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Aktuelle Corona-Lage RKI-Chef Wieler fordert schärferen Lockdown

Die Todeszahlen haben einen neuen Rekord erreicht. Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts fordert strengere Maßnahmen – und Homeoffice, wo immer es möglich ist.
14.01.2021 - 12:06 Uhr 3 Kommentare
„Entscheidend ist, dass wir alle die Kontakte deutlich reduzieren.“ Quelle: Reuters
RKI-Chef Lothar Wieler bei der Pressekonferenz an diesem Donnerstag

„Entscheidend ist, dass wir alle die Kontakte deutlich reduzieren.“

(Foto: Reuters)

Berlin Angesichts der neuen Rekordzahlen bei den Corona-Infektionen drängt das Robert Koch-Institut (RKI) massiv auf einen schärferen Lockdown. Denn: „Das ist kein vollständiger Lockdown, die Regeln werden nicht stringent befolgt, und es gibt noch zu viele Ausnahmen“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler an diesem Donnerstag auf einer Pressekonferenz – vier Wochen nach der Verschärfung des Lockdowns am 16. Dezember. „Wir müssen das nachschärfen“, forderte er. Auch er persönlich „schlafe nicht gut“ mit Blick auf die hohen Todeszahlen.

Am Mittwoch waren nach den dem RKI gemeldeten Daten 1244 weitere Menschen gestorben, die positiv auf Corona getestet worden waren – ein neuer Rekordwert. Die Zahl der Todesfälle erhöht sich damit auf insgesamt 43.881. Zudem gab es 25.164 neue Positiv-Tests. Es sei „gut möglich, dass sich die Lage noch verschlimmert“, warnte Wieler.

Aktuell seien die Daten wegen der vielen über den Jahreswechsel geschlossenen Arztpraxen und Labore noch immer nicht eindeutig zu interpretieren. So sei die Zahl der wöchentlichen Tests von 1,5 Millionen auf rund 700.000 gesunken.

Wieler forderte daher, dass dringend alle Bürger „im Homeoffice arbeiten, wo immer es möglich ist“. Hier brauche es auch noch deutlich mehr „verantwortungsvolle Arbeitgeber“, die das erlauben und ermöglichen.

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    Für Alters- und Pflegeheime und Schulen könne das RKI lediglich Empfehlungen aussprechen – „die müssen aber vor Ort auch umgesetzt werden“, so Wieler. Die vielen Beispiele von Heimen, in denen es keine Infektionen gebe, zeigten, „dass es möglich ist, die Bewohner gut zu schützen“.



    Eindringlich appellierte Wieler an alle Bürger, „nur zu reisen, wenn sie müssen“, und ansonsten zu Hause zu bleiben. Denn die Mobilität der Deutschen ist im zweiten Lockdown wesentlich weniger zurückgegangen als im Frühjahr, ergänzte der RKI-Modell-Experte Dirk Brockmann, der auf der Pressekonferenz des RKI ebenfalls anwesend war.

    Zwar hätten über die Feiertage viele Menschen auf Fernreisen verzichtet, „doch die Kurzreisen und Tagesausflüge waren teilweise sogar häufiger als im Dezember 2019“ – also vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

    Positivproben sollen verstärkt auf Mutationen untersucht werden

    Ganz offensichtlich gebe es nicht nur diejenigen, die die Maßnahmen ablehnten, sondern auch „sehr viele, die zwar sehr genau wissen, dass sie nötig sind, sich selbst aber immer mehr Ausnahmen erlauben“, sagte der Virologe. Alle Experten, die versuchen, mit Modellierung der Entwicklung in die Zukunft zu schauen, „sind sich einig, dass der Lockdown verschärft werden muss“.

    Auch die neuen, ansteckenderen Corona-Varianten sind nach den Erkenntnissen des RKI fast vollständig durch Reisen ins Land gekommen: Von den bisher bekannten 16 Fällen der britischen Mutation seien 15 bei Menschen aufgetreten, die vorher in Großbritannien gewesen seien.

    Im Fall der vier an der südafrikanischen Covid-Variante Erkrankten gelte das für alle. Bei der britischen Variante ist bekannt, dass sie etwa um 50 Prozent ansteckender ist als andere. 10 Erkrankte stecken aktuell 15 weitere Personen an – statt aktuell 10 weitere.

    Wieler räumte ein, dass in Deutschland bisher viel zu wenig Genom-Untersuchungen stattfinden und veröffentlicht werden. Im Dezember gab es davon lediglich 200 bis 250. In Großbritannien hingegen sind es täglich viele Tausend. Das werde sich aber mit der neuen Meldepflicht und der Kostenübernahme durch den Bund voraussichtlich ab kommender Woche ändern.

    Dies sei auch nötig, um permanent zu kontrollieren, ob die entwickelten Impfstoffe auch gegen neue Varianten wirken. Beruhigend sei allerdings, dass die neuen mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna „innerhalb von wenigen Wochen unkompliziert an eine neue Virusvariante angepasst werden können“.

