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Aletta von Massenbach Eine Juristin soll den Hauptstadtflughafen BER aus der Krise führen

Aletta von Massenbach ist die erste Frau an der Spitze der Flughafengesellschaft FBB: Ihr soll nun gelingen, woran andere hochbezahlte Manager gescheitert waren.
20.05.2021 - 14:22 Uhr 2 Kommentare
Die Juristin sieht in ihrer Berufung zur neuen BER-Chefin eine „besondere Herausforderung, aber auch eine große Chance“. Quelle: dpa
Aletta von Massenbach

Die Juristin sieht in ihrer Berufung zur neuen BER-Chefin eine „besondere Herausforderung, aber auch eine große Chance“.

(Foto: dpa)

Berlin Die bisherige kaufmännische Geschäftsführerin Aletta von Massenbach wird neue Chefin der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB). Die 1969 geborene Managerin soll ab 1. Oktober die Geschäfte des Unternehmens führen, wie der Aufsichtsrat am Donnerstag entschieden hat. Sie folgt damit Engelbert Lütke Daldrup, der Ende September die FBB verlässt.

„Den BER aus der finanziellen Krise herauszuführen und zu einem erfolgreichen Flughafen für Berlin und Brandenburg zu machen ist eine besondere Herausforderung, aber auch eine große Chance“, sagte von Massenbach nach ihrer Berufung. Ihr Ziel sei es nun, mit dem gesamten Management, der FBB-Belegschaft, dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern „den BER nicht nur wirtschaftlich, sondern auch digital und ökologisch nachhaltiger aufzustellen“.

Von Massenbach war erst im vergangenen Jahr in das Unternehmen gekommen. Zuvor arbeitete die Juristin mehr als 20 Jahre für den Betreiber des Frankfurter Flughafens, die Fraport AG. Für Fraport leitete sie etwa den Flughafen in der peruanischen Hauptstadt Lima. Nach einem Post-Graduate-Studium in General Management an der European Business School übernahm sie für ihren Arbeitgeber Fraport weitere Führungsaufgaben und betreute weltweit Flughafenprojekte.

Im Jahr 2012 übernahm sie dann den Chefposten der beiden bulgarischen Flughäfen in Varna und Burgas. Ab 2015 leitete sie den Flughafen von Antalya in der Türkei. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland war Massenbach bis zu ihrem Wechsel nach Berlin im vergangenen Jahr an führender Position für Global Investments and Management bei Fraport zuständig.

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    Die Entscheidung für Massenbach sei „unter dem Gesichtspunkt der Bestenauslese“ erfolgt, sagte der Vorsitzende des FBB-Aufsichtsrats Rainer Bretschneider. „Frau von Massenbach mit ihrem breiten Erfahrungshorizont in der Flughafenbranche garantiert Stabilität und Zukunftsorientierung zugleich.“ Sie sei die richtige Wahl, um den BER aus der Krise in die Zukunft zu führen.

    Viele Lasten der Vergangenheit

    Von Massenbach steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnte der Flughafen nach jahrelangen Pannen im Herbst 2020 eröffnet werden. Doch nicht nur die Coronakrise mit hohen Umsatzeinbußen treffen den Airport hart. Auch Lasten der Vergangenheit mit hohen Baukosten sorgen dafür, dass die FBB noch bis etwa 2025 am Finanztropf der öffentlichen Hand hängt. Der Bau des BER war geprägt von Planungsfehlern, technischen Problemen und Baumängeln. Mehrere Male wurde die Eröffnung verschoben. Die Kosten für den Bau und den Schallschutz der Anwohner verdreifachten sich auf rund sechs Milliarden Euro.

    Die Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg haben bereits angekündigt, den Flughafen weiter finanziell zu stützen, und im März eine Patronatserklärung dazu unterzeichnet. Die FBB setzt in ihrem Businessplan auf Hilfen von rund 2,4 Milliarden Euro. Allerdings haben die Parlamente schon angekündigt, die Finanzhilfen sehr genau zu prüfen. Auch die EU muss noch grünes Licht geben.

