Affäre Wulff Merkels gefährliches Schweigen

Bundeskanzlerin Angela Merkel schweigt beharrlich zur Affäre Wulff. Kein Wunder, denn sie treffe „eine entscheidende Mitschuld“ sagt der frühere Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Marnette (CDU).
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Bundespräsident Christian Wulff hat an einem Ausblick aus seinem Arbeitszimmer im Schloss Bellevue wohl nur noch wenig Freude. Dir Kritik an seiner Kredit-Affäre wächst. Quelle: dapd

Bundespräsident Christian Wulff hat an einem Ausblick aus seinem Arbeitszimmer im Schloss Bellevue wohl nur noch wenig Freude. Dir Kritik an seiner Kredit-Affäre wächst.

(Foto: dapd)

DüsseldorfIn der Debatte um Bundespräsident Christian Wulff wird jetzt auch erstmals Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut. Das politische Deutschland hülle sich in Schweigen, weil niemand den ersten Stein werfen dürfe. „Auch die Kanzlerin, weil sie eine entscheidende Mitschuld trifft“, sagte der frühere Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Marnette (CDU), Handelsblatt Online. „Denn ihre kalte Machtpolitik  hatte einen geachteten und erfahrenen Bundespräsidenten (Horst Köhler; d. Red.) aus dem Amt hinaus- und einen offenbar menschlich und politisch unreifen Karrierepolitiker (Christian Wulff; d. Red.) in das Amt hineingedrängt“, so Marnette.

Daraus könne man lernen: „Ministerpräsident und Kanzler kann jeder werden. Doch für das höchste Staatsamt bedarf es einer ausgewiesenen Lebensleistung.“ Nach der versuchten Pressebeeinflussung von Wulff forderte Marnette das Staatsoberhaupt zudem eindringlich auf, für Aufklärung zu sorgen. Das Ausland stehe dem Treiben verwundert gegenüber, und Deutschland, insbesondere das politische Deutschland, sei fassungslos über die Zurückhaltung Wulffs. „Unsere Bürger spüren längst, dass die demokratische Grundordnung dauerhaft beschädigt werden könnte, wenn nicht bald eine befreiende  Klarstellung des Bundespräsidenten erfolgt“, sagte der CDU-Politiker und fügte hinzu: „Dies wäre jetzt höchste Amtspflicht.“

Die Grünen fordern eine klare Stellungnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fall Christian Wulff. Die CDU-Vorsitzende müsse „aus der Deckung rauskommen“ und sagen, wie sie die jüngsten Entwicklungen rund um den Bundespräsidenten bewerte, sagte Grünen-Fraktionsvize Fritz Kuhn am Dienstag im Deutschlandfunk. Wulff sei „den Anforderungen des Amtes nicht gewachsen“, beklagte Kuhn. Die jüngst
bekanntgewordenen wütenden Anrufe bei der „Bild“-Zeitung und dem Springer-Konzern seien „ein starkes Stück“ und zeigten ein „eigentümliches Verständnis von Pressefreiheit“. Ein
geschwächter Bundespräsident mit beschädigter Glaubwürdigkeit sei da problematisch. „Ich glaube, dass die Luft sehr, sehr dünn geworden ist“, sagte Kuhn. Der Ball liege nun bei Wulff und Merkel.

Wulff hatte laut Medienberichten versucht, die Berichterstattung über seinen umstrittenen Privatkredit mit Interventionen beim Axel Springer Verlag zu verhindern. So hat er nach Angaben der „Bild“-Chefredaktion in einem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann dem verantwortlichen Redakteur mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte ein Beitrag über seinen umstrittenen Kredit veröffentlicht werden. Auch beim Chef des Axel-Springer-Verlages, Mathias Döpfner, hat er demnach von einem Staatsbesuch aus interveniert. Und selbst die Mehrheitsaktionärin des Verlages, Friede Springer, soll Wulff in seinem Versuch eingeschaltet haben, die unliebsame Veröffentlichung eines Privatdarlehens zu verhindern. Der Deutsche Presserat rügte das Vorgehen Wulffs, der selbst zu den neuen Enthüllungen bislang öffentlich nicht Stellung bezogen hat.

