Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Affäre um Schnelltests Betrugsverdacht bei Corona-Tests: „Handyläden, Goldankäufer, Dönerbuden – jeder macht ein Testzentrum auf“

Die Betreiber von Testzentren fühlen sich unter Generalverdacht gestellt. Sie begrüßen die Pläne der Gesundheitsminister nach mehr Kontrollen, bei der Bezahlung sind sie allerdings uneins.
02.06.2021 - 11:04 Uhr 1 Kommentar
Seit der Einführung der sogenannten Bürgertests im März ist die Anzahl der Testzentren in die Höhe geschossen. Quelle: dpa
Corona-Testzentrum in Mecklenburg-Vorpommern

Seit der Einführung der sogenannten Bürgertests im März ist die Anzahl der Testzentren in die Höhe geschossen.

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf Für Thomas Pütz kam die Nachricht nicht überraschend. Betrugsverdacht bei Testzentren: „Es war nur eine Frage der Zeit“, sagt der Unternehmer. Die Testverordnung sei schließlich viel zu einfach, zudem fänden keine Kontrollen statt. Pütz ist verärgert: „Handyläden, Goldankäufer, Dönerbuden – jeder macht ein Testzentrum auf.“

Pütz ist nur einer von unzähligen Betreibern von Corona-Testzentren. Seit vier Jahren führt er einen Sanitätsdienst in Rheinland-Pfalz. In der Coronakrise eröffnete auch er Testzentren, mittlerweile leitet er 17. Sein Team führt täglich etwa 3000 bis 5000 Tests durch.

Seit der Einführung der sogenannten Bürgertests im März ist die Anzahl der Testzentren in die Höhe geschossen. Für die Betreiber ist das Geschäft lukrativ: Private Anbieter erhalten bis zu 18 Euro pro Test – sechs Euro für den Test und zwölf Euro unter anderem für Personal, Schutzkleidung oder Mietkosten. Für die Bürger ist das negative Testergebnis die Eintrittskarte fürs Einkaufen, den Biergarten- oder Restaurantbesuch. Über 350.000 Tests werden jede Woche durchgeführt. In den Monaten April und Mai wurden so insgesamt 660 Millionen Euro an die Testzentren überwiesen.

Doch längst finden sich auch Anbieter auf dem Markt, die nicht nur das Wohl der Bürger im Blick haben. So sollen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Betreiber bei der Abrechnung betrogen und mehr Tests an die Gesundheitsministerien gemeldet haben, als tatsächlich durchgeführt wurden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Jetzt gibt es einen Generalverdacht gegen alle Corona-Testzentren“, sagt Pütz. Auch Malte-Bo Lueg ist davon betroffen. Er findet es „echt traurig und erbärmlich“, dass einige Betreiber die Situation offenbar ausnutzen. „Wir leisten hier harte Arbeit im Testzentrum, testen bis zu 2000 Menschen am Tag, und alle reden nur vom Geld“, so Lueg. Lueg arbeitet für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und leitet das Testzentrum am Flughafen Essen/Mülheim.

    Kaum Kontrollen: Betrügern wird es leicht gemacht

    Christoph Neumeier distanziert sich ebenfalls von den mutmaßlichen Betrügern. „Wir sind ursprünglich aus der Veranstaltungsbranche, haben aus der Not heraus Testzentren aufgebaut, weil wir durch die Coronakrise sonst nichts zu tun gehabt hätten“, sagt Neumeier. Doch auch sie hätten hohe Hygienestandards und ein betrugssicheres Buchungssystem. Neumeier ist Gründer von CoviMedical, die aktuell über 150 Testzentren in ganz Deutschland betreiben.

    Dabei wurde es Betrügern bislang auch leicht gemacht: Kontrollen finden kaum statt, denn niemand fühlt sich zuständig. Städtetag, Gemeindebund und Landkreistag sowie der Ärzteverband des öffentlichen Gesundheitswesens, aber auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung lehnten ab, Kontrollen zu übernehmen.

