Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Analyse des Umweltministeriums Sauberere Autos, sauberere Luft: Deutschlands Luftqualität verbessert sich

Die Deutschen atmen wieder bessere Luft. Die Schadstoffbelastung sinkt, vor allem dank moderner Fahrzeugflotten. Aber auch Fahrverbote wirken.
11.02.2020 - 19:50 Uhr Kommentieren

Schulze fordert weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität

Berlin Die deutsche Umweltpolitik wirkt. Das sagt zumindest der Präsident des Umweltbundesamts (UBA), Dirk Messner. Gemeinsam mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat er am Dienstag eine erste Jahresauswertung der 2019 gemeldeten Luftdaten vorgestellt.

Denen zufolge steigt die Luftqualität in Deutschlands Städten. Vor allem gelangt weniger Stickstoffdioxid (NO2) in die Lungen der Bundesbürger. Gegenüber 2018 hat sich die Anzahl der Städte, die den geltenden Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel überschreiten, etwa halbiert. Auch in Sachen Feinstaubbelastung gab es 2019 Fortschritte: Erstmals haben deutschlandweit alle Messstationen die geltenden Grenzwerte eingehalten.

Umweltministerin Schulze spricht von einem „beachtlichen umweltpolitischen Erfolg“. Messner stimmen die Daten optimistisch. Es sei erfreulich, dass die Luft besser wird, und zeige eben, dass sich die umweltpolitischen Bemühungen der letzten Jahre bezahlt machen. „Bund, Länder und Kommunen, die viel für bessere Luft investiert haben, können den Erfolg nun an niedrigeren Messwerten ablesen“, erklärte der UBA-Präsident.

Wenigstens in Teilen bemerkenswert ist auch die Begründung für den Rückgang der Belastung. Tatsächlich haben lokale Maßnahmen, darunter die umstrittenen Diesel-Fahrverbote sowie Tempolimits, Wirkung gezeigt. Ein bis zwei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter konnten aber vor allem durch neue Fahrzeugflotten, allen voran den Euro-6d-temp-Diesel, sowie Softwareupdates eingespart werden. Im Gegensatz zu alten Diesel-Pkws, dem Hauptverursacher der Stickstoffdioxide im städtischen Raum, ist der neuere Euro-6d-temp-Diesel weitaus sauberer unterwegs.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Wir hätten schon längst die Grenzwerte in den Städten einhalten können, wenn bereits ältere Diesel-Pkws sauber gewesen wären“, so UBA-Präsident Messner. „Und zwar nicht nur auf dem Prüfstand, sondern real auf der Straße.“

    Rundum sauber ist die heimische Luft, so zeigt der Blick in Daten, noch lange nicht. Schon zum jetzigen Zeitpunkt der Auswertung weist die Liste des Umweltbundesamts 19 Städte mit zu hohen NO2-Werten aus. Vor allem München (63 Mikrogramm), Stuttgart (53 Mikrogramm), Kiel (49 Mikrogramm) und Berlin (48 Mikrogramm) haben mit Abgasen zu kämpfen. Bis die Behörde alles vollständig ausgewertet hat, könnten 26 weitere Städte dazukommen, etwa Darmstadt, Düren oder Bonn.

    Hier war die Belastung auch 2018 besonders hoch, mit einem Ergebnis für 2019 ist allerdings erst im Mai zu rechnen. Der Grund: In den bislang fehlenden Städten messen sogenannte Passivsammler über Prüfröhrchen die Schadstoffe aus der Luft. Anders als automatisierte Messstationen, deren Daten sofort bereitstehen, müssen diese Röhrchen erst eingesammelt und im Labor analysiert werden. Insgesamt sammelt und bewertet das Umweltbundesamt die Messdaten von über 500 Messstationen, wovon rund 140 Passivsammler sind.

    Keine Entwarnung bei Fahrverboten

    2018 lieferte noch fast die Hälfte aller verkehrsnahen Messstationen zu hohe NO2-Werte, 2019 waren es nur noch rund 20 Prozent. Zwölf Städte haben von 2018 auf 2019 die Liste der grenzwertüberschreitenden Städte verlassen, darunter Nürnberg, Leverkusen und Augsburg. Besonders drastisch konnte Freiburg im Breisgau seine Stickoxid-Belastung senken: Hier ist das NO2 2019 auf 36 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gesunken. Das sind um 14 Mikrogramm weniger als im Jahr davor.

    Die Automobilindustrie zeige nun – wenn auch deutlich zu spät –, so Umweltministerin Schulze, dass die eingeforderten Grenzwerte auch technisch umsetzbar seien. „Ich möchte an alle Automobilhersteller appellieren, wichtige Signale in den Markt zu senden und sich an der Nachrüstung alter Dieselfahrzeuge zu beteiligen“, so Schulze.

    Das hätte laut UBA auch positive Auswirkungen auf die Feinstaubbelastung. Auch wenn 2019 das am geringsten belastete Jahr seit Beginn der Messungen Ende der 1990er-Jahre war, gibt es dringenden Handlungsbedarf. 13 Prozent aller Feinstaub-Messstationen in Deutschland halten den Richtwert für die Feinstaubbelastung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch nicht ein. Bei den Ultra-Feinstaubartikeln liefern ganze 98 Prozent der Stationen zu hohe Daten.

    „Feinstaub ist ein deutlich größeres Gesundheitsproblem als Stickstoffoxide. Die Grenzwerte für Feinstaub sind mittlerweile mehr als 20 Jahre alt und bedürfen dringend einer Anpassung an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der WHO“, sagt Dirk Messner.

    Entwarnung bei Dieselfahrverboten und Tempolimits möchte Schulze daher noch nicht geben. Man müsse sich die „lokalen Gegebenheiten im Detail ansehen“, so die Ministerin. „Die Städte und Kommunen wissen, was sie machen müssen, und wir sehen ja, dass die Maßnahmen wirken.“

    Anders sieht das der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Achim Dercks. Besonders Betriebe seien von den bisherigen Fahrverboten stark betroffen gewesen und hätten hohe Umsatzverluste hinnehmen müssen. Dank der rückläufigen Emissionszahlen würden die Fahrverbote nun aber „zum Glück an Bedeutung verlieren“, Städte könnten ihre Abgaswerte durch „nachhaltigere Mittel“ wie digitale Verkehrssteuerung, besseren ÖPNV oder die Förderung alternativer Antriebe verbessern.

    Mehr: Die CSU stellt sich mit einer Kampagne gegen ein Tempolimit. Das Umweltbundesamt argumentiert dagegen und weist dabei auf einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch hin.

    Startseite
    Mehr zu: Analyse des Umweltministeriums - Sauberere Autos, sauberere Luft: Deutschlands Luftqualität verbessert sich
    0 Kommentare zu "Analyse des Umweltministeriums: Sauberere Autos, sauberere Luft: Deutschlands Luftqualität verbessert sich"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%