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93 Kommentare zu "Affäre Wulff: Merkels gefährliches Schweigen"

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  • Es fehlkt natürlich ein "Happy"

    "What's my life? I'm happy cleaning windows ..."

  • Unser Bundespräsident Wulff scheint sich immer noch keiner Schuld bewusst zu sein.
    Mir sind jedenfalls immer noch die "Amigo"-Affären von Bayerns Ministerpräsident Streibl sehr in Erinnerung und auch die "Traumschiff-Affäre" von Lothar Späth.

    Wenn Wulff seine Affären verniedlicht, dann wäscht er auch damit die früheren Affären der anderen Ministerpräsidenten rein. Sollte dies sein Wunsch sein ?
    Wulff trat als Saubermann an, wer kann ihm jetzt noch trauen ?

  • @rapid

    Ich weiss, darf ich mich (bitte) trotzdem über sie lustig machen? Und ab und zu auch ein bisschen ärgern?

    Wir sind ja nicht in einem Kloster, oder?

    Ich hab's da übrigens eher mit Van The Man "What's my life? I'm cleaning windows"

  • Nach neuen Gerüchten will Merkel den Schäuble als Nachfolger etablieren.
    Der nächste Korrupti für dieses Amt. Da sieht man welchen Respekt die Knazlerin vor diesem Amt und den Bürgern hat. Nämlich gar keinen.

  • Vielleicht von der Leynen? So weit wie die CDU mit dem Personal heruntergekommen ist, stellt selbst diese Person Gefahr für Merkelsche Alleinherrschaftsansprüche. Da könnte Angie die gute Ursula ja geschickt abschieben. Und das wäre nicht einmal schlecht für das Land. So viel Schaden, wie diese Tante als Ministerin angerichtet hat, wird sie als BP nicht überbieten können.

  • Wir sollten den Begriff "Affaire" für wirklich Bemer-kenswertes nutzen und nicht für die Baufinanzierung eines spießigen Hauses. Von was sollen wir in einer wahrhaft beängstigenden Krise der €-Staatenverschuldung durch das Aufbauschen von Nichtigkeiten abgelenkt werden? Von der Einführung der Transferunion? Am Merkwürdigsten finde ich das Verhalten der sog Freunde und vor allem der Bank (eine private Bank hätte sich gegenüber der Presse in Schweigen gehüllt und nichts über einen Kunden ausgeplaudert!)gegen-über Herrn Wulff - wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde! In der Politik war es doch noch nie wichtig, ob jemand seinen Job kompetent macht. Warum wird das beim inhaltlich nichtigsten Amt des Landes plötzlich thematisiert? Das einzige, was man Herrn Wulff vorwerfen kann, ist Stillosigkeit - und das verursacht 88 Kommentare? Sind wir alle verrückt?

  • @hardy

    Passiert alles nur in Ihrem Kopf.

    Die Wirklichkeit als "solche" ist muuuuuu.

  • gut, was kann sie tun "die merkel" wulff kommt jederzeit in eine fuehrende wirtschaftsposition,das mit dem "ehrensold"
    wuerde ein problem; Dumm ist, dass sich Mme.merkel (dickkoepfig) 2 x in der Qualitaet vergriffen hat, ein drittes mal duerfte es nicht geben, noch nicht einmal bei Ihr !

  • @alanytiker

    "Termine für die nächsten Tage"

    Vielelicht sind die Sternsinger ja so witzig und lassen ihren Song von einem Anrufbeantworter abspielen und sparen sich den Besuch ...

  • @Otmar

    Ahem, ist Ihnen aufgefallen, in welcher Partei die sind?

    Die sind so froh, daß sie endlich wieder an der Macht sind und durchregieren können <gd&rvvvvf>

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