreas Barner, Chef von Boehringer Ingelheim und Präsident des Stifterverbandes
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Die Demokratie ist immer auch herausfordernd – das war bei den Wahlen durch das Abschneiden der AfD wieder so. Aber die Präsenz in den Parlamenten wird, so hoffe ich, nur von kurzer Dauer sein.

(Foto: dpa)
Gordon Riske, CEO Kion Group
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Zuwanderung hat schon immer einen wichtigen Beitrag zum Erfolg wirtschaftsstarker Nationen wie Deutschland oder den USA geleistet. Deutschland ist daher bei allen Herausforderungen gut beraten, weiter weltoffen zu sein und die Chancen der Migration zu nutzen.

(Foto: dpa)

Gerade in ihrer Anfangszeit, als sie als gemäßigt-euroskeptische Partei auftrat, habe die AfD moderate Wähler an sich binden können. Bis heute profitiere die Partei daher von einem Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen rechtspopulistischen Parteien, die mit einem engeren und radikaleren Profil aufträten.

Besonders „Modernisierungsverlierer“ sind laut Lewandowsky anfällig für populistische Parteien. Denn vor allem Arbeiter und Arbeitslose wählen überdurchschnittlich häufig die AfD, eigentlich Kernwähler der linken Parteien. „Das sind die Bevölkerungsgruppen, die offenbar Sorge vor einem Konkurrenzverhältnis mit den Flüchtlingen wegen preiswertem Wohnraum und Arbeitsplätzen haben. Diese Wähler konnten SPD und Linke nicht überzeugen, weil beide Parteien den Flüchtlingen offen gegenüberstehen“, erklärt Forschungskollege Träger.

Diese Wähler fürchten laut Wissenschaftler Poguntke, dass ihnen die Migranten „etwas wegnehmen“: „Wenn es um soziale Benachteiligungen geht, wird ein Sündenbock gesucht.“ Generell seien die Motive der AfD-Wähler aber sehr unterschiedlich. „Bei einem erheblichen Teil hat die Wahlentscheidung wenig mit linker oder rechter Einstellung zu tun, sondern war in erster Linie eine Protestwahl“, sagt Poguntke. Aber es gebe eben auch die Wähler, die tatsächlich rechts eingestellt sind – und jetzt ein Angebot haben.

Dass sich bisher keine Partei rechts der CDU im politischen Parteienspektrum etablieren konnte, hängt auch mit der deutschen Geschichte zusammen. „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“, proklamierte schon CSU-Übervater Franz Josef Strauß. Poguntke spricht von einer „Immunität gegen rechtes Gedankengut“ in der Gesellschaft, die sowohl in Medien, Kultur als auch im politischen System sichtbar ist. Aber mit einem größeren zeitlichen Abstand zum NS-Regime nutze sich diese Immunität ab.

„Das rechte Spektrum in der Bundesrepublik ist traditionell organisatorisch zersplittert“, sagt Populismus-Forscher Lewandowsky. Es habe bislang keine Partei gegeben, die das rechte Lager jenseits der Union vereint hätte. „Parteien, deren Politikangebot konservativer ist als das von CDU und CSU, geraten schnell in den Verdacht der Nähe zum Rechtsextremismus beziehungsweise Nationalsozialismus und werden in den Medien und in der Politik stigmatisiert.“

Doch die Experten glauben, dass das Kernthema der AfD, die Flüchtlingspolitik, der Partei irgendwann verloren gehen wird. Damit bräche ihr dann auch ein entscheidenden Mobilisierungsinstrument weg. „Es wird für die Partei dann entscheidend sein, ob sie in der Lage ist, die Unzufriedenheit mit der Politik weiter zu bedienen und entsprechend zu mobilisieren“, sagt Lewandowsky.

Die AfD habe großes Wählerpotenzial. „Sie ist aber aus meiner Sicht noch nicht in dem Sinne etabliert, als sie über eine ausreichende Zahl von Stammwählern verfügt“, so Lewandowsky. Träger und Poguntke glauben, dass die sich bundesweit auf fünf bis zehn Prozent einpendeln wird. Im nächsten Bundestag werden dann sieben Parteien sitzen: Linke, SPD, Grüne, FDP, CDU, CSU und AfD.

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