Alt-Bundespräsident Köhler Köhler begründet Rücktritt mit Angriffen

Der Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler Ende Mai 2010 erschütterte die politische Landschaft in Deutschland. Nun spricht er über die Gründe seines freiwilligen Abschieds.
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Alt-Bundespräsident Horst Köhler spricht über seine Gründe für den Rücktritt. Quelle: dpa

Alt-Bundespräsident Horst Köhler spricht über seine Gründe für den Rücktritt.

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HamburgGut ein Jahr nach seinem Rücktritt als Bundespräsident hat Horst Köhler sein Schweigen gebrochen und sich zu seinen Beweggründen geäußert. "Ich bin zurückgetreten, um Schaden vom Amt abzuwenden. Die Angriffe auf mich im Zusammenhang mit meinen Äußerungen über sicherheitspolitische Interessen Deutschlands waren ungeheuerlich und durch nichts gerechtfertigt. Es war die Rede von der Befürwortung von Wirtschaftskriegen und möglichem Verfassungsbruch", sagte Köhler der Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorabbericht.

Köhler fragte: "Kann man einem Bundespräsidenten angesichts der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts Schlimmeres vorwerfen?" Seine Äußerungen seien im Vorfeld der Diskussion über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr bewusst missverstanden und für parteipolitische auch innerparteiliche Ziele instrumentalisiert worden.

Wie es Köhler bis zum Staatsoberhaupt brachte
Karlspreis für Jean-Claude Trichet
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Horst Köhler ist zurück in der Öffentlichkeit: Am 2. Juni verfolgt der ehemalige Bundespräsident die Verleihung des Karlspreises an Jean-Claude Trichet. Nun hat sich der ehemalige Bundespräsident, der im Herbst und Winter 2010 mit weltweit renommierten Finanzexperten Empfehlungen für die G20 erarbeitete, erstmals detailliert zu seinem Rücktritt im vorigen Jahr geäußert. "Ich bin zurückgetreten, um Schaden vom Amt abzuwenden", sagte Köhler, der zur Zeit unter anderem eine Honorarprofessur an der Universität Tübingen inne hat, der Wochenzeitung "Die Zeit". In seiner Amtszeit hatte Köhler immer wieder zu politischen Debatten Stellung bezogen - und den Politzirkus in Berlin durcheinandergewirbelt. Köhlers Berufsweg begann bereits Ende der 1960er Jahre. Bilder einer eindrucksvollen Karriere.

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Seine Berufslaufbahn begann Horst Köhler 1969 als wissenschaftlicher Referent am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen. 1976 wechselte er in die Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums. Foto: ap

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Im Bundesfinanzministerium übernahm Köhler 1989 die Leitung der Abteilung Geld und Kredit. In dieser Funktion hatte er maßgeblichen Anteil an den Verhandlungen über eine Wirtschafts- und Währungsunion der beiden damals noch getrennten deutschen Staaten. Foto: ap

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Anfang 1990 wurde Köhler auf Vorschlag von Bundesfinanzminister Theo Waigel als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium berufen. Dort übernahm er die Zuständigkeit für die Währungspolitik, die Finanzbeziehungen zur EG und die Treuhandanstalt. Foto: picture-alliance

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Als Berater und Unterhändler von Bundeskanzler Kohl in allen internationalen Wirtschafts- und Finanzfragen handelte Köhler die Milliardenzahlungen für den Abzug der Sowjetarmee aus Deutschland aus sowie die deutsche Finanzhilfe für den Golfkrieg 1991. Auch der Ende 1991 in Maastricht ausgehandelte Vertrag über die Europäische Währungsunion lässt Köhlers Handschrift erkennen. Foto: picture-alliance

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Obwohl sich Köhler 1981 der CDU angeschlossen hatte und gegenüber Bundeskanzler Kohl strikte Loyalität bewies, wurde ihm doch stets ein hohes Maß an politischer Unabhängigkeit nachgesagt. So sei er zum Beispiel der Einzige im Ministerium gewesen, der immer wieder vor der ausufernden Staatsverschuldung warnte, außerdem gestand er später Fehler beim Einigungsprozess ein und nannte die Einführung der DM in Ostdeutschland eine "Sturzgeburt". Foto: ap

