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Andreas Gassen im Interview Das Termingesetz von Gesundheitsminister Spahn bringt den Ärzten „jede Menge Ärger“

Andreas Gassen ist Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Das Termingesetz von Jens Spahn sieht er kritisch. Er appelliert vielmehr für offene Sprechstunden.
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Gassen ist Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Quelle: dpa
Andreas Gassen

Gassen ist Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

(Foto: dpa)

Herr Gassen, der Gesundheitsminister verspricht den Ärzten ein sattes Honorarplus. Dennoch machen sie gegen das Termingesetz mobil. Warum?
Die zusätzliche Vergütung verliert ihren Glanz, wenn man sie auf die Einzelpraxis runterrechnet. Dafür haben die Ärzte aber jede Menge Ärger, müssen Praxisabläufe ändern oder gar eine neue Sprechstundenhilfe einstellen.

Sie wollen also noch mehr Geld?
Nein. Die Ärzte verbittert, dass in die über Jahrzehnte bewährte Organisationsstruktur ihrer selbstständig geführten Praxen eingegriffen wird. Zudem wird suggeriert, dass niedergelassene Ärzte nicht genug arbeiten. Dabei arbeiten sie im Schnitt über 50 Wochenstunden – viel mehr als die 25 Sprechstunden pro Woche, die Spahn als Mindestgrenze festschreiben will. Das wird von der Ärzteschaft als ehrabschneidend empfunden.

Eine Frage der Ehre – lässt sich da ein Kompromiss finden, wenn mit diesen Kategorien gearbeitet wird?
Es ist ja nicht alles schlecht an dem Gesetz. Spahn hat erkannt, dass es für mehr Leistung auch mehr Geld geben muss. Das ist gut und richtig. Allerdings setzt er zu viel auf Zwangslösungen. Das ist nicht akzeptabel.

Was sollte Spahn denn ändern?
Vielleicht muss er gar nicht so viel ändern. Im Grunde geht es um eine gewünschte Komfortverbesserung für gesetzlich Versicherte, die schneller einen Arzttermin bekommen sollen. Dies ließe sich auch erreichen, indem bisher zwingend vorgeschriebene Regelungen wie offene Sprechstunden als freiwilliges Angebot eingeführt werden. Wenn Ärzte das anbieten wollen, werden sie besser vergütet. Wenn nicht, dann nicht. Das Gesetz bekäme dann einen ganz anderen Zungenschlag.

Glauben Sie, dass das Terminproblem mit Freiwilligkeit gelöst werden kann?
Zunächst widerspreche ich vehement, dass wir bei den Wartezeiten ein Problem haben. Der internationale Vergleich zeigt: Das ist klagen auf allerhöchstem Niveau. Und Zwangsmaßnahmen wären eher kontraproduktiv: Jeder dritte Hausarzt in Deutschland ist über 60. Wenn davon nur ein gewisser Prozentsatz aus Frust die Brocken hinschmeißt, dann bekommen wir ein echtes Versorgungsproblem.

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