    Dennoch gelte: „Wir können so viel Technologie einsetzen, wie wir wollen, und auch so viel testen, wie wir wollen – entscheidend ist, dass wir alle die Kontakte deutlich reduzieren“, appellierte Wieler. Denn auch so werde der Kampf gegen das Virus „noch einige Monate dauern“. Zuversichtlich äußerte er sich nur für die lange Frist: „Am Ende des Jahres werden wir die Pandemie kontrolliert haben.“

    Mehr: Alle aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus im Handelsblatt-Liveblog.

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    3 Kommentare zu "Aktuelle Corona-Lage: RKI-Chef Wieler fordert schärferen Lockdown"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Vielleicht sollte Herr Wieler mal in schlaflosen Nächten die Statistiken studieren.
      Diese zeigen recht deutlich, dass die Lockdown Maßnahmen nichts bringen, weil es einfach die falschen Maßnahmen sind. Wenn Alten- und Pflegeheime weit überdurchschnittlich betroffen sind, dann müssen neue Maßnahmen entwickelt werden, die diese Einrichtungen gezielt schützen. Dafür scheint aber das Potenzial an kreativen Köpfen im RKI nicht auszureichen.
      Zudem sollte Herr Wieler uns endlich einen korrekten Inzidenzwert präsentieren, der die Menge der täglichen(wöchentlichen) Tests einbezieht. Wer den Inzidenzwert im April/Mai mit Dezember vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Hier handelt das RKI unwissenschaftlich. Bezogen auf die Testmenge vom Mai (ca. 400.000 p.W.) läge ein korrekter Inzidenzwert für Deutschland aktuell (Testmenge ca. 1.400.000 p.W.) bei 50 bis 80 je nachdem, wie der Anstieg der Testmenge gewichtet wird. Wahrscheinlich besteht Frau Merkel aber auf dem leicht zu beeinflussenden falschen Inzidenzwert, um sich und Herrn Spahn mehr Rückhalt beim Durchsetzen von nicht funktionierenden Maßnahmen zu verschaffen.

    • Es verwundert mich doch sehr, dass man einerseits schon jetzt einen schärferen Lockdown heraufbeschwört, andererseits aber ständig drauf abstellt, dass die vorliegenden Zahlen nicht valide wären.
      Auf Basis unzuverlässig erhobener Zahlen und eines steinzeitlich anmutenden Berichtswesens diesen Wahrheitsanspruch zu verbreiten, ist für mich langsam etwa ebenso seriös, wie die Vorhersagen einer Jahrmarktsweissagerin. Vor allem dann, wenn gleichzeitig die Kennzahlen, auf die sich bezogen wird, je nach Bedarf wechseln. Schlimm, dass wir im Moment einen Höchststand an Sterbefällen haben, zweifellos und unbestritten. Wer davon aber überrascht ist, sei daran erinnert, dass vor 2-3 Wochen ein Höchststand bei den Infektionen erreicht und die Entwicklung absehbar war.
      Dass nun ansteckendere Variante des Virus auftauchen überrascht? Selbst einem Laien in diesem Bereich ist klar, dass Viren mutieren, die Grippe zeigt es jedes Jahr. Dass sich ansteckendere Varianten schneller verbreiten, nun, wohl genau deshalb. Anstatt in blindem Aktionismus wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren und sich darüber zu beklagen, dass Reisende die neuen Varianten einschleppen (Hinweis: das ist schon seit Urzeiten so!), wäre es wohl sinnvoller, die Gefährlichkeit der neuen Varianten zu analysieren und dann gezielt Schlussfolgerungen zu ziehen.
      Genau hier liegt meine Kritik: Undifferenziert mit immer denselben Maßnahmen zu reagieren, anstatt valide Reportingstrukturen aufzubauen, detaillierte Analysen zu erstellen und zielgerichtete Maßnahmen abzuleiten. Dort, wo man Aussagen treffen könnte, werden sie unterdrückt aus Kalkül um Wählergruppen. Kein Entscheider, kein Controller im Unternehmen könnte sich sowas erlauben!
      Für mich ist das Krisenmanagement der Politik immer mehr die eigentlichen Katastrophe, abgesehen vom Impf-Desaster, das man nun schönzureden versucht,
      Irgendwann rächt sich eben, wenn wichtige Positionen ständig nach Parteidünkel statt Kompetenz besetzt werden.

    • Hallo,
      wenn alle religiösen und politischen Hardliner aufhören würden, Gebetsstunden und Treffen im privaten Umfeld mit zig-Personen zu veranstalten, wäre das Problem wohl deutlich kleiner. Hätte Deutschland beeits ab Mitte Dezember mit Nachdruck und ausreichend Impfstoff geimpft, wären wohl 20% der derzeitigen Todesfälle noch am Leben. Jetzt müssen wir alle unter den Fehlentscheidungen von Spahn und vor allem Merkel leiden.
      Natürlichn sind auch Großraumbüros ein Problem, aber allein im Büro ist die Gefahr geringer, als mit vielen zu hause.

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