Altkanzler Gerhard Schröder Putins Feigenblatt

„Freund fragwürdiger Demokraten“, „politischer Opportunist“, „Gazprom-Diener“: Altkanzler Schröder gerät wegen seiner Geburtstagssause mit Putin unter heftigen Beschuss. Die SPD sieht das Treffen dagegen auch positiv.
Update: 29.04.2014 - 12:24 Uhr 33 Kommentare
Putin (l.) und Schröder: Seit Jahren befreundet. Quelle: Reuters

Putin (l.) und Schröder: Seit Jahren befreundet.

(Foto: Reuters)

BerlinMit scharfer Kritik haben CDU, Grüne und FDP darauf reagiert, dass Altkanzler Gerhard Schröder mitten in der Ukraine-Krise seinen 70. Geburtstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgefeiert hat. Die Bundesregierung reagierte schmallippig. Nur in der SPD kann man dem Treffen sogar etwas Positives abgewinnen.

Es habe „keinerlei Auftrag der Bundesregierung an den Altkanzler“ gegeben, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Berlin. Schröder sei „erkennbar aus der aktiven Politik ausgeschieden“, hieß es weiter.

Schröder bekleide kein öffentliches Amt, daher könne er nicht bewerten, wer ihm zum 70. Geburtstag gratuliert. „Wichtig scheint mir hingegen, dass deutsche Gesprächspartner Präsident Putin die Sorgen und Ängste der Menschen in Bezug auf die Sicherheit in Europa erläutern“, sagte dagegen der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, Handelsblatt Online.

„Der ehemalige Bundeskanzler Schröder hat an den Regeln und Normen der Europäischen Friedensordnung mitgewirkt“, sagte Mützenich weiter. Er denke daher, dass er ein „nachhaltiges Interesse“ habe, diese Prinzipien zur Geltung zu bringen. „Wenn er dies in einem persönlichen Gespräch erläutern kann, wäre ein solcher Inhalt hilfreich“, betonte Mützenich.

Schröders Feier mit dem Kremlchef
Former German chancellor Gerhard Schroeder birthday reception in
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Herzen unter Freunden: Zu Ehren des Altkanzlers kam Putin am Montag in St. Petersburg vorbei, um Schröders Geburtstag nachzufeiern. Der SPD-Politiker war am 7. April 70 Jahre alt geworden.

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Putins Wagenkolonne sei am Abend am Jussupow-Palais in der früheren Zarenhauptstadt vorgefahren, berichteten lokale Medien in St. Petersburg.

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Warten auf Wladimir: Mit dabei war auch Matthias Warnig (3. v.l.), Managing Director der North Stream AG. Das Konsortium, das vom russischen Energieriesen Gazprom dominiert wird, soll den Empfang ausgerichtet haben.

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North Stream betreibt die gleichnamige Ostsee-Pipeline. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses. Legendär geworden ist Schröders Zustimmung zu dem Satz: Putin sei ein lupenreiner Demokrat.

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Auch Gazprom-Chef Alexej Miller (Mitte) war unter den Gästen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) wollte ebenfalls an dem Empfang teilnehmen.

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Gemeinsamer Einmarsch in den Palast: Aus der FDP kam bereits scharfe Kritik an Schröders Verhalten. „Vor dem Hintergrund des eindeutig völkerrechtswidrigen Verhaltens Russlands in der Ukraine lässt sich eine Geburtstagssause mit dem russischen Präsidenten durch Nullkommanichts rechtfertigen“, sagte Michael Theurer, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der baden-württembergischen FDP, zu Handelsblatt Online.

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„Zur Ehrenrettung Schröders und des deutschen Ansehens bei unseren europäischen Nachbarn bleibt zu hoffen“, sagte Theurer weiter, „dass der Altkanzler den russischen Präsidenten davon überzeugt, dass die russischen Panzer den Rückwärtsgang einlegen“.

Der frühere Russlandbeauftragte und heutige Vizevorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Andreas Schockenhoff, sagte „Spiegel Online": „Es ist für einen Staatsmann, der nicht mehr politisch aktiv ist, völlig unverantwortlich.“ Weiter sagte der CDU-Politiker, der seit Jahren zu den Kritikern Putins gehört: „Die Kanzlerin und der Außenminister bemühen sich seit Wochen, die Ukraine zu stabilisieren und die EU geschlossen zu halten. Putin hingegen versucht, die Ukraine zu destabilisieren und die EU auseinanderzudividieren. Bilder, wie sie jetzt auf der Geburtstagsfeier des Altkanzlers in St. Petersburg entstanden sind, spielen Putins Propaganda in die Hände - das weiß auch Herr Schröder, das hat er auch zu verantworten.“

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33 Kommentare zu "Altkanzler Gerhard Schröder: Putins Feigenblatt"

