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Andreas Westerfellhaus Pflegebeauftragter will ausländische Fachkräfte in ihrer Heimat für Tätigkeit in Deutschland schulen

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung spricht im Interview über Fachkräfte aus dem Ausland gegen den Notstand der Branche und die Kosten der Pflegeoffensive.
02.07.2018 Update: 02.07.2018 - 19:38 Uhr Kommentieren
„Die Aufwertung des Pflegeberufs ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe.“ Quelle: imago/epd
Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftragter der Bundesregierung

„Die Aufwertung des Pflegeberufs ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe.“

(Foto: imago/epd)

Andreas Westerfellhaus ist seit März Pflegebeauftragter der Bundesregierung. Der gelernte Krankenpfleger und frühere Präsident des Deutschen Pflegerats kämpft dafür, den Beruf aufzuwerten – auch wenn das viel Geld kostet.

Herr Westerfellhaus, können die Personalprobleme in der Pflege mit Fachkräften aus anderen Ländern gelöst werden?
Ich denke, Pflegefachkräfte aus dem Ausland können einen Teil dazu beitragen. An erster Stelle ist für mich natürlich wichtig, dass sich die Arbeitsbedingungen für die Pflegenden in Deutschland verbessern. Damit wird es letztlich aber auch attraktiver für Pflegekräfte aus anderen Staaten, bei uns eine Tätigkeit aufzunehmen.

Viele können sich zwar grundsätzlich vorstellen, eine Zeit lang, vielleicht auch auf Dauer in Deutschland zu arbeiten. Allerdings sehen sie die personelle Unterbesetzung in Pflegeeinrichtungen. Und zu oft finden sie eher Assistenztätigkeiten vor, für die sie sich in ihrer Heimat zu hoch qualifiziert haben.

Grundsätzlich gilt: Wer sich auf den Weg zu uns macht, um hier in der Pflege zu arbeiten, muss eine vernünftige Bezahlung, einen qualifikationsgemäßen Einsatz und Angebote zur Integration erhalten.

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    Sollte Deutschland gezielt Pflegekräfte aus dem Ausland anwerben?
    Dem müssen wir mit sehr viel Vorsicht gegenübertreten. In der Pflege herrscht auch in anderen Staaten ein Mangel, den wir mit gezielten Abwerbeversuchen nicht vergrößern dürfen. Allerdings können sich Win-win-Situationen ergeben.

    In vielen asiatischen Ländern etwa spielt die geriatrische Versorgung wegen der alternden Gesellschaft eine zunehmende Rolle, derzeit fehlen dort aber noch Qualifizierungswege. Warum sollten nicht Aufenthalte in Deutschland dazu führen, dass ausländische Kräfte später mit neuen Kompetenzen zurückkehren und diese in ihrer Heimat nutzen können ...

    Also eine Art Arbeitsprogramm auf Zeit.
    Ich möchte nicht gleich von „Programm“ sprechen, das klingt so dogmatisch. Der Ausgang soll offen sein für diejenigen, die am Ende bleiben wollen. Aber anstatt nur Arbeitskräfte abzuziehen, würden solche Angebote den gemeinsamen Austausch fördern. Es gibt Länder, in denen sehr viele Pflegefachkräfte ausgebildet werden, zum Beispiel in Vietnam weit über dem Bedarf. Die stehen nach einer guten Ausbildung eher vor der Frage der Arbeitsplatzsuche.

    Es wäre ein wichtiger Schritt, schon während der Ausbildungsphase im Heimatland eine Qualifizierung mit Blick auf eine mögliche Tätigkeit in Deutschland anzubieten. Dazu gehören Sprachkenntnisse ebenso wie die für die Berufsausübung in Deutschland notwendigen Inhalte.

    Die bürokratischen Hürden für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland sind aber hoch.
    Wir müssen die Berufsanerkennungsverfahren sehr viel stärker verschlanken. Natürlich muss sichergestellt sein, dass da, wo Pflegefachkraft draufsteht, auch Pflegefachkraft drin ist. Außerdem sind Sprachkenntnisse auf dem hohen Niveau B2 erforderlich.

    Wegen der Einzelfallprüfungen auf Gleichwertigkeit der ausländischen Berufsabschlüsse dauern die Verfahren aber immens lange, sodass manchem die Lust auf eine Tätigkeit in Deutschland verloren geht. Man könnte doch auch mit Universitäten und Ausbildungsstätten in anderen Ländern zusammenarbeiten, deren Curricula nach deutschen Standards überprüft werden und nach dem Abschluss in Deutschland mit einem dann standardisierten Anpassungslehrgang automatisch anerkennungsfähig sind.

    Bislang unterscheiden sich die Anerkennungswege je nach Bundesland. Brauchen wir ein einheitliches Verfahren?
    Das wäre mehr als begrüßenswert, denn wir haben ja keine Unterschiede zwischen einem Fachkräftemangel in Bayern oder Rheinland-Pfalz oder Mecklenburg-Vorpommern. Und wenn die Berufserlaubnis da ist, dann gilt sie ja auch für das gesamte Bundesgebiet.

    Die Pflegeoffensive dürfte teuer werden. Sie haben etwa eine Prämie von 5000 Euro für Berufsrückkehrer vorgeschlagen. Befürchten Sie, dass der Gesundheitsminister das Budget wegen der Finanzprobleme der Pflegekassen zusammenstreicht?
    Ich glaube nicht, dass die pflegerische Versorgung vom Gesundheitsminister in irgendeiner Form zusammengestrichen wird. Er betont ganz ernsthaft, dass dieses Thema ganz oben auf der Agenda steht. Die Kosten einer Prämie für Rückkehrer hängen davon ab, wie viele sie in Anspruch nehmen. Das kann man auch deckeln und zum Beispiel auch aus Steuermitteln finanzieren.

    Die Aufwertung des Pflegeberufs ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die in Umfragen auf viel Zustimmung stößt. Außer einer Prämie habe ich unter anderem eine Arbeitszeitreduzierung bei vollem Lohnausgleich vorgeschlagen, um alle in der Pflege Tätigen zu entlasten. Zu dem eingeschlagenen Weg deutlich verbesserter Arbeitsbedingungen und höherer Löhne gibt es aus meiner Sicht keine Alternative.

    Mitte 2019 soll das Ergebnis der „Konzertierten Aktion Pflege“ vorliegen. Ist das angesichts der großen Probleme nicht zu spät?
    Ich finde zwölf Monate schon sportlich. Aber wenn sich auf dem Weg ergibt, dass sich Lösungsvorschläge schneller umsetzen lassen, dann muss man nicht bis Mitte 2019 warten.

    Die Arbeitsgruppen nehmen gerade erst ihre Arbeit auf. Ich bitte deshalb um Verständnis und Vertrauen, dass alle Beteiligten sich der Problematik bewusst sind und dass man uns die Chance gibt, nachhaltige Verbesserungen in der Pflege auf den Weg zu bringen.

    Herr Westerfellhaus, vielen Dank für das Gespräch.

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