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Alternative Verkehrskonzepte Mobilitätswende gefährdet zahlreiche Jobs in der Chemiebranche

Jede zehnte Stelle in der chemischen Industrie hängt am Auto, zeigt eine Studie. Doch nicht nur die Antriebe ändern sich, auch die Besitzverhältnisse.
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Die Mobilitätswende betrifft auch die Beschäftigten in der Kunststoffindustrie. Quelle: dpa
Elektroauto von Volkswagen

Die Mobilitätswende betrifft auch die Beschäftigten in der Kunststoffindustrie.

(Foto: dpa)

Berlin Durch die Mobilitätswende stehen nicht nur in der Automobilbranche selbst Arbeitsplätze auf dem Spiel. Auch in der chemischen und der gummi- und kunststoffverarbeitenden Industrie sind Jobs in Gefahr. Diese Branchen beschäftigten zuletzt 726.000 Mitarbeiter. Davon arbeiteten 2014 gut 127.000 in den Wertschöpfungsketten der Autoindustrie und stellten beispielsweise Lacke, Reifen, Dichtungen oder Leichtbaukomponenten her.

Dies zeigt eine noch unveröffentlichte Studie der Fraunhofer-Gesellschaft und der Stiftung Arbeit und Umwelt der Gewerkschaft IG BCE, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Demnach hängt in der chemischen Industrie etwa jeder zehnte Job am Auto, in der Kunststoffbranche ist es jeder fünfte.

Die stärkste Abhängigkeit mit rund einem Drittel der Arbeitsplätze zeigt die Gummiverarbeitung. Die Studienautoren gehen davon aus, dass nicht nur die Umstellung auf den Elektroantrieb die Automobilbranche grundlegend umwälzen wird, sondern auch Trends wie Shared Mobility die Kfz-Nachfrage beeinflussen.

Vor diesem Hintergrund haben sie die Verflechtungen der genannten Branchen mit der Autoindustrie untersucht. Da sie dabei auf sogenannte Input-Output-Tabellen zurückgreifen, die erst mit mehrjähriger Verzögerung vorliegen, stammen die jüngsten Daten aus dem Jahr 2014.

Die Autoindustrie ist damit nicht nur ein Jobmotor bei den Zulieferern. 2014 entfielen fast elf Milliarden Euro der Wertschöpfung der Chemie-, Kunststoff- und Gummi-Industrie auf die Fertigung von Vorprodukten für den Automobilbau. Allerdings zeigt die Studie auch die zunehmende internationale Verflechtung.

Von den Chemiebeschäftigten, die Vorprodukte für Autobauer fertigten, arbeitete im Jahr 2000 noch gut jeder zweite für in Deutschland produzierte Fahrzeuge. 2014 war es nicht einmal mehr jeder dritte. In den Gummi- und Kunststoffsektoren hängen acht von zehn der Zulieferjobs von der Autoproduktion in anderen europäischen Ländern ab. Da aber etwa die Klimaziele europaweit gelten, wird mit ähnlichen Trends wie in Deutschland auch in anderen Ländern gerechnet.

Chance auf neue Märkte

Natürlich bringe der Umbruch auch Chancen mit sich, heißt es in der Studie weiter. So eröffneten der Leichtbau, die Batterie- oder Brennstoffzellenentwicklung oder innovative Kompositwerkstoffe auch neue Märkte und Potenziale. Diese ließen sich aber nur heben, wenn Anreize für verstärkte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gesetzt und Mitarbeiter für neue Aufgaben qualifiziert würden.

So liegt der Anteil von Hilfskräften in der kunststoffverarbeitenden Industrie bei 22,4 Prozent, nur knapp sieben Prozent der Beschäftigten sind hochqualifizierte Experten.

Der Umbruch in der Autoindustrie beschäftigt nicht nur die IG BCE. Die IG Metall hatte vergangene Woche auf ihrem Gewerkschaftstag in Nürnberg ihr Bekenntnis zu den europäischen Klimaschutzzielen bekräftigt und ein Aktionsprogramm zur Mobilitäts- und Energiewende beschlossen.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem einen Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos, berufliche Perspektiven für Beschäftigte, deren Jobs bedroht sind und die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte. Klimaschutz im Verkehr dürfe aber nicht mit erzwungenem Verzicht auf Mobilität oder sozialen Schieflagen erkauft werden.