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  • Dass der Herr Schröder in dieser Situation die Gelegenheit ergreift und mit Putin spricht ist richtig. Jedoch kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Herr Schröder auch nur eine Schachfigur in Putins Spiel ist, und dieser die vielzitierte "Freundschaft" nur zu seinen Gunsten nutzt: Schröder hat in Paris die OSZE ins Spiel gebracht. Tatsächlich sind OSZE-Beobachter dann auch losgeschickt worden. Der Termin für die Geburtstagsfeier wird wohl auch Putin schon seit mehreren Wochen bekannt gewesen sein, sowie die Anwesenheit der Pressevertreter. Was liegt es näher für Wladi, über "drei Ecken" die Festsetzung der Beobachter anzuordnen, die charakterlichen Eigenschaften Schröders kennend und wohl wissend dass dieser Putin um die Freilassung bitten würde, da auch dessen Glaubwürdigkeit in Sachen OSZE auf dem Spiel stehen würde. Schröder wird in meinen Augen von Putin als Spaltpilz für den Westen benutzt, auch in dieser Situation. Putins Botschaft an den Westen:"Seht her, ich spreche kurz mit Gerhard, und alles ist in kürzester Zeit gut, während ihr Politiker nicht in der Lage seid, Ergebnisse zu liefern." Ein perfides Spiel auf den Knochen der OSZE-Beobachter.

  • Ich stimme ihrem Kommentar in vollem Umfang zu.

  • Altkanzler Schröder sei Dank. Ohne seine Vermittlungsbemühungen bei Präsident Putin würden die Geiseln
    aufgrund des Geschreis der hiesigen Kriegstreiber auf Geheiß der U.S.Spekulanten noch wochenlang in Haft bleiben.Die Berliner Polit-Statisten sind Zuschauer, und versuchen uns Bürger mit Lügen und fadenscheinigen Argumenten für dumm zu verkaufen.Geben wir Ihnen die Quittung für ihre Unfähigkeit bei den Europawahlen.

  • Wenn die Freundschaften eines Exkanzlers Schröder zu Putin so wichtig ist für unser Land, wieso wird dann nicht einmal die Freundschaft der aktiven Kanzlerin Merkel zur ukrainischen Oligarchin Timoschenko beleuchtet, wieso wird dann nicht einmal die Freundschaft des Exaußenministers Genscher zum Oligarchen Chodorkokski, den er erst vor kurzem in den Westen holte, betrachtet?

  • Ach, die KRIM? Diese war, ist und bleibt russisch! Keine Regierung Russlands - ob diktatorisch, demokratisch oder monarchisch - also kein Russe wird jemals die KRIM kampflos der NATO überlassen!!! Denk doch einfach mal nach, und versuche wenigstens ansatzweise die Haltung des Gegenüber einzunehmen, dann verstehst du mehr!
    Wer diesen Ukraine-Konflikt angezettelt, geschürt und massiv gefördert hat, war (für dich: leider) nicht Herr Putin!

  • Schröder und Steinmeier sind der Albtraum der osteuropäischen Staaten. Jetzt darf der Ex-Bundeskanzler seine Neigungen und Freundschaften ausleben. Es ist schon erschreckend, wie Schröder die Aktionen russischer Spezialkräfte in der Ukraine und im Kaukasus negiert. Schröder ist nicht besser als Snowdon. Schröder fällt der NATO und den USA in den Rücken. Man müsste ihn auch auf die Sanktionsliste der USA setzen.

  • Sehr richtig!!! Endlich mal ein Kommentar historisch und rechtlich fundiert dargelegt. Bitte veröffentlichen, damit solche Dilettanten wie der Autor dieses Hetz-Artikels endlich was gscheites zu lesen kriegen....

  • Du Pfeife! Der Jugoslavien-Feldzug der NATO war ja DAS demokratische Mittel um ein Land endgültig zu zerstören und für Jahrhunderte in die Barbarei zu schicken! IHR habt Jugoslavien vernichtet als Rache für 1942-44. IHR habt ALLE moralischen und rechtlichen Grenzen ad Absurdum geführt; nicht nur im Irak und Jugoslavien sondern überall auf der Welt!
    IHR seit die Agressoren, die sich schamlos an den Rohstoffen der armen Länder bereichern!
    Und jetzt kommt ihr und hängt den Moralisten raus???
    Haltet euer Schandmaul und überlasst die Drecksarbeit wenigstens den Briten und Franzosen. Die sind seit Jahrhunderten Profis in dem Geschäft... Und keine Dilettanten wie ihr....

  • Zitat Trollinger:""...die Russen marschieren über alle Grenzen"."In die Ukraine? Wo und wann war das denn?" Wie wär's mit der Krim? Natürlich waren es keine regulären Truppen, naaahhheiiinn, natürlich nicht. Völlig demokratischer Volksentscheid mit vorgehaltener Waffe. Absolut demokratisch.ChrrrrChrrrChrrr.
    Zitat Beck:"„Ich hoffe, die Begegnung Putin/Schröder diente vor allem der Freilassung der OSZE-Mission in der Ostukraine.“
    Das hoffe ich auch.

  • "...die Russen marschieren über alle Grenzen".
    In die Ukraine? Wo und wann war das denn?
    Dagegen spionieren DEUTSCHE ARMEE-ANGEHÖRIGE in der Ost-Ukraine - und wurden dabei ertappt!

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