    Entschuldung des Flughafens im Fokus

    Noch-Chef Lütke Daldrup, seit März 2017 Vorsitzender der FBB-Geschäftsführung, hatte im März den Aufsichtsrat um die vorzeitige Auflösung seines Vertrags gebeten. In einem Brief an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats verwies er darauf, seine Aufgabe mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme des BER sowie der Vorlage des neuen Businessplans 2021 erfüllt zu haben. Mit Vollendung des 65. Lebensjahres sei es „Zeit, den Weg für ein neues und qualifiziertes Führungsteam frei zu machen“. Nun gehe es darum, dass sich die FBB der Restrukturierung weiter intensiv widme.

    Mit Blick auf seine Nachfolge warb Lütke Daldrup für „personelle Kontinuität“. „Dafür geeignete Persönlichkeiten sind im Unternehmen vorhanden“, schrieb er im März dem Aufsichtsrat und meinte damit von Massenbach. Er freue sich, „dass die erste weibliche CEO an den großen deutschen Verkehrsflughäfen in der Hauptstadtregion antritt und Akzente setzen wird“, sagte er am Donnerstag. Lütke Daldrup selbst war auf die Ingenieure Karsten Mühlenfeld und Hartmut Mehdorn gefolgt, die vor allem am Zusammenspiel mit den drei Gesellschaftern gescheitert waren. Lütke Daldrup wusste stets die unterschiedlichen Interessen zu bedienen.

    Diese Herausforderung kommt nun auch auf Aletta von Massenbach zu. Ihre Berufung stößt überwiegend auf ein positives Echo. „Mit Aletta von Massenbach übernimmt eine ausgewiesene Luft- und Flughafenexpertin mit internationaler Expertise und Vernetzung die Chefposition beim BER“, sagte die Vizevorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Daniela Kluckert (FDP), dem Handelsblatt.

    Fachliche Expertise dringend nötig

    Nach Jahrzehnten der politischen Besetzung sei das „eine erfrischende Neuausrichtung“, sagte Kluckert weiter. „Wir hatten immer kritisiert, dass die hohen Positionen beim BER vor allem politisch und nicht fachlich besetzt werden.“ Der Flughafen BER brauche aber „dringend fachliche Expertise und muss auch finanziell neu aufgestellt werden“.

    Kritik kommt von den Grünen. „Die Staffelstab-Weitergabe an Frau von Massenbach ist ein Fehler“, urteilt der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Sven-Christian Kindler. „Sie ist Teil der Geschäftsführung der FBB und damit mitverantwortlich für die finanzielle Misere, in der sich der BER befindet.“
    Klaus-Heiner Röhl, Experte für Strukturpolitik und Mittelstand beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), hält von Massenbach dagegen für eine geeignete BER-Chefin. „Zukünftig müssen der wirtschaftliche Betrieb und eine Entschuldung des Flughafens im Mittelpunkt der Arbeit der Geschäftsführung stehen“, sagte der IW-Experte dem Handelsblatt. Insofern sei die Wahl der kaufmännischen Leiterin „durchaus sinnvoll“.

    Der Flughafen habe die Chance, für das Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung der Region nach der Krise starke Impulse zu setzen, sagte Sven Weickert, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). „Wir brauchen mehr Direktverbindungen in andere Länder und auf andere Kontinente.“ Zudem müsse von Massenbach daran arbeiten, das direkte BER-Umfeld für Unternehmensansiedlungen noch attraktiver zu machen. Angesichts der Entwicklungen rund um Tesla gebe es viel Potenzial.

    Mehr: Das waren die peinlichsten Pannen am BER

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    2 Kommentare zu "Aletta von Massenbach: Eine Juristin soll den Hauptstadtflughafen BER aus der Krise führen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Noch eine Juristin. Solange wir genug Juristen haben kann wohl nichts mehr schiefgehen. Was die Herrschaften produzieren macht ganz sicher den Erfolg des Landes aus.

    • Nicht nur der BER ist in Not!

      Vielen ist in Berlin nicht mehr zu helfen.

      Und da wird sich auch im 21. Jahrhundert recht herzlich wenig ändern.

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