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Aus familiären Gründen kündigte Köhler im Oktober 1992 seinen Wechsel in das Amt des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) an. Foto: ap

Köhler war am 31. Mai 2010 mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Die Kritik an seinen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr habe "jeden Respekt" vor seinem Amt vermissen lassen, sagte er damals zur Begründung. Einige Tage zuvor hatte er nach einem Kurzbesuch in Afghanistan mit Äußerungen über wirtschaftliche Gründe für Bundeswehreinsätze für Wirbel gesorgt. Später stellte sein Sprecher klar, dass Köhler sich nicht
ausdrücklich auf Afghanistan bezogen habe, sondern auf den Kampf gegen die Piraterie.

Köhler machte nun deutlich, dass er sich nicht in das Amt gedrängt habe. "Ich habe mich für das Amt des Bundespräsidenten in die Pflicht nehmen lassen. Die Anfrage schmeichelte mir, aber 80 Prozent war Pflichtgefühl", sagte der Ökonom und frühere IWF-Chef. Jetzt führe er wieder ein "normales Leben". "Ich bin mit mir im Reinen und genieße manche Dinge, die ich vorher nicht hatte. Ich bin gerade dabei, meine Pläne für die kommende Zeit zu strukturieren. Es ist insoweit alles im grünen Bereich."

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5 Kommentare zu "Alt-Bundespräsident Köhler: "Die Angriffe auf mich waren ungeheuerlich" "

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  • Die Vorhaltungen ihm gegenüber waren vielleicht realistisch?
    Köhler ist mit sich im Reinen - nach wie vor fernab jeder Selbstkritik und fernab jeder realen Weltsicht. Mag er seinen Ruhestandt genießen, weit weg von jeder verantwortlichen Position!

  • Der staatstreue,demokratisch verankerte Bürger mit Vertrauen zu den hohen Institutionen ist nach dieser nachgelieferten Begründung von Herrn Köhler einigermaßen verwundert.
    Nachdem er in 2010 gerade in seinem Amt erneut bestätigt worden war,hätte er die Reaktionen auf seine sehr zugespitzte Interview-Aussage,nicht unbedingt als Beschädigung des Amtes werten müssen,sondern souverän seine Amtszeit zu Ende führen können.Das jedenfalls hätte Schaden vom Land ferngehalten.
    Dass er sein heutiges Leben ohne amtliche Pflichten geniessen mag,sei ihm gegönnt,dazu wird auch die persönliche Ausstattung nach dem Amt beitragen.

  • Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Es war die zweite Amtszeit von Herrn Köhler und da darf man schon erwarten, dass er sein Amt kennt und auch dazu steht. Hinwerfen ist da wirklich nicht der richtige Schritt gewesen. Ich hatte vor seinem Rücktritt eine sehr gute Meinung von Herrn Köhler. Danach aber nicht mehr. Andere können auch nicht einfach hinwerfen. Von Herrn Köhler hätte ich erwartet, dass er deutliche Worte findet.

  • Herr Köhler hatte die Realität(Kampf um Ressourcen) angesprochen und dafür haben ihm seine Mitspieler vors Schienbein getreten, weil sich so eine Äußerung nicht gehört. Schade, dass er nicht dazu steht, aber wer will schon ständig nur auf „der Bank“ sitzen.
    Die Piraterie als Entschuldigung ist etwas armselig oder meint Herr Köhler wirklich, dass diese Leute aus Abenteuerlust ihr Leben riskieren?

  • Was für ein gejammer. Da blies ihm ein mal der Wind ins Gesicht (für unglückliche Äußerungen, die bewusst uminterpretiert wurde) - und schon trat er zurück.
    Schaden vom Amt abwenden - dafür hätte er nur mal aufstehen und klare Worte finden müssen.
    Stattdessen sitzt da jetzt eine Polit-Marionette auf dem Stuhl - das hat ja super geklappt, mit dem Schaden abwenden.

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