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Kräne im Morgenrot

Die Kapazitäten in der Bauwirtschaft sind ausgelastet. Deswegen sind in diesem Bereich kaum Konjunkturimpulse möglich.

(Foto: dpa)

Analyse zum Ifo-Index Was jetzt noch gegen die drohende Rezession hilft

Wirtschaftsdaten zeigen: Es gibt kaum mehr einen Zweifel daran, dass sich die Konjunktur im Abschwung befindet. Mehr noch: Es droht eine Rezession. Doch noch gibt es Instrumente dagegen.
Update: 25.07.2019 - 17:01 Uhr 2 Kommentare

Frankfurt Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli deutlich gesunken – auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Damit ist das wichtigste Barometer für Lage und Erwartungen deutscher Unternehmen in den vergangenen elf Monaten zehnmal gefallen.Dienstleistungsgewerbe und Bau halten sich zwar noch gut, aber auch dort trüben sich die Erwartungen ein.

In der Industrie wird das Bild dagegen immer desolater, nicht nur laut Umfragen, sondern auch bei den harten Daten wie Auftragseingang und Produktion. Weil das verarbeitende Gewerbe einen großen Teil seiner Nachfrage im Ausland findet, macht sich hier die weltweite Konjunkturabschwächung zuerst und besonders stark bemerkbar. Die Datenlage lässt kaum noch ernsthafte Zweifel zu, dass sich die Konjunktur im Abschwung befindet. Was droht, ist nicht nur eine Delle, wie eine solche Situation gerne schönfärberisch genannt wird. Es droht eine Rezession.

Die Aussicht auf einen konfrontativen Austritt der Briten aus der EU und die fortgesetzten Angriffe der Regierung von US-Präsident Donald Trump auf den Freihandel in Form von Zöllen und Handelssanktionen geben wenig Anlass, die starke Klimaeintrübung für vorübergehend zu halten.

Auf den Dienstleistungssektor und den Bau sollte man sich als Konjunkturstütze keinesfalls verlassen. Die Kapazitäten im Bau sind ausgelastet, und neue werden mit Aussicht auf eine Rezession kaum geschaffen. Handel und sonstige konsumnahe Dienstleistungen sind notorische Nachläufer.

Die Leute haben aufgrund der guten Beschäftigungsgewinne und Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre mehr Geld in der Tasche und geben es aus. Diese Quelle zusätzlicher Nachfrage wird aber versiegen, wenn der Jobaufbau weiter erlahmt und die Spätwirkungen der in guten Zeiten geschlossenen Tarifverträge auslaufen.

Die Geldpolitik kann zwar helfen, aber nur begrenzt. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat am Donnerstag bereits signalisiert, dass seine Notenbank den Leitzins bald weiter senken dürfte. Das trägt bereits dazu bei, die Preise von Aktien und anderen Vermögenswerten zu stabilisieren.

Die Konjunktur wird dadurch aber allenfalls indirekt gestützt. Bei den Zinsen in Deutschland ist nicht mehr viel Bewegung zu erwarten, da sowohl die Anleiherenditen als auch die Kreditzinsen schon extrem niedrig sind. In anderen Ländern der Währungsunion, insbesondere in solchen, die wie Italien unter Druck stehen, würde eine Zinssenkung der Zentralbank die Zinsaufschläge gegenüber Deutschland drücken. Auch das hilft der Konjunktur in Europa und damit auch in Deutschland.

Aber um direkt und durchschlagend etwas zur Stabilisierung der deutschen Konjunktur zu tun, ist vor allem die Bundesregierung mit ihrer Finanzpolitik gefragt. Wenn sie jetzt aktiv wird, um die Konjunktur zu stabilisieren, kostet das zwar Geld. Mittelfristig ist das trotzdem besser für die Staatsfinanzen, als nichts zu tun. Denn es vermindert das Risiko, dass später die Steuereinnahmen einbrechen und die Ausgaben für Unterstützungsleistungen zum Beispiel für Arbeitslose deutlich ansteigen.

Auch wenn bei den Infrastrukturausgaben großer Nachholbedarf besteht, kann dort kaum der Schwerpunkt zusätzlicher Staatsausgaben liegen. Denn Investitionen dauern in diesem Bereich zu lange, und es fehlen Kapazitäten. Die Behebung des Investitionsstaus in diesem Bereich ist eine Langfristaufgabe.

Einen großen und schnellen Effekt auf die Konjunktur haben Personalausgaben. Dort gibt es weniger Kapazitätsbeschränkungen und ebenfalls sehr viel Nachholbedarf. Pflegekräfte verdienen eklatant zu wenig, deshalb herrscht akuter Personalmangel. Es werden zu wenig Ärzte ausgebildet. Es fehlt an Kinderbetreuungsplätzen und -kräften. Diese Liste ließe sich fortsetzen.

Wenn der Wille da ist, lässt sich all das ziemlich schnell verbessern. Es würde die Kaufkraft ersetzen, die in der Industrie und bei ihren Zulieferern verloren geht. Es würde große Defizite in Lebensbereichen beheben, die für die Bürger zu den wichtigsten überhaupt zählen: Altern in Würde, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Zugang zu anständiger Gesundheitsversorgung für alle. Und es würde dazu beitragen, das unvermeidliche Abschmelzen des extrem hohen Überschusses im deutschen Außenhandel konjunkturverträglich zu bewältigen.

Es würde allerdings vom Finanzminister verlangen, das Ziel der schwarzen Null beiseitezulegen und den großen Spielraum zu nutzen, den die gute Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der vergangenen Jahre geschaffen hat. Die Begründung dafür, sich bei den Ausgaben zurückzuhalten, trotz hoher Einnahmen, war stets: Damit werden Spielräume für schlechte Zeiten geschaffen. Wenn dann die Konjunktur wieder läuft, ist Zeit zu entscheiden, mit welchen Einnahmeerhöhungen oder Kürzungen andernorts die dauerhaften Mehrausgaben – soweit nötig – kompensiert werden.

Mehr: Die Meldung zu den neuen Zahlen des Ifo-Instituts finden Sie hier.

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Mehr zu: Analyse zum Ifo-Index - Was jetzt noch gegen die drohende Rezession hilft

2 Kommentare zu "Analyse zum Ifo-Index: Was jetzt noch gegen die drohende Rezession hilft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Edelgard Kah Ein Staat muss sich Antizyklisch verhalten. Das steht in jedem drittklassigen Lehrbuch über Makroökonomie. Natürlich können sie versuchen da jetzt irgendwelche Sachen rauszupicken, nur sollten sie sich fragen was am Ende ihres Klein Klein steht. Das Ausland kann nicht mehr über den Außenhandel für den nicht vorhandenen Ökonomischen Sachverstand der Deutschen herhalten.

  • Sehr geehrter Herr Häring,

    Konjunkturpolitik ist wirklich ein Kinderspiel. Man schreibt eine Wunschliste auf und behauptet dann ohne rot zu werden, all diese Maßnahmen stützen die Konjunktur.

    Nehmen Sie als Beispiel Ihren Vorschlag, mehr Ärzte auszubilden. Also mehr Studienplätze für Mediziner? Kostet Ihre Einrichtung wegen der notwendigen Praktika in den Kliniken nicht vielleicht doch lange Zeit? Und geben die neuen Medizinstudenten mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf? Mehr als sie ohne Aufnahme des Medizinstudiums ausgegeben hätten?

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