Auch die Bundesländer mit Automobilstandorten bereiten sich auf die Transformation vor, die jetzt auch noch von einem konjunkturellen Abschwung begleitet wird. In Thüringen geht am kommenden Montag bei der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) eine „Koordinationsstelle Automobilwirtschaft“ an den Start.

Zuletzt mehrere Insolvenzen

Sie soll Anlaufstelle für betroffene Unternehmen sein und Lösungsvorschläge erarbeiten. Unterstützt wird sie durch eine „Taskforce Automobilwirtschaft“, der Vertreter von Ministerien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbänden und der Arbeitsagentur angehören.

Nach einer Studie des Chemnitz Automotive Institute (CATI) arbeiten in Thüringen in der Antriebs- und Fahrwerksproduktion rund 19.000 Beschäftigte, zehn bis 15 Prozent dieser Jobs könnten aufgrund des Strukturwandels bis 2030 wegfallen.

Die Insolvenz von Firmen wie Mitec und JD Norman oder angekündigte Standortschließungen von Autotest oder Plastic Omnium in der Region Eisenach seien Alarmzeichen, sagt Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Die Sicherung von Arbeitsplätzen müsse jetzt oberste Priorität haben.

In einem Positionspapier fordert Tiefensee unter anderem ein Steuer- und Abgabenmoratorium, eine bessere Absicherung nach dem Jobverlust und eine Flexibilisierung des Beihilferechts, um die Transformation der Autoindustrie mit Liquiditätsbeihilfen oder Bürgschaften begleiten zu können.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will noch in diesem Monat den Entwurf für sein „Arbeit von morgen“-Gesetz vorlegen. Es sieht unter anderem höhere staatliche Zuschüsse bei Qualifizierungen und neue Regeln für Transfergesellschaften vor.

Mehr: Ein Quereinsteiger nach dem anderen scheitert am Elektroauto. Für die etablierten Hersteller ist das aber nur bedingt eine gute Nachricht.

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  • Diese Zeiten des Wandels werden weiterhin grosse Veränderungen in der Kette der Hersteller und Zulieferer mit sich bringen. Es werden aber auch neue Arbeitszweige, Berufswelten und Zulieferer in den Markt kommen. Für die neueste Technologie in der Elektromobilität kommt die Neutrinovoltaic und es wird sich grundlegend Vieles ändern. Die Berliner Neutrino Energy Group entwickelt revolutionäre Patente und Lizenzen zur Nutzung : Mit Hilfe der Neutrinovoltaic wird die Elektromobilität und Haushaltsenergieversorgung auf eine neue Form verbreitert, nämlich auf mit Hybrid-Ergänzung von Neutrinvoltaic-Kleinstkraftwerken für die Elektromobilität oder Energienutzung durch Neutrino Voltaic im Bereich mobile, dezentrale Haushaltsenergieversorgung. Das ist die moderne Zukunft mit Neutrino-Energy. Im Karlsruher Institut für Technologie werden dazu erste Meßergebnisse erwartet. Danach ist die Physik, die Politik und auch die Wirtschaft in Deutschland in der Lage, den in der Summe unglaublich großen Energiegehalt der Masse der Neutrinos, die uns in jeder Sekunde (mindestens 60 Mrd. pro cm² oder einfach vorstellbar je Fingernagel) auf unserer Erde völlig unschädlich und kostenlos erreicht, festzustellen. Die Verleihung der beiden Physik-Nobelpreise im Jahre 2015 für die Nachweise des Massegehaltes der Neutrinos war unter anderem der Auslöser für diese gigantische staatliche Investition. Am Karlsruher Institut beginnt damit die öffentlich staatlich-politische Anerkennung der Tatsache, daß Neutrinos einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung auf der Erde ohne jegliche klimaschädliche Emissionen übernehmen können. Dadurch ist auch für die Wirtschaft bzw. für alle Unternehmen, die sich an der Produktion der Neutrino-Energiewandler beteiligen oder diese in ihren Produkten verbauen möchten, eine gewaltige Hürde abgebaut. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wann die ersten Produkte, die NIE WIEDER eine Steckdose zum Laden oder zum Betrieb benötigen, auf den Markt kommen.