    Das liegt auch an mangelnder Kapazität. „Die Gesundheitsämter der Kommunen können das nicht auch noch tun, die sind schon völlig überlastet“, sagte Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds der „Rheinischen Post“. Die Gesundheitsämter sind in vielen Bundesländern nämlich nicht nur für die Hygienerichtlinien in den Testzentren zuständig, sondern entscheiden auch über deren Zulassung.

    Laut den Länder-Gesundheitsministerien besteht für Testzentren keine arzneimittelrechtliche Genehmigungspflicht, eine Zulassung ist nicht erforderlich. Laut der Corona-Test- und Quarantäneverordnung von Nordrhein-Westfalen müssen die Betreiber lediglich „zuverlässig im Sinn des Gewerberechts“ sein und „über Erfahrungen verfügen, die erwarten lassen, dass sie oder er eine Einhaltung dieser Standards gewährleisten kann“. Besondere Qualifikationen sind also nicht erforderlich. Personal ohne medizinische Ausbildung wird etwa eine Stunde geschult – 45 Minuten Theorie, 15 Minuten Testen zu Übungszwecken.

    „Weniger Geld für einen Test zu erhalten ist der falsche Weg“

    Doch bald könnte es strengere Vorgaben geben. Nach dem Betrugsverdacht in mehreren Teststellen verschiedener Bundesländer planen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern nun strengere Regeln. So müssen sich die Betreiber künftig auf häufigere Kontrollen einstellen. Zudem sollen die Erstattungskosten eines Tests auf unter zehn Euro reduziert werden, um die Betrugsanreize zu reduzieren.

    Gesundheitsminister Jens Spahn brachte zudem ins Spiel, die Kommunen dazu zu verpflichten, die Zahlen der Getesteten mit den Sachkosten der Tests abzugleichen. Außerdem könnten Anbieter von Testzentren angehalten werden, ihre Steuernummer der Kassenärztlichen Vereinigung zu melden, damit Finanzämter die abgerechneten Tests mit angegebenen Umsätzen abgleichen können.

    Dass der Bund nun Maßnahmen ergreifen will, begrüßt Neumeier. „Wir sind glücklich, wenn es mehr Kontrollen gibt.“ Denn das helfe, die Standards in den Testzentren weiter zu optimieren.

    Für Pütz ist hingegen auch die Bezahlung entscheidend: „Weniger Geld pro durchgeführtem Test zu bezahlen, ist ein guter Ansatz. Dadurch wird der Anreiz für Betrüger reduziert“, sagt der Unternehmer. Nachteilig sei es hingegen für kleine Apotheken oder Ärzte, denn die hätten nicht die Möglichkeit, das Geschäft mit den Testzentren groß aufzuziehen. Er fordert deshalb eine Unterscheidung zwischen gewerblichen Anbietern und Ärzten, Apotheken sowie Unternehmen aus der Gesundheitsbranche.

    Lueg vom DRK sieht das hingegen kritisch: „Weniger Geld für einen Test zu erhalten ist der falsche Weg.“ Denn das führe zu einer noch schlechteren Qualität. Zudem sei es eine Bestrafung für diejenigen, die gute Arbeit leisten und ihre Teststrukturen mit dem ursprünglichen Betrag von 18 Euro geplant hätten.

    Mehr: Mehr Kontrollen, weniger Geld: Was die Politik gegen Betrug bei Corona-Tests tun will

    Startseite
    Mehr zu: Affäre um Schnelltests - Betrugsverdacht bei Corona-Tests: „Handyläden, Goldankäufer, Dönerbuden – jeder macht ein Testzentrum auf“
    1 Kommentar zu "Affäre um Schnelltests: Betrugsverdacht bei Corona-Tests: „Handyläden, Goldankäufer, Dönerbuden – jeder macht ein Testzentrum auf“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Jeder, der seinen Test Ernst nimmt, hat doch jetzt die Auswahl unter ausreichend Test-Anbietern - da nimmt man das DRK und gleichwertige Hilfsorganisationen, Sanitätshäuser, Arzte, Apotheken und ähnliches.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%