Angela Merkel „Das wird Deutschland nicht hinnehmen“

Die Kanzlerin steht in der Flüchtlingskrise schwer unter Druck. Die Gewaltexzesse in Köln machen die Lage für Merkel schwieriger. Sie reagiert mit einer Botschaft an die Beunruhigten im Land – und in den eigenen Reihen.
Mit ihrem Kurs der Willkommenskultur geriet Angela Merkel in die Kritik. Nach den Vorfällen von Köln wird der Zweifel an der Kanzlerin lauter. Quelle: dpa
Kanzlerin unter Druck

Mit ihrem Kurs der Willkommenskultur geriet Angela Merkel in die Kritik. Nach den Vorfällen von Köln wird der Zweifel an der Kanzlerin lauter.

(Foto: dpa)

Berlin/KreuthAngela Merkel neigt nicht zu Einblicken in ihr Gefühlsleben. Doch in der emotional aufgeladenen Debatte über die Geschehnisse von Köln greift die Kanzlerin zu ungewöhnlichen Worten. Wenn sich Frauen schutzlos und ausgeliefert fühlten, sei das auch für sie „persönlich unerträglich“, sagt Merkel am Donnerstag im Kanzleramt. Sie hat dort den rumänischen Ministerpräsidenten Dacian Ciolos zu Gast. Eigentlich wäre Europa das große Thema. Doch Merkel nimmt sich viel Zeit, um auf das einzugehen, was seit Tagen die Republik umtreibt. Der Druck auf sie ist groß.

In der Silvesternacht tobten enthemmte Männergruppen vor dem Kölner Hauptbahnhof. So zumindest berichten es Polizisten, Augenzeugen und Opfer. Frauen wurden sexuell belästigt, begrapscht, beschimpft, beklaut und gedemütigt. Wie viele genau, ist noch nicht klar. Nach und nach gehen weitere Anzeigen ein. Auch über die Täter weiß die Polizei noch immer nicht viel - nur dass der Großteil arabischer oder nordafrikanischer Herkunft sein soll.

Seit jener Nacht entlädt sich in den sozialen Netzwerken jede Menge Hass gegen Ausländer und Flüchtlinge - und auch gegen die Kanzlerin. Schließlich habe Merkel massenhaft Asylbewerber nach Deutschland eingeladen, schimpfen Menschen im Internet. Die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung und die rechtskonservative AfD sehen ohnehin ihre Zeit gekommen und werten die Vorfälle in Köln als Beleg für die nach ihrer Sicht verfehlte Asylpolitik der offenen Arme.

Anderswo auf der Welt gerät Köln ebenfalls in die Schlagzeilen. Ausländische Medien stellen die Geschehnisse dort in Verbindung mit der Asyldebatte und sehen Merkel mit ihrem Flüchtlingskurs in Bedrängnis. Aber auch in der eigenen Koalition, wo Merkel ohnehin schwer zu kämpfen hat, ihre Linie in der Asylpolitik durchzusetzen, rumort es.

Obwohl die Hintergründe der Kölner Ausschreitungen noch alles andere als geklärt sind, wagen sich Unions-Leute weit vor. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer forderte schon am Dienstag die sofortige Abschiebung von Flüchtlingen, die Frauen sexuell belästigen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der zunächst noch zu Besonnenheit aufgerufen hatte, zog einen Tag später nach und brachte ins Gespräch, die Vorgaben für die Abschiebung straffälliger Asylbewerber zu verschärfen. Inzwischen reihen sich weitere Unionisten ein. Dabei ist nicht bewiesen, ob überhaupt ein Asylbewerber unter den Tätern ist.

„Das ist Wasser auf die Mühlen der Falschen“
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