Alfa will Ex-AfDler Das Werben hat begonnen

Mit seiner neuen Partei will Bernd Lucke enttäuschte AfDler um sich sammeln. Die große Austrittswelle aus der AfD bleibt bislang aber aus. Doch es gibt Abtrünnige, die mit Alfa liebäugeln. Ein Besuch in Brandenburg.
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Der ehemalige Parteichef der AfD, Bernd Lucke, hat eine neue Partei gegründet und hofft auf viele AfD-Abtrünnige. Quelle: dpa
Parteigründung der Alfa

Der ehemalige Parteichef der AfD, Bernd Lucke, hat eine neue Partei gegründet und hofft auf viele AfD-Abtrünnige.

(Foto: dpa)

Falkensee„Es wird schwer“, sagt Martin Henke. Vor ein paar Tagen hat der 44-Jährige einen Antrag ausgefüllt: Er will Mitglied der neu gegründeten Alfa-Partei von Bernd Lucke werden. Henke will die Partei in Brandenburg mit aufbauen. So etwas hat er schon mal gemacht – für die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD), Luckes erster Parteigründung.

Doch im vergangenen Jahr trat der Software-Entwickler aus dem brandenburgischen Falkensee aus. Er wirft der Partei „krude Thesen“ vor. Leicht werde es für Alfa in Brandenburg nicht, sagt Henke. Bei einer kleinen Partei komme es vor allem auf einen aktiven Kern an.

Dass es diese neue Partei gibt, ist das Ergebnis eines heftigen Machtkampfes. Über Wochen hatten sich Lucke und seine Widersacherin Frauke Petry einen erbitterten Streit um den künftigen Kurs der AfD geliefert. Lucke wollte sich von rechtspopulistischen Kräften abgrenzen. „Wie stark diese Strömung wurde, habe ich zu spät erkannt. Das ist mein Fehler“, sagte er dem „Spiegel“. Er hätte wohl öfter eine Botschaft an die Basis aussenden sollen. „Aber das hätte wahrscheinlich meinen baldigen Sturz bedeutet, und damit hätte ich die Partei erst recht nicht auf Kurs halten können.“ Lucke gestand ein, er sei in der AfD „gescheitert“, weil er radikale Mitglieder nicht genug bekämpft habe.

Petry und ihre Unterstützer aus dem rechten Lager steuerten aber in genau diese Richtung. Petry wurde zur neuen Vorsitzenden der Partei gewählt, Lucke trat aus. Am Wochenende gründete er gemeinsam mit rund 70 Anhängern die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa).

Kurz nach der Parteigründung beantragte Martin Henke über das Internet den Eintritt. Nach Alfa-Informationen gingen bundesweit bislang rund 2500 Anträge ein. Demnächst sollen die ersten Landesverbände gegründet werden. Knapp ein Jahr lang war Henke AfD-Mitglied, zeitweise auch Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Havelland. Im Frühjahr 2013 sei er wegen der damals anstehenden Bundestagswahl eingetreten, erzählt er. Mit den etablierten Parteien sei er unzufrieden gewesen.

„Das ist nicht mehr meine Partei“
Bernd Lucke
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Bernd Lucke hat sich verkalkuliert. Mit so einer deutlichen Niederlage auf dem Bundesparteitag (seiner) der Alternative für Deutschland hatte er nicht gerechnet. Seine Anhänger sprechen von einem Massenaustritt. Spekulationen über eine mögliche Partei-Neugründung unter Lucke machen die Runde. Fünf führende AfD-Politiker haben die Partei schon verlassen. Und der Grund ist nicht allein der Wahlsieg Frauke Petrys...

Hans-Olaf Henkel, Ex-Parteivize
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„Mit der Wahl Petrys zur alleinigen Parteisprecherin hat sich die Mehrheit der in Essen anwesenden Parteimitglieder nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und dem Verbreiten von Vorurteilen entschieden“, sagte Henkel zur Begründung.

Ulrike Trebesius, AfD-Europaabgeordnete
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usNach dem Sieg des nationalkonservativen Flügels der AfD beim Parteitag in Essen hat auch die AfD-Europaabgeordnete und schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ihren Austritt aus der Partei angekündigt. Dies sei nicht mehr ihre Partei, sagte Trebesius dem Sender NDR 1 Welle Nord. Derweil könnte die Entscheidung über einen kollektiven Austritt des wirtschaftsliberalen Parteiflügels noch diese Woche fallen.

Konrad Adam, Mitbegründer der AfD
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Auch wenn es vielleicht auf dem Foto von Samstag nicht so aussieht, Adam ist einer derjenigen, die den Ausstieg in Betracht ziehen. „Ich habe noch nicht entschieden, ich erwäge es aber“, sagte er. Er habe sich während des Bundesparteitages in Essen am vergangenen Wochenende sehr über die „Bierzeltparolen“ einiger Teilnehmer geärgert. Der neuen Parteivorsitzenden Frauke Petry warf er vor, sie predige zwar Basisdemokratie, sei aber dabei, die AfD in eine gut organisierte Kaderpartei zu verwandeln.

Uwe Zimmermann, Landesvorsitzender AfD Rheinland-Pfalz
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Auch der AfD-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz hat hingeschmissen: Uwe Zimmermann erklärte zusammen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern seinen Austritt aus der Partei. Grund sei Luckes Niederlage. Die drei Vorstandsmitglieder waren ebenfalls Unterzeichner des „Weckrufs“.

Bernd Kölmel, Vorsitzender AfD Baden-Württemberg
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Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte auch Kölmel am Montag an, die AfD zu verlassen. Kölmel begründete seine Entscheidung mit der Wahl von Petry zur Parteivorsitzenden und mit der Wahl weiterer Nationalkonservativer in den Bundesvorstand. „Ich fühle mich von diesem Vorstand nicht mehr repräsentiert“, sagte Kölmel. Zudem sei auf dem Bundesparteitag in Essen ein „politischer Stil“ gepflegt worden, den „ich nicht tolerieren kann“.

Joachim Starbatty, AfD-Parteivorstand
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Luckes Anhänger vom wirtschaftsliberalen Flügel hatten bereits am Wochenende angekündigt, in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt zu entscheiden. Für Ökonomie-Professor Starbatty ist die Entscheidung gefallen. Gründe nannte er nicht.

Wie ihm ging es vielen. Und lange Zeit ging es für die AfD steil nach oben. Aber schon bald folgten die ersten innerparteilichen Zerwürfnisse. Immer wieder machten Mitglieder mit rechtsextremen Ansichten von sich reden. Landesverbände zerstritten sich, es gab Parteiausschlussverfahren.

Auch für Henke folgte bald der Bruch. Ausgetreten sei er wegen eines strittigen Antrags auf Parteimitgliedschaft, sagt er. Ihm seien Details aufgefallen, die einem rechtsextremen Umfeld zugeordnet werden können. Der Vorstand habe beschlossen, den Antragsteller nicht aufzunehmen, im Nachhinein hätten sich einige aber über den Beschluss hinweggesetzt. „Demokratische Prozesse wurden hier nicht akzeptiert, das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Henke mit erregter Stimme.

Kein guter Start für